Ein Richterhammer
Auf einem Tisch im Schwurgerichtssaal im Landgericht Karlsruhe (Baden-Württemberg) liegt ein Richterhammer aus Holz. | Foto: Uli Deck/Archiv

Fall Simon Paulus

Hält sich der Hauptverdächtige selbst für einen Psychopathen?

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In einem weiteren Verhandlungstag vor dem Schwurgericht am Landgericht Karlsruhe sind am Freitag neue Details im Fall Simon Paulus ans Licht gekommen.

Von unserer Mitarbeitern Christiane Viehweg

„Ich bin eh am Arsch“, mutmaßte der 27-jährige Angeklagte, als er im Polizeiwagen zur Vernehmung gefahren wurde. Aber „mit der Tat“ habe er „nichts zu tun“, versicherte er ungefragt. Dies berichtete am Freitag ein Polizeibeamter als Zeuge vor dem Schwurgericht in Karlsruhe. Es geht um den Mord am Büchsenmacher und Jäger Simon Paulus aus Birkenfeld-Gräfenhausen, der am 29. August 2018 in seinem Haus umgebracht worden war. Im Oktober wurde seine nur notdürftig vergrabene Leiche im Wald nahe dem Pforzheimer Wildpark geborgen.

Ein Mord und ein weiterer Fall

Auch den Hauptverdächtigen, den 30 Jahre alten Italiener, hatte der Kriminalbeamte vernommen. Der hatte ihm auf die Frage nach Fahrzeugen, die er nutzte, das angeblich gestohlene und verbrannte Auto bei Rom verschwiegen. Neben dem Mordfall gibt es noch einen weiteren Fall: Nämlich, ob tatsächlich der ebenfalls angeklagte 26-jährige Lebensgefährte einer begüterten älteren Dame zusammen mit dem 27 Jährigen einen Mord an dieser plante. Laut dem 27-Jährigen ging es nur um den Klau eines Nobelwagens. Als der Chat zwischen mutmaßlichem Mordopfer und dem Angeklagten zur Sprache kam, hatte sich der Nebenklagevertreter der Frau schon ins Wochenende verabschiedet.

USB-Sticks im Terrarium

Weitere Polizeibeamten, die Spuren gesichert hatten, berichteten unter anderem, dass die Mutter des Paulus von der doppelten Wand, hinter der ein ganzes Waffenarsenal verborgen war, nichts gewusst hatte. Im Terrarium in der Wohnung des Italieners mit einer Schlange darin, lagen unter der Einstreu USB-Sticks mit Filmen, in denen Frauen missbraucht und getötet wurden.

„Running Gag“: „Wenn ich tot bin, bist du reich“

Eine Kriminalbeamtin hatte die Lebensgefährtin des 26 Jahre alten Angeklagten zu Fall II gehört. Ein Testament habe es nicht gegeben, das den Mann begünstigte, hatte diese erklärt. Aber einen Fond habe sie schon für ihn einrichten wollen. Als sie ihren langjährigen Ehemann verloren hatte, hatte sie der Angeklagte aufgefangen. Er „tat ihr gut und auch nicht“, so die Beamtin. Eine Art „Running Gag“ zwischen den beiden war wohl die öfter geäußerte Bemerkung der Frau: „Wenn ich tot bin, bist du reich.“ Dass der Angeklagte noch eine weitere Freundin hatte, nahmen beide Frauen offenbar klaglos hin. Dieselbe Beamtin hatte auch den Computer des Italieners untersucht. Dabei entdeckte sie einen Persönlichkeitstest, den der Angeklagte gemacht hatte: „Wie erkenne ich, dass ich ein Psychopath bin?“
Der letzte Zeuge war ein Freund von Simon Paulus, der ihn gut gekannt hatte. „Nie“, sagte er, hätte Paulus eine seiner Waffen verkauft. Verteidiger Cornelius Schaffrath fragte, ob der Zeuge etwas von den Waffen im Elternhaus gewusst habe. „Nein.“ So gut also hatte er Paulus vielleicht doch nicht gekannt.

 

Der Prozess wird am 3. Juli fortgesetzt.