Aus der Enge einer Animal-Hoarding-Wohnung hat die freche Tigerdame Gladys den Sprung in das eigene Zuhause geschafft. Foto: Ochs

Weltkatzentag in der Region

Herzensräuber mit Happyend

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13 Millionen Katzen leben in Deutschland. Viele von ihnen haben eine abenteuerliche Biografie und landen irgendwann im Tierheim, ehe sie ein neues Zuhauses finden. Am Weltkatzentag schildern Kurier-Mitarbeiter die wechselvollen Geschichten ihrer schnurrenden Vierbeiner. In allen Fällen haben die plüschigen Herzensräuber ein Happyend erlebt.

40 Katzen in Zweizimmerwohnung

Viel gesehen und erlebt haben die beiden Tiger-Damen Gitte und Gladys in ihrem Katzenleben. Die Zwei haben die ersten Jahre ihres Lebens in einer Animal-Hoarding-Wohnung verbracht – zusammen mit 40 anderen Katzen in zwei Zimmern. Als die Samtpfoten aus der Wohnung befreit wurden, hat das Pforzheimer Tierheim fünf der Katzen übernommen,  unter ihnen Gitte (9) und Gladys (7), die mit großer Wahrscheinlichkeit Mutter und Tochter sind. Das Quintett war eine verschworene Bande und drei der Miezen auch schnell vermittelt, nur Gitte und Gladys blieben nach rund zehn Monaten zurück.

Rubens-Katze Gitte hat ein großes Herz, es sei denn, es geht ums Fressen. Dann versteht sie keinen Spaß. Früher musste sie sich räumlich einschränken, heute kann sie sich auf 110 Quadratmetern ausbreiten. Foto: Ochs

Trennungsangst schweißt Katzenduo zusammen

Doch Gitte und Gladys fanden sich im Tierheim gut zurecht und lebten mit anderen korpulenten Exemplaren im Dicken-Zimmer, weil „Rubens-Katze“ Gitte für ihr Leben gern frisst und das ein oder andere Kilo zu viel auf die Waage brachte. Ihr schlankes Töchterchen musste sich daher mit Diät-Futter begnügen. Nachdem ihre langjährigen Weggefährten vermittelt waren, wurde aus ihrer Clique ein Duo – ein unzertrennliches. Wie stark die Verbundenheit und die Trennungsangst zwischen den beiden ist, zeigte sich, als sie schließlich doch in ein neues Zuhause umziehen sollten. Gladys legte sich auf Gitte und verteidigte sie fauchend. Eine Stunde dauerte es, bis Tierheim-Mitarbeiter die beiden Tiger in Transportboxen verfrachtet hatten und diese den Weg in ihr neues Zuhause antreten konnten. Heute leben die zwei Katzendamen wie Gott in Frankreich auf 110 Quadratmetern und wissen genau, wie sie ihre beiden Herrchen um die Pfötchen wickeln müssen. Aber das ist eine andere Geschichte.

In Spanien von der Straße aufgelesen

Tja, so ist das, wenn man die sprichwörtliche Katze im Sack ins Haus holt: Man weiß nicht, was in diesem flauschigen Fellpaket an Überraschungen steckt. Kitty ist eine Siamkatze, die in Spanien von der Straße aufgelesen wurde und in Barcelona hinter Gittern landete beziehungsweise in der Obhut von Tierfreunden. Zu sehen ist auf dem Bewerbungsfoto nicht, dass Kitty einen stark abgeknickten Stummelschwanz hat, den sie wie einen Joystick bewegen kann. Ein Unfall, meint der Tierarzt. Auch nicht zu sehen ist auf den ersten Blick, dass Kitty mit ihren vier Jährchen schon einiges durchgemacht haben muss.

