20.000 Kassenbons sammelten Hans-Ulrich Rülke (links) und Erik Schweickert allein in der Bäckerei Wiskandt mit Geschäftsführer Janis Wiskandt ein. Foto: Ochs

FDP-Sammelaktion

Bonpflicht: Halbe Million Kassenbons vor dem Stuttgarter Landtag abgeladen

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Die FDP hat in Bäckereien in Pforzheim und Enzkreis rund eine halbe Million Kassenbons gesammelt und vor dem Landtag in Stuttgart abgeladen. Ziel der Aktion war, den Parlamentskollegen vor Augen zu führen, welche Müllberge die neue Bonpflicht verursacht.

„Es ist einfach unnötig“, ärgert sich Erik Schweickert und lässt Kassenbons in die Mülltonne eines Recyclingunternehmens fallen. Mit einer Sammelaktion am Mittwoch in Pforzheim und dem Enzkreis unterstreichen die Abgeordneten Schweickert und Hans-Ulrich Rülke im Landtag ihre Forderung nach einer Nachbesserung bei der Bonpflicht. Im Wirtschaftsausschuss ist der Antrag der Liberalen am Mittwochnachmittag allerdings abgelehnt worden.

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20.000 Kassenbons – so viel habe die Bäckerei Wiskandt in den vergangenen 20 Tagen gesammelt. Nur ein Prozent aller Kunden nähmen ihren Bon mit, berichtet Geschäftsführer und FDP-Mitglied Janis Wiskandt. Allein für Januar musste er dank der Bonpflicht so viele Kassenrollen nachbestellen wie sonst in fünf Jahren.

Sammelaktion startet in Pforzheimer Bleichstraße

Aber es gehe nicht nur um die Kosten, sondern auch um das chemisch beschichtete Thermopapier, das der Kunde über den Restmüll entsorgen müsse, betont Schweickert. Bei 1.100 Bäckereien in Baden-Württemberg könne man sich vorstellen, welche Menge an Müll seit Jahresbeginn zusammenkomme. Und: „Wir reden immer über Bürokratieabbau und Umweltschutz. Das passt mit der Bonpflicht einfach nicht zusammen“, sagt der Nieferner kopfschüttelnd.

Anmerkung der Redaktion: Laut Christoph Müller-Stoffels, Marketingchef der Koehler-Gruppe aus Oberkirch, können Kassenzettel heute alle im Altpapier wiederverwertet werden. Das Unternehmen ist einer der Weltmarktführer für Thermopapier, wie es für Kassenbons verwendet wird. Das wegen Gesundheitsgefahren in Verruf geratene Bisphenol A werde in Europa nicht mehr für die Thermopapier-Beschichtung verwendet, betont Müller-Stoffels. Die Kassenzettel, die in Europa verwendet werden, könnten alle als Altpapier wiederverwertet werden.

Weitere Infos rund um die Bonpflicht gibt’s im Faktencheck: Was in Sachen Bonpflicht stimmt – und was nicht

In der Filiale der Bäckerei in der Bleichstraße starteten Schweickert und Rülke am Mittwochmorgen ihre Initiative. Zu dritt stopften die beiden Landtagsabgeordneten und Wiskandt Bons aus Kartons in die Tonne eines Pforzheimer Recycling-Unternehmens. Im Laufe des Vormittags ging es mit dem Lkw weiter zu Bäckereien in Wiernsheim, Friolzheim und Illingen, um weitere Tausende von Kassenbons einzusammeln.

Nicht nur Bäckereien sind betroffen

Der Obermeister der Bäcker-Innung, Martin Reinhardt, stieß auf der Sammeltour dazu – ebenfalls bepackt mit Quittungen. Auf dem Vorplatz des Stuttgarter Landtags haben die Liberalen ihre Sammlung von rund einer halben Million Bons abgeladen. Sie wollten den Kollegen des Wirtschaftsausschusses vor deren Sitzung vor Augen führen, wie viel Müll in kurzer Zeit entstanden ist.

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Nicht nur Bäckereien seien betroffen, sondern jede Imbissbude, sagt Rülke und malt sich aus, wie das im Juni auf der Pforzheimer „Mess“ sein wird, wenn es für jedes Bier einen Bon gibt. Schweickert lässt das Argument, mit der Bonpflicht werde Steuerhinterziehung eingedämmt, nicht gelten, da mit den vorgeschriebenen Systemkassen ohnehin jeder Vorgang dokumentiert werde.

Vor dem Landtag haben Erik Schweickert (rechts) und Bäcker-Innungs-Obermeister Martin Reinhardt (Mitte) rund eine halbe Million Kassenbons abgeladen. Foto: PK

Antrag im Wirtschaftsausschuss abgelehnt

Ziel der FDP ist eine Bundesratsinitiative, um bei der Bonpflicht nachzubessern. Die Belegausgabepflicht solle entfallen oder zumindest eine Bagatellgrenze bis zehn Euro beschlossen werden. Die Aussicht auf Erfolg sehen Schweickert und Rülke eher verhalten. Aber: „Ich hoffe auf die Kraft der Argumente“, sagt Schweickert. Der Antrag der Liberalen wurde mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen im Ausschuss  am Mittwochnachmittag abgelehnt, teilte FDP-Pressesprecher Jan Havlik mit.