Der langjährige Ski-Funktionär Günter Hujara aus Neuenbürg. | Foto: EPA/JEON HEON-KYUN +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ski-Funktionär aus Neuenbürg

Günter Hujara hat die Ski-Szene auch als Rentner im Blick

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Nach rund 40 Jahren im internationalen Skizirkus hat Günter Hujara endgültig einen Schlussstrich gezogen. Der 66-Jährige aus Neuenbürg bezeichnet sich nun selbst als Rentner. Das Geschehen hat er trotzdem weiter im Blick – auch bei der an diesem Dienstag beginnenden Ski-WM. Sein Rat bleibt gefragt.

Angebot für Olympia 2022

Zuletzt war Hujara noch als Experte ein ganz zentraler Mann im Alpinkonzept der Olympischen Winterspiele in Südkorea. Der internationale Skiverband und die Verantwortlichen in China hätten gerne weiter auf ihn gezählt, damit auch 2022 in Peking auf den Pisten alles glattgeht. Doch Hujara hatte genug. „Ich habe ihnen die wichtigen Namen gegeben und die Struktur für sie aufgebaut. Ich stehe auch noch telefonisch mit meinem Rat zur Verfügung.“ Aber ansonsten ist Schluss, bis 70 wollte er einfach nicht weitermachen.

Der Enkel fährt auch schon Ski

Hujara war Trainer, Funktionär, Renndirektor und dadurch viel unterwegs, immer in höchstverantwortlichen Positionen. Die Familie habe zwar nicht gedrängelt, sagt er. Aber durch die Blume ließ die Tochter schon durchblicken: „Mit Deinen Enkeln könntest du ja schon mehr Zeit verbringen als mit mir.“ Die beiden Jungs sind ein und drei Jahre alt und leben mit der Familie bei Innsbruck. „Der Große fährt schon sehr gut für sein Alter“, lobt Hujara.

Hüft-OP in Neuenbürg

Der Enkel will mit dem Opa immer wieder auf die Piste. Zuletzt musste der Nordschwarzwälder, der gerne auch in Enzklösterle, Kaltenbronn oder am Vogelskopf die Skier anschnallt, etwas bremsen. Denn im November wurde er in Neuenbürg an der Hüfte operiert. Es sei alles gut gelaufen, beruhigt Hujara. „Ich laufe schon wieder hervorragend. Und wenn der Enkel so weiterbohrt, muss ich wohl bald wieder auf die Piste.“
Und was macht der Neu-Rentner sonst den ganzen Tag? „Die Füße hochlegen, mit dem Hund Gassigehen, die Ruhe genießen und den Kontakt mit Freunden und Verwandten genießen.“ Der Weltcup muss jetzt auch mal ohne Günter Hujara klarkommen.
Die Ski-Szene hat der Neuenbürger trotzdem noch kompetent im Blick. Hier einige Einschätzungen.

Über die deutschen Medaillenchancen bei der WM in Åre:

„Es hat nicht gut ausgeschaut, aber das Wellental ist jetzt durchschritten. Der Trend zeigt insgesamt in die richtige Richtung, das zeigt ja auch der Super-G-Sieg von Seppi (Josef Ferstl) in Kitzbühel. Viki (Viktoria Rebensburg) findet langsam wieder zu ihrer Form. Bei ihr ist alles möglich, wie auch bei Kira Weidle aus Stuttgart. Und natürlich Felix (Neureuther), der ja wie sein Vater immer eine Verletzungsgeschichte vor Großevents hat. Aber plötzlich ist er da! Er ist ein unheimlicher Wettkampftyp. Nach außen hin ist er der Sonnyboy, aber er geht sehr konsequent mit sich um. Ein Podiumsplatz ist bei ihm immer möglich. Er ist zwar noch nicht so stabil, aber ich traue es ihm zu.“

Über die vielen Verletzten im Weltcup:

„Die wenigsten Verletzungen sind auf dramatische Stürze zurückzuführen. Teilweise geht es um eine Überlastung der Athleten. Auf den Saisonhöhepunkt Olympia im letzten Winter folgt nun die WM. Das geht an die Substanz. Und grundsätzlich ist und bleibt Skifahren eben ein Risikosport. Da kann man sich noch so viele Maßnahmen überlegen.“