Behindertensportler und Oberliga-Kicker des 1. CfR Pforzheim spielten beim Rudolf-Reinacher-Turnier zusammen. | Foto: Harry Rubner

Inklusion im Sport

Inklusionsfußballer sind die heimlichen Stars

Es braucht schon besondere Spieler, damit fast alle Zuschauer in der Fritz-Erler-Halle gleichzeitig aufstehen, in die Hände klatschen und „Huh!“ rufen. Der Schlachtruf der Isländer bei der Fußball-EM 2016, er war beim Rudolf-Reinacher-Gedächtnisturnier 2017 omnipräsent.
Denn zwischen den Halbfinals trat die Inklusionsabteilung des 1. CfR Pforzheim in Erscheinung. Über 40 Spieler mit Behinderung kickten zusammen mit Spielern der Oberligamannschaft des CfR beim Einlagespiel. 15 Minuten lang hieß es „Team weiß“ gegen „Team blau“. Der Spaß stand dabei sichtbar im Vordergrund. Da darf ein kleinwüchsiger Mann einen Neunmeter verwandeln, ein anderer eine Schwalbe mit Ansage machen, Spieler bejubeln Tore der Gegner.

Turnierteilnehmer feuern Behindertensportler mit Isländer-Rufen an

Hauptanimateur der Zuschauer ist Kai Kölmel vom SC Markdorf. Während alle anderen Augenpaare auf das Spielfeld gerichtet sind, starrt er zu den Zuschauern, hebt die Arme, gibt den Wikinger. Sein Team ist beim Reinacher-Turnier bereits in der Vorrunde mit null Punkten gescheitert, doch das ist ihm in diesem Moment egal. „Wir haben selbst eine Inklusionsmannschaft und finden es klasse, wenn so eine tolle Stimmung für diese Jungs herrscht, die einfach nur spielen wollen“, sagt er auf Nachfrage. Eindruck haben die Behindertensportler auch beim späteren Turniersieger und Top-Torjäger Rainer Scharinger (CfR) hinterlassen. „Das mit der Lebenshilfe macht richtig Spaß. Da geht die ganze Halle mit“, erklärt er.

Inklusionsabteilung des CfR eine der größten Deutschlands

Die Inklusionsabteilung des CfR ist eine der größten, wenn nicht die größte in ganz Deutschland, erklärt Inklusions-Abteilungsleiter Steffen Bähr. Seit zweieinhalb Jahren kooperieren die einstigen Kicker der Lebenshilfe mit dem 1. CfR, seit anderthalb Jahren gehören sie offiziell dem Verein an, dürfen teilweise mit den Oberligisten mittrainieren, tauschen sich aus. „Wir sind hier sehr toll im Verein aufgenommen worden“, sagt Bähr, der die Inklusionsmannschaft seit 17 Jahren betreut. 44 Spieler zählt der CfR-Vorsitzende Markus Geiser, hinzu kommen fünf Übungsleiter. „Das kostet uns 25 000 Euro im Jahr“, erklärt er. „Wir haben allerdings eine soziale Verantwortung. Die Inklusionsmannschaft ist mein Herzensprojekt“, sagt Geiser.

Inklusionsteam feiert Erfolge in der nordbadischen Kategorie A

Sportlich läuft es derweil gut. Die erste Mannschaft spielt in der höchsten nordbadischen Klasse, der „Kategorie A“. „Da geht es dann auch ernster zu“, sagt Bähr. Zwei Turniere haben die Inklusionsspieler des CfR in der laufenden Saison bereits gewonnen. Das Einlagespiel ist aber, wie bereits in den vergangenen zwei Jahren, ein Höhepunkt für seine Jungs. „Mit den Spielern der ersten Mannschaft spielen zu dürfen, da sind sie stolz drauf.“

Am Ende gewinnt „Team weiß“ knapp mit 4:3 – aber wen interessiert schon das Ergebnis? Sieger und Verlierer lassen es sich nicht nehmen, bei den verrückten Hobby-Isländern aus Markdorf vorbeizuschauen. Zusammen stimmen sie La Ola an. Dann flaut die Stimmung etwas ab – das Hallenturnier geht weiter.