Lisa hat ein Zuhause. Seit zwei Wochen lebt die ehemalige Streunerin bei einem Ehepaar. | Foto: PK

Pforzheimer Streuner im Glück

„Hündin Lisa ist schon richtig angekommen“

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Das Schicksal eines rumänischen Straßenhundes hat Pforzheim im Sommer wochenlang bewegt: Viele Menschen sorgten sich um Lisa, eine Mischlingshündin, die vor der geplanten Übergabe an Tierfreunde ausbüxte und von da an verängstigt durch die Straßen der Goldstadt streunte.

Ein doppelter Glücksfall

Ein halbes Jahr später scheint sich für den scheuen Vierbeiner alles zum Guten zu wenden. Lisa lebt seit etwa zwei Wochen, vorläufig noch zur Probe, bei einem Ehepaar in einem Ort zwischen Pforzheim und Stuttgart. „Ein doppelter Glücksfall“, sagt Miriam Frantz. Für Lisa kann sie zwar nicht sprechen. Aber Miriam und ihr Mann Manfred Frantz sind Hundekenner und glauben, die Zeichen richtig zu deuten, die ihre neue Mitbewohnerin aussendet. Lisa mache einen entspannten Eindruck. „Sie ist hier schon richtig angekommen. Sie liegt im Wohnzimmer auf dem Boden und lässt sich kraulen. Beim Gassigehen ist sie wie eine Feder an der Leine.“

Man hält es nicht aus ohne Hund

Ein Glücksfall ist Lisa ganz zweifelsohne für ihr neues Frauchen und Herrchen. Die beiden Hundefans wollten eigentlich keinen Vierbeiner mehr, nachdem sie im Mai schweren Herzens ihre geliebte Hündin nach 14 Jahren einschläfern lassen mussten. Sie habe so sehr gelitten, berichtet Miriam Frantz. „Aber man hält das einfach nicht aus ohne Hund.“ Also hörten sie sich um, lasen Anzeigen und klapperten, aller Skepsis zum Trotz, auch Tierheime der Umgebung ab. „Es war gar nicht so einfach, einen Hund zu finden, der zu uns passt.“

Lisa war eben ein Fundhund

Im Tierheim Ludwigsburg lebte Lisa, nachdem sie Ende Juni mithilfe einer Lebendfalle am Pforzheimer Enzufer eingefangen worden war. Ein Howerwart-Rüde hatte dort das Interesse des Ehepaars geweckt. Aber der Wunschhund ähnelte zu sehr der verstorbenen Hündin, die wie Lisa ein Schäferhundmix war. Dann sollte es Rocco sein, ein anderer Mischling. Alles Beschnuppern und Gassigehen half jedoch nichts – „der Funke sprang nicht über“. Da bemerkten die beiden Lisa, wie sie mit ihrem Kumpel Noah in einem Außengehege umher sprang. „Guck mal, was für eine Süße“, sagten sie einer zum anderen. Sie wollten mehr wissen über diesen vorsichtigen und doch neugierigen Vierbeiner. Im Tierheim konnte ihnen niemand groß Auskunft geben. Lisa war eben ein Fundhund. „In Top-Zustand, sehr gepflegt, mit tollem Fell“.

Absurde Verfolgungsjagd

Das Ehepaar Frantz recherchierte und stieß dabei auch auf jene von Tierschützern damals sehr kritisierte, absurde Verfolgungsjagd, zu der einige vermeintliche Hundefreunde im Sommer in Internetforen aufgerufen hatten.
Dann kam der erste Versuch gemeinsamen Gassigehens. Im Tierheim sei man zurückhaltend gewesen. Würde sie sich von den fremden Menschen überhaupt Geschirr anlegen lassen? „Ich bin dann alleine zu ihr reingegangen“, berichtet Miriam Frantz. „Irgendwie war ich mir sicher, dass es funktioniert.“ Und es funktionierte.

Lisa fasst langsam Vertrauen

Nach einigen Wochen vorsichtiger Annäherung zwischen Hund und Menschen nahmen Miriam und Manfred Frantz Lisa mit heim. Die am Waldrand gelegene Wohnung scheint Lisa nun ganz langsam und Zentimeter für Zentimeter als ihr Terrain zu erobern. „Sie linste vorsichtig um die Ecke und fasste Vertrauen.“ Während des Telefongesprächs mit dem Pforzheimer Kurier sagt Lisas Frauchen plötzlich: „Sie liegt hier neben mir und pennt.“ Wenn die Hündin eine Zeit lang allein bleiben muss, gebe es kein Gejaule. „Wenn wir heim kommen, springt sie wie ein Ping-Pong-Ball. Sie freut sich.“ Noch ist alles ganz frisch und ob die ehemalige Streunerin sich an das neue, geordnete Leben gewöhnen wird, bleibt noch abzuwarten. Den Eindruck, sie wolle flüchten, haben Lisas Besitzer nicht. „Uns kommt es vor, als wenn sie hierher gehörte.“