Chefin im Rathaus von Niefern-Öschelbronn ist seit einem Jahr Birgit Förster. Foto: Ochs

Bürgermeisterin Birgit Förster

„Ich freue mich jeden Tag auf meinen Job“

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Mit einem Vertrauensvorschuss ist Birgit Förster am 1. Juli vor einem Jahr in ihr Amt als Bürgermeisterin von Niefern-Öschelbronn gestartet. Das Vertrauen habe sich sogar noch intensiviert, sagt die 43-Jährige, die im Gespräch mit den Kurier-Redaktionsmitgliedern Torsten Ochs und Tassilo Pfitzenmeier ein positives Fazit zieht.

Frau Förster, haben Sie sich die Arbeit als Bürgermeisterin so vorgestellt?

Förster: Ja, was die Vielseitigkeit der Arbeit betrifft und was meine Rolle in der Öffentlichkeit angeht – man ist ja ein Mini-Promi. Und nein, die Arbeit ist sogar noch schöner als erwartet. Ich bin positiv überrascht. Die Gemeinde ist sehr gut aufgestellt mit guter Infrastruktur, mein Vorgänger Jürgen Kurz hat eine fundierte Arbeit geleistet und hier im Rathaus habe ich zudem motivierte und fachlich kompetente Mitarbeiter. Das sind Faktoren, die man vorher nicht wirklich einschätzen kann. Was man ebenfalls nicht einschätzen kann, ist, was einen als neue Bürgermeisterin tatsächlich im Alltag erwartet. Es ist natürlich kein geregelter Bürojob, aber Beruf und Privatleben greifen bei mir zum Glück harmonisch ineinander.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Förster: Das Vertrauen der Bürger in mich als Person. Ich bin nach dem für mich sehr emotionalen Wahlsieg natürlich sehr positiv in meine Amtszeit gestartet und von Anfang an gut angenommen worden. Das Vertrauen in mich hat sich im Laufe des Jahres aber sogar noch verstärkt. Es gab viele positive Rückmeldungen.

Was war mit Blick auf Ihren Job als Hauptamtsleiterin von Neubulach die größte Umstellung?

Förster: Eine große Herausforderung war, und das meine ich nicht im Scherz, Kleinigkeiten zu delegieren, also beispielsweise, das Vorzimmer zu bitten, jemanden anzurufen und zu mir durchzustellen. Aber dieses Rückenfreihalten ist eine große Zeitersparnis und sehr wertvoll.

Was hat Sie in dem Jahr am meisten geärgert und was gefreut?

Förster: Nerviges oder Frustrierendes gab es ganz wenig. Ich muss mich bei Projekten allerdings in Geduld üben, weil die Verfahren einfach ihre Zeit dauern. Ich stehe jeden Morgen mit einem Lächeln auf und freue mich auf meinen Job. Es ist nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung. Man arbeitet nicht Bürgermeister, man lebt Bürgermeister. Besonders gefreut habe ich mich über das Gemeindeentwicklungskonzept, das ich zusammen mit dem Gemeinderat angestoßen habe. Auf den Weg gebracht haben wir auch das Klimaschutzkonzept der Gemeinde.

Wo Sie von Gemeindeprojekten sprechen: Die Aktion „60plus“ hatte großen Zuspruch. Wie geht es damit weiter?

Förster: Die Veranstaltung war der Auftakt zum Projekt „Gesund aufwachsen und Leben in Baden-Württemberg“, um Senioren über die Angebote der Gemeinde zu informieren. Der nächste Schritt soll eine Broschüre für Senioren mit allen Angeboten sein. Im Oktober soll es außerdem eine Klausursitzung zum gestarteten Gemeindeentwicklungskonzept „Niefern-Öschelbronn 2035“ geben und dann im Frühjahr 2018 Planungswerkstätten mit den Bürgern. Ende 2018 soll das Konzept stehen, nach dem sich die Gemeinde ausrichtet. Parallel dazu wird ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet.

Welche Projekte sind noch geplant?

Förster: Beim Schulausbau: die Fertigstellung des Erweiterungsbaus der Werkrealschule und bei der Realschule die Baumwipfel-Klassenzimmer. Außerdem bauen wir die Betreuung, die Angebote und die Öffnungszeiten des Jugendhauses aus – das liegt besonders am Herzen. Mir ist es wichtig, Jugendlichen eine Perspektive zu bieten.

