Mit Freude dabei: Gut gelaunt füllt Sascha Giese Leitungswasser in die mitgebrachte Flasche. Der Inhaber des Unverpackt-Ladens in der Jörg-Ratgeb-Straße 23 beteiligt sich seit Ladeneröffnung an dem Projekt „Refill Deutschland“.
Mit Freude dabei: Gut gelaunt füllt Sascha Giese Leitungswasser in die mitgebrachte Flasche. Der Inhaber des Unverpackt-Ladens in der Jörg-Ratgeb-Straße 23 beteiligt sich seit Ladeneröffnung an dem Projekt „Refill Deutschland“. | Foto: Oest

Refill-Aktion in Pforzheim

„Ich fülle auch in Plastikflaschen“ – Gratis Leitungswasser in Unverpackt-Laden

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Leitungswasser ist Trinkwasser. Um diesen Grundgedanken zu stärken, gibt es die Aktion „Refill Deutschland“. In teilnehmenden Läden kann man sein mitgebrachtes Gefäß kostenlos mit Leitungswasser auffüllen. In Pforzheim beteiligen sich zwei Auffüllstationen.

Die Sonne brennt, doch das Wasser ist alle. Im Unverpackt-Laden von Sascha Giese steht eine junge Radfahrerin und lässt sich ihre Wasserflasche mit Leitungswasser auffüllen. Umsonst. Denn der Laden von Giese macht bei der Aktion „Refill Deutschland“ mit.

Bevorzugt kommen Radfahrer

Hinter der 2017 in Hamburg gestarteten Aktion steckt ein einfacher Gedanke: Läden, die wie der Unverpackt-Laden in der Jörg-Ratgeb-Straße 23, einen Refill-Aufkleber auf der Tür haben, füllen kostenlos Leitungswasser in jedes mitgebrachtes Trinkgefäß. „Jeder hat ein Grundrecht auf Wasser, deshalb sind wir als Laden da gerne dabei“, sagt Giese aus Überzeugung. Im Schnitt, so schätzt er, kämen pro Woche etwa zwei bis drei Kunden zum Auffüllen, die sich mit Leitungswasser versorgen lassen – bevorzugt Radfahrer. Zu wenig für seinen Geschmack und ein Zeichen, dass die Aktion noch nicht so bekannt ist. Die Größe der Flaschen zum Auffüllen ist ihm dabei egal. „Ich fülle auch in Plastikflaschen“, sagt er lachend.

Der kleine, blaue Aufkleber auf dem Tresen symbolisiert den Kunden, dass es hier Leitungswasser zum Mitnehmen gibt.
Der kleine, blaue Aufkleber auf dem Tresen symbolisiert den Kunden, dass es hier Leitungswasser zum Mitnehmen gibt. | Foto: Oest

Für Umweltschutz und zur Vermeidung von Plastikmüll

Bei Refill machen alle deutschlandweit beteiligten Geschäfte ehrenamtlich mit. Der Leitgedanke dahinter: Umweltschutz, Vermeidung von Plastikmüll und die Stärkung der Bedeutung von Leitungswasser als Trinkwasser. Giese wurde auf die Aktion zum ersten Mal in Kiel aufmerksam. „Es hat mich sofort begeistert“, sagt er. Und seit sein Unverpackt-Laden im Oktober 2018 eröffnet hat, klebt auch der kleine Refill-Aufkleber an der Tür und am Tresen im Inneren.

Selbst wenn es zehn Euro waren – wenn ich als Unternehmer die nicht habe, dann läuft doch etwas falsch

„Wasser ist ein Gut, das man guten Gewissens herausgeben kann, es kostet ja nicht viel“, findet Giese. Auf die Frage, was das Wasser, das er bislang an Kunden abgefüllt hat, gekostet hat, zuckt er mit den Schultern. Fünf Euro etwa schätzt er. „Selbst wenn es zehn Euro waren – wenn ich als Unternehmer die nicht habe, dann läuft doch etwas falsch“, so die Ansicht des Geschäftsmannes. Auch in Zeiten von der Bewerbung der Stadt Pforzheim als Fairtrade-Town (der Kurier berichtete) und den diesjährigen „Fairen Wochen“ vom 13. bis 27. September würde sich Giese wünschen, dass mehr Geschäfte in der Stadt und der Region mitmachen. „Es ist doch cool, dass es solche Angebote überhaupt gibt“, so sein Fazit.

Auch Touristen-Information macht mit

In der Tat ist die Aktion in der Stadt noch nicht weit verbreitet. Neben dem Unverpackt-Laden gibt es in Pforzheim noch eine weitere, eingetragene Refill-Station: Die Touristen-Information der Stadt am Schloßberg. Dort hängt der Aufkleber etwa seit Mitte 2017, wie sich die Servicemitarbeiterin Ingrid Hoheisen erinnert. „Aber eigentlich machen wir das schon immer, auch bevor es die Kampagne gab. Wenn wer zu uns kommt und Wasser möchte, bekommt er es auch“, so Hoheisen. Sie schätzt, dass der Dienst im Schnitt etwa fünfmal pro Woche in Anspruch genommen wird. Und eine ganz andere Idee bringt sie auch noch ins Spiel: „Ich fände es auch gut, bei der ’Netten Toilette’ mitzumachen.“ Diese Aktion ist ähnlich, nur, dass dabei eben das WC einer Einrichtung oder Gaststätte zur öffentlichen Benutzung bereitgestellt wird.

Refill Deutschland
Bei der Aktion mitmachen kann jeder Laden mit klaren Öffnungszeiten. Online gibt es Aufkleber zum Ausdrucken und Anbringen am Laden unter: www.refill-deutschland.de