Im Wiesental will die Caritas ein Wohnheim mit 24 Plätzen für Schwerstbehinderte bauen. Eine Bürgerinitiative ist dagegen und hat einen Bürgerentscheid durchgesetzt. Am Sonntag können Illinger über das Projekt abstimmen. Visualisierung: Architekturbüro Schmid

Bürgerentscheid am Sonntag

Illinger stimmen über Caritas-Wohnheim ab

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Wird das Wohnheim für 24 Schwerstbehinderte in Illingen gebaut oder nicht? Das entscheidet sich am  Sonntag, 14. Oktober, beim Bürgerbegehren in der Gemeinde. Wahlberechtigt sind 6 150 Bürger.
Damit das Quorum erreicht ist, müssen mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten für Ja oder Nein stimmen.

Bei Fragestellung ist genaues Lesen erforderlich

Allerdings weist die Gemeindeverwaltung darauf hin, dass das genaue Lesen und Verstehen der von der Bürgerinitiative vorgegebenen Fragestellung wichtig sei. Die Frage zielt auf den Bebauungsplan ab und nicht auf das Caritas-Projekt: Gefragt wird „Sind Sie dafür, dass in den nächsten drei Jahren im Gebiet Keuterländer/Aischbach (Bebauungsplan Mühlstraße/Brandweg) keine Änderung des Bebauungsplans eingeleitet wird? Wer Ja ankreuzt, stimmt mit Nein für das Caritas-Wohnheim, das dann vermutlich nicht realisiert werden könne, so die Gemeindeverwaltung. Denn der Bebauungsplan könne dann die nächsten drei Jahre nicht geändert werden. Wer mit Nein stimmt, befürwortet das Caritas-Projekt. Dann können die nächsten Schritte eingeleitet werden. Hierzu gehört ein Bebauungsplanverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange.

Bürgerinitiative kämpft gegen das Projekt

Auf den Weg gebracht wurde der Entscheid von einer Bürgerinitiative, hauptsächlich Anlieger des erwogenen Baugrundstücks im Wiesental, südlich der Schützinger Straße sowie der Zufahrtsstraße zum geplanten Standort. Sie argumentieren unter anderem mit hohem Verkaufsaufkommen, Hochwasser- und Grundwasserschutz. Manch anderer Gegner gab an, dass seine Aussicht durch das einstöckige Gebäude auf der 5 700 Hektar großen Baufläche verbaut wäre.

Alternativstandort scheidet aus

Ein von der Initiative vorgeschlagener Alternativstandort kommt wie berichtet aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage – unter anderem weil das ehemalige Lagergelände in der Luigstraße zu isoliert im Gewerbegebiet liege und den Inklusionsbemühungen nicht gerecht werde, so Caritas-Geschäftsführer Frank-Johannes Lemke. Laut Bauamtsleiter Thomas Mörmann gebe es hohe Hürden, ein Gewerbegebiet in ein Wohngebiet umzuwandeln. Zudem könnten sich Altlasten auf dem Areal befinden, fügt Bürgermeister Harald Eiberger hinzu. Die Bürgerinitiative vermutet, dass die Ablehnung damit zusammenhängt, dass die Gemeinde das Gelände im Wiesental unbedingt verkaufen will, um sich die Einnahmen von 1,2 Millionen Euro zu sichern.

Neues Einrichtung „dringend notwendig“

Caritas-Geschäftsführer Lemke führt ins Feld, dass die Wohneinrichtung für Menschen mit Schwerstbehinderung dringend notwendig sei und verweist auf Wartelisten in vorhandenen Heimen wie dem Haus im Pforzheimer Kappelhof (der Pforzheimer Kurier berichtete). Dadurch müssten viele in Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet ausweichen. In Illingen ist ein Konzept mit Wohnen und Beschäftigung in einer Tagesförderstätte unter einem Dach vorgesehen. Die Caritas, die als Bauherrin fungieren würde, hatte im Enzkreis angefragt und die Gemeinde Illingen hatte daraufhin das Grundstück im Wiesental angeboten.

Das Ergebnis soll am Sonntag um 19.15 Uhr vom Gemeindewahlausschuss im Sitzungssaal des Rathauses in Illingen verkündet werden. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Danach wird ausgezählt. 762 Wahlberechtigte haben Briefwahl beantragt.