Koch Gerd Astor (rechts) mit Daniel Mohr, Gründer des Start-ups Plumento Foods
Koch Gerd Astor (rechts) hat die Nudeln von Daniel Mohr, Gründer des Start-ups Plumento Foods, bereits getestet. | Foto: pr

Lebensmittel mit Insekten

Pforzheimer bringt Mehlwurm-Nudeln in den Handel

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Es ist das erste Lebensmittel mit verarbeiteten, nicht sichtbaren Insekten auf dem deutschen Markt, so erklärt der Pforzheimer Daniel Mohr. Seit Freitag sind die Nudeln der Firma Plumento Foods, die zu zehn Prozent aus Buffalo-Larven bestehen, im Handel. „Es war mir ein wichtiges Anliegen, eine Alternative zu Fleisch zu finden“, sagt Mohr. Er gründete Plumento Foods im November und arbeitet seither mit drei Mitarbeitern im EMMA Kreativzentrum, weitere vier sind in Deutschland verstreut.

Da er 15 Jahre in China lebte, war der Verzehr von Insekten für Mohr nichts Neues. Und die Vorteile der kleinen Tiere überzeugten ihn. Sie verbrauchten ein Vielfaches weniger an Wasser und Futter als Rinder bei der gleichen Menge an Fleisch, zusätzlich produzierten sie weniger Treibhausgase. Gerade durch die wachsende Weltbevölkerung und die steigende Umweltbelastung durch die herkömmliche Fleischproduktion erkannte Mohr hier eine Marktlücke.

Insekten erregen oft Ekel

Doch trotz ihrer Vorteile haben Insekten vor allem hierzulande einen großen Nachteil: den Ekelfaktor. Mohr zufolge existiere dieser aber nur im Kopf, Kinder würden die goldgelben Larven unvoreingenommen essen. Mohr setzt darum auf die Verstecktaktik: „Wir möchten Alltagsprodukte, in der die Insekten nicht sichtbar sind, für die ganze Familie anbieten.“

Das ist ihm mit der Pasta gelungen. Den hellbraunen Nudeln sieht man ihr Innenleben nicht an. Sie sind ab sofort für drei Monate im Laden „Emmas Enkel“ in der Düsseldorfer Metro-Zentrale erhältlich. In dem Start-up-Regal dort werden innovative Produkte testweise angeboten. Um Vorurteile abzubauen, setzt Mohr zusätzlich auf Blindverkostungen und Konsumentenbefragungen. Dafür arbeitet er mit dem NX-Food-Lab von Metro zusammen.

Neue EU-Verordnung ermöglicht Insekten in Lebensmitteln

Später kann sich Mohr vorstellen, sein Produkt auch auf den chinesischen Markt zu bringen. Zwar gebe es dort Insekten als Streetfood, nicht aber weiterverarbeitet zu Nudeln. In Deutschland ist der Verkauf der Nudeln erst durch eine Anfang 2018 in Kraft getretene europäische Verordnung, die unter anderem den Umgang mit Lebensmitteln auf Insektenbasis regelt. Die Larven für seine Nudeln bezieht Mohr aus Holland und Frankreich.

Neben der Pasta möchte er demnächst Kekse, Granola und Croûtons verkaufen. Allerdings muss Mohr dafür noch etwas Überzeugungsarbeit leisten. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge kann sich zurzeit nur jeder siebte Bundesbürger vorstellen, Insekten zu essen. Doch Mohr gibt Entwarnung: „Ich war selbst erstaunt, aber die Nudeln schmecken echt lecker!“