Hans-Ulrich Rülke (FDP)
Hans-Ulrich Rülke (FDP). | Foto: Christoph Schmidt/Archivbild

Pforzheimer FDP-Stadtrat

Hans-Ulrich Rülke fordert Verkehrswende mit Wasserstoff-Autos

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Setzen die Regierungen in Land und Bund bei der Mobilitätswende allzu sehr auf batterie-elektrische Antriebe? Davon ist die FDP im Landtag überzeugt. Der Fraktionsvorsitzende und Pforzheimer Stadtrat Hans-Ulrich Rülke fordert deshalb „ein Ende des unsinnigen Batterie-Fetischismus.“

Stattdessen brauche es eine Mobilitätswende im Südwesten, die umweltfreundlich sei, die eigene Technologieführerschaft erhalte, Arbeitsplätze schütze, den Autofahrern Reichweite bringe und niemanden aus der Mobilität ausgrenze. Diese Forderungen sehen die Liberalen mit einer wasserstoff-basierten Verkehrswende erfüllt. Diese werde ein zentrales Thema seiner Partei im kommenden Landtagswahlkampf sein, kündigte Rülke an.

Wasserstoff im Tank ist immer noch eine absolute Randerscheinung im Autoverkehr. | Foto: dpa

Wende in mehreren Etappen

Die Wasserstoff-Wende kann ihm zufolge in mehreren Ertappen erfolgen, ohne dass gleichsam über Nacht eine komplett neue Infrastruktur entwickelt werden müsste. Zunächst sollen mit Wasserstoff synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. Mit ihnen könnten die heute vorhandenen Autos emissionsärmer fahren. In einem weiteren Schritt solle der Wasserstoff direkt genutzt werden – zum Beispiel in Brennstoffzellen, die einen Elektroantrieb versorgen.

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Auf lange Sicht schließlich schwebt den Liberalen eine umfassende Wasserstoffwirtschaft vor. Dabei wird per Wasser-Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Quellen „grüner Wasserstoff“ erzeugt. Die Themen Verkehr, Wärme und Elektrizität ließen sich damit vernetzen. Wer gemäß dem Pariser Abkommen zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgas-neutral wirtschaften wolle, müsse jetzt ins Wasserstoff-Zeitalter starten, mahnt die FDP.

Die einseitige politische Fokussierung auf die batterieelektrische Mobilität muss als Irrweg erkannt und gestoppt werden.

Der Pforzheimer Stadtrat und FDP-Fraktionsvorsitzende im Land, Hans-Ulrich Rülke

Derzeit ist auf dem deutschen Automarkt lediglich eine Handvoll Brennstoffzellenautos zu haben, knapp 100 Wasserstoff-Tankstellen verteilen sich zwischen Ostsee und Oberstdorf. Unterschiedliche Aussagen gibt es zu den entsprechenden Infrastrukturkosten. Laut einer Untersuchung des Forschungszentrums Jülich aus dem vergangenen Jahr liegen sie bei einer wasserstoffbasierten Verkehrswende für 20 Millionen Autos deutlich unter denen des batterie-elektrischen Wegs.

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Brennstoffzelle erhält mehr Arbeitsplätze

Unstrittig ist unter Ökonomen und Unternehmern, dass die Herstellung von reinen E-Autos weniger Arbeitsplätze erfordert als die von Diesel-, Benzin und Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Bosch-Chef Volkmar Denner bringt es auf folgenden Nenner: „Wenn wir bei einem Diesel-Einspritz-System zehn Mitarbeiter beschäftigen, sind es bei einem Benzin-System drei und bei einem E-Fahrzeug nur noch einer.“

FDP-Fraktionsvorsitzender Rülke spricht von einem „deutlich höheren Beschäftigungspotenzial der Brennstoffzelle.“ Auch deshalb müsse die „einseitige politische Fokussierung auf die batterieelektrische Mobilität als Irrweg erkannt und gestoppt werden.“

In der Bundesrepublik gab es im vergangenen Jahr rund 142.000 batterieelektrische Autos, in der ersten Hälfte dieses Jahres kamen 48.000 Neuzulassungen von E-Autos und Plug-in-Hybriden hinzu.