Viele Projekte hat Birgit Förster in ihrem ersten Jahr als Bürgermeisterin gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung schon angepackt. Foto: Ochs

Wie sieht die ärztliche Versorgung in den beiden Ortsteilen aus – gibt es einen Mangel an Hausärzten?

Förster: Wir sind noch versorgt, müssen das aber im Auge behalten. Die Praxis an der Klinik Öschelbronn fängt viel auf. Wir haben eine engagierte Hausarztpraxis mit den Doktoren Knapp und außerdem ist auch die örtliche Nähe zu Pforzheim günstig für uns. Es ist für mich kein Kernthema, aber ich werde es nicht aus den Augen verlieren.

Apropos Klinik Öschelbronn: Wie wichtig ist der Klinikneubau, der im Sommer beginnen soll, für die Gemeinde?

Förster: Es ist eine wichtige Säule in der ärztlichen Versorgung. Die Klinik macht Niefern-Öschelbronn über die Gemeindegrenzen hinweg bekannt und verleiht der Gemeinde ein Alleinstellungsmerkmal.

Beteiligt sich die Gemeinde an den Baukosten von 32,5 Millionen Euro?

Förster: Finanziell sind wir nicht beteiligt. Die Gemeinde unterstützt bei den erforderlichen Rahmenbedingungen wie Energieversorgung und Zufahrtswege und beschließt den Bebauungsplan.
Thema Sicherheit: Niefern-Öschelbronn hat öfter mit Einbrüchen zu kämpfen. Was kann die Gemeinde tun?
Förster: Wir arbeiten gut mit dem Polizeiposten zusammen, Objektschutz können wir allerdings nicht gewährleisten. Es gibt die Citystreife, die Vandalismus eindämmt. Was wir tun können, ist, Ratgeber für Sicherheitsmaßnahmen an Bauherren zu verteilen, um sie so zu sensibilisieren. Außerdem unterstützen wir die Präventivarbeit des Polizeipostens.

Was ist der Stand der Dinge beim Autobahnausbau, von dem Niefern auch betroffen ist?

Förster: Die Planungsarbeiten sind im Gange, wir stehen im Kontakt zum Regierungspräsidium Karlsruhe und versuchen, uns abzustimmen. Am 10. Juli wird es eine Informationsveranstaltung im Ameliussaal für die Bürger geben. Die Gemeinde ist Mitglied im Projektbegleitkreis und über diesen an den Baufortschritten beteiligt. Vier Brücken der Autobahn müssen abgerissen werden, zwei davon auf Nieferner Gemarkung. Wir befürchten dadurch einen Rückstau auf die B10, wenn diese Adern im täglichen Berufsverkehr gekappt werden. Das wird sich massiv auf Niefern-Öschelbronn auswirken und die Bürger belasten. Die Landwirte werden massiv in ihren täglichen Betriebsabläufen beeinträchtigt. Nach der fünfjährigen Bauzeit, die Ende 2019/Anfang 2020 beginnen soll, schließt sich vermutlich der vierspurige Ausbau der B 10 an.

Im Wahlkampf haben Sie gesagt, Sie würden das touristische Potenzial der Gemeinde gerne ausbauen.

Förster: Ja, mein erstes Projekt sind die beiden Abreißblöcke – sie sind mein Baby (lacht). Hoteliers und Unternehmer können damit die Gemeinde ihren Kunden vorstellen. Zu sehen sind je eine Straßenkarte der beiden Ortsteile und Sehenswürdigkeiten der Gemeinde. Als nächstes Projekt soll eine zweisprachige Image-Broschüre aufgelegt werden. Unsere Firmen, die international tätig sind, können damit die Gemeinde ebenfalls ihren Kunden präsentieren.

Wohnen Sie inzwischen in der Gemeinde?

Förster: Ich wohne bisher drei bis vier Tage pro Woche in einer Wohnung in Niefern. Mein Mann, mein Sohn und meine Tochter leben noch in Altensteig-Wart. Wir bauen in Öschelbronn, gerade war Spatenstich. Wir hoffen, dass wir Silvester im neuen Haus feiern können.