Sanft gelandet nach unruhigem Vorleben: Eine Wohnung kann viel bieten für Stubentiger, etwa Spielzeug, Nischen hinter Büchern, die es zu entdecken gilt, und einfach auch mal ein sanftes Ruhekissen – alles da für Kitty Cat Karlotta. Foto: Roth

Vor Stress Bauch und Bein kahl geschleckt

Sie landet erst mal in der Nähe von München, in einem Katzenhaushalt mit zwei weiteren Siamkatzen. Aber drei sind wohl eine zu viel. Jedenfalls gibt es fauchenden Zoff und Kitty schleckt sich vor lauter Stress den Bauch und ihre Vorderbeine kahl. Auch nach dem Umzug nach Pforzheim ist  sie extrem schreckhaft, weitet panikartig die Augen, wenn in der hellhörigen Wohnung auch nur ein Stuhl in der Nachbarwohnung auf dem Boden entlang quietscht. Da ist guter Rat teuer oder beziehungsweise nicht, weil der Tierarzt von teuren Blutuntersuchungen abrät. Da grübelt der gute Doktor doch lieber über den richtigen Bachblüten.
Kitty braucht Zeit. Und Umzüge sind keine gute Idee, nicht mal im Urlaub in die „Katzenpension“ einer guten Freundin. Kitty muss zu Hause bleiben, damit sie lernt: „My home is my castle“.

18-jährige Liesel ist seit zwei Jahren blind

Ihr hohes Alter ist für Liesel mitunter ein Kampf auf vielen Ebenen: Die 18-jährige Katzendame ist seit etwa zwei Jahren blind. Außerdem funktioniert ihr Geruchssinn nicht mehr optimal und auch das Gehör lässt merklich nach. Dennoch scheint es der rot-beigen Katze aus Königsbach meist gutzugehen, besonders wenn sie tagsüber ausgiebig in der Sonne dösen kann.

Hunde und andere Katzen werden nun geduldet

Abends, beim Fernsehkrimi, lässt sie sich mit Vorliebe auf dem Schoß ihres Lieblingsmenschen nieder und beißt vor lauter Begeisterung in dessen Finger. Meist kommt Liesel in ihrer Umgebung gut zu recht. Findet sie hin und wieder den Weg nicht, stößt sich an Möbeln und Wänden oder läuft im Kreis, wird sie von ihren Zweibeinern durch kräftiges in die Hände klatschen in die gewünschte Richtung gelenkt. Und wenn sie länger benötigt, um ihren Fressnapf zu finden, genügen ein paar hörbare Schläge auf den Rand des Napfs, um ihr den nahrhaften Weg zu weisen. Als die zierliche Liesel noch im Vollbesitz ihrer Kräfte und ihres Augenlichts war, ließ sie keine andere Katze, geschweige denn einen Hund auch nur in ihre Nähe, ohne fürchterlich zu fauchen. Das hat sich nun geändert. Hund und Katze aus der Nachbarschaft können mittlerweile dicht an Liesel vorbeigehen – sie bleibt dennoch ganz entspannt. Ihren nächtlichen Schlafplatz außerhalb der Wohnung musste die betagte Fellnase aus Sicherheitsgründen freilich aufgeben. Doch sie hat sich ziemlich schnell an ihre neue Schlafnische in der Küche gewöhnt, wo im Winter üblicherweise Holz für den Kachelofen lagert.

Neue Nähe: Liesel ließ früher keinen Hund und keinen Kater in ihre Nähe. Seit sie blind ist stört sie das nicht mehr. Hundedame Rala findet das auch gut so. Foto: Faulhaber

Ferienreisen sind schwierig geworden

Ferienreisen sind für ihre Besitzer allerdings ein Problem geworden. Zum Winterurlaub in die vertraute Hütte wird Liesel wie immer mitgenommen, da kennt sie sich bislang erstaunlich gut aus. Noch im März kletterte sie behände über eine an der Wand hängende Leiter zu ihrem Schlafplatz unter dem Dach, allerdings kam sie nicht mehr alleine herunter. Liesel irgendwo zur vorübergehenden Pflege abgeben ist nicht möglich, sie würde sich nicht zurecht finden. Dennoch blickt ihre Menschenfamilie mit Sorge auf Liesels zu Ende gehendes Leben und versucht, ihr den Lebensabend so entspannt wie möglich zu gestalten.

Mitarbeit: Susanne Roth und Ulrike Faulhaber