Armin Aydt vom Umweltamt präsentiert zusammen mit Bürgermeisterin Sibylle Schüssler die Maßnahmen des Lärmaktionsplanes.
Armin Aydt vom Umweltamt präsentiert zusammen mit Bürgermeisterin Sibylle Schüssler die Maßnahmen des Lärmaktionsplanes. | Foto: Wacker

Kampf gegen den Krach

Aktionsplan steht: Das will Pforzheim gegen den Lärm unternehmen

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Rund 15 000 Menschen sind in Pforzheim von Lärm betroffen. Das hat die Stadt im Rahmen einer Lärmkartierung festgestellt. Jetzt hat der Planungs- und Umweltausschuss grünes Licht für den Lärmaktionsplan von Bürgermeisterin Sibylle Schüssler gegeben.

Lärm nervt. Und er kann auch schädlich sein. In Pforzheim sind rund 15 000 Menschen, also knapp zehn Prozent der Einwohner, davon betroffen, wie aus der Lärmkartierung hervorgeht. Experten sprechen ab einer Lautstärke von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts von gesundheitskritischem Lärm.

Nur wenige Maßnahmen kommen in Frage

„Nur wenige Maßnahmen kommen für Pforzheim in Frage“, erklärt Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler. Eine davon sind bauliche Maßnahmen. Hierzu gehören unter anderem auch die Schließung des Schlossbergs oder Lärmschutzwände an der B 10 im Eutinger Tal oder an der Büchenbronner Straße. Innerstädtisch sind bauliche Maßnahmen jedoch kaum ein Thema, da der Kosten-Nutzen-Faktor zu gering sei.

Lärmmindernder Straßenbelag

Eine deutlich effizientere Variante ist dagegen die Straßensanierung mit lärmminderndem Belag. In der Regel wird der bei aktuellen Sanierungen bereits eingebaut. Diese Maßnahme bringt zwar eine gute Lärmminderung, allerdings dauern Sanierungen von Planung bis zur Realisierung Jahre, teils Jahrzehnte und können nur peau à peau gemacht werden. Daher sind Sofortmaßnahmen gefragt.

Tempo-30-Strecken

Und hier kommt die dritte Maßnahme zum Zug: Die Einrichtung von weiteren Tempo-30-Zonen, teilweise ganztags, teilweise nur nachts. „Ohne Geschwindigkeitsreduzierungen wird es nicht gehen“, sagt Schüssler. Die geplanten Reduzierungen verteilen sich quer über das Stadtgebiet. Auch bereits vorhandene Tempo-30-Zonen, wie etwa auf der Hirsauer Straße sollen ergänzt werden. Hier gibt es auf der Strecke aktuell drei verschiedene Geschwindigkeitslimits. Tempo-30-Strecken sind auch „ein großer Wunsch der Bevölkerung vor Ort“, sagt Schüssler. In der Regel werden ganztägige Temporeduzierungen vorgenommen. Nur dort, wo es sich ganztägig nicht rechtfertigen lasse, seien ausschließlich nächtliche Temporeduzierungen geplant. „Alleine reicht Tempo 30 aber nicht aus“, weiß Armin Aydt vom Umweltamt. Daher bringe nur eine Kombination aus lärmoptimiertem Fahrbahnbelag und der Geschwindigkeitsreduzierung einen dauerhaften Schutz vor gesundheitskritischem Lärm.

33 städtische Oasen ausgewiesen

Ein weiteres Ziel des Lärmaktionsplanes ist es auch, ruhige Gebiete gegen Zunahme von Lärm zu schützen – sogenannte Oasen. Insgesamt 33 Gebiete wurden als solche vorgesehen, unter anderem der Enzauenpark oder der Blumenhof.
Der Planungs- und Umweltausschuss hat den Vorhaben von Schüssler in seiner gestrigen Sitzung bereits einstimmig zugestimmt. Im nächsten Schritt sollen Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange gehört und gegebenenfalls der Aktionsplan angepasst werden. Wenn alles optimal läuft, kommt das Maßnahmenpaket noch in diesem Jahr in den Gemeinderat. „Hier erwarte ich eine glasklare Zustimmung“, gibt sich die Bürgermeisterin optimistisch. Nach einer Zustimmung sollen dann bereits ab Anfang kommenden Jahres die Maßnahmen „Schritt für Schritt“ umgesetzt werden.