Das Handy in der Hand geht es für die Teilnehmer des Pforzheimer Instawalks in vier verschiedene Gebetshäuser nahe der Enz. Für viele sind Synagoge, Hindutempel oder Moschee Neuland und deswegen auch besonders interessant. | Foto: Ehmann

Mit dem Handy ins Gebetshaus

Instawalk führt zu religiösen Stätten in Pforzheims Innenstadt

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Auf dem Weg zur Synagoge nieselt es. Liz Müller hat sich die Kapuze ihrer schwarzen Daunenjacke übergezogen. „Ich habe schon ein Foto hochgeladen“, sagt die 16-jährige Schülerin. Vor vier Wochen hat sie gemeinsam mit anderen Zehntklässlern des Hilda-Gymnasiums mit der Planung für den Instawalk zur Woche der Brüderlichkeit begonnen. Wer daran teilnimmt, teilt seine Fotos und Eindrücke über das soziale Netzwerk Instagram mit.

Die Woche der Brüderlichkeit gibt es seit 1952 jährlich in Deutschland. In Pforzheim hat sie sich zu einer Begegnung entwickelt. Der Instawalk, der vom Hilda-Gymnasium und dem Katholischen Dekanat veranstaltet wird, führt am Mittwoch zu Gebetshäusern in der Stadt. „In Umkreis von 500 Metern an der Enz ist alles da an religiösen Stätten“, sagt Religionslehrer Georg Hauser, der rund 50 Schüler gemeinsam mit Ethiklehrerin Anja Homfeldt bei der Organisation unterstützt hat.

Es geht schon um Wertschätzung

Zwölf Schüler sind beim Instawalk dabei, die anderen auf die Stationen verteilt. Ein „richtiger“ Instagrammer, wie man es sich gewünscht habe, ist nicht dabei. „Es geht schon um Wertschätzung“, definiert Pastoralreferent Tobias Gfell eines der Ziele beim Instawalk. „Wenn ich weiß, es gibt verschiedene Religionen in der Stadt, und Menschen aus diesen ist etwas wichtig, dann kann ich auch Wertschätzung dafür aufbringen.“ Mit Instagram werde etwas ins Bild gebracht, was den Religionsgemeinschaften wichtig ist und gezeigt, wie Glaube in der Architektur und Innenausstattung sichtbar ist.

Instagram als Chance

In der Synagoge der Jüdischen Gemeinde bekommen die Männer erst einmal Kippas, denn sie müssen, anders als Frauen, ihren Kopf bedecken. Drei Schüler stellen die Synagoge vor. Dann ergreift Dialogbeauftragter Andrew Hilkowitz das Wort und gewährt einen Blick auf die kostbaren Thorarollen. Schon werden die Smartphones gezückt. Hilkowitz sieht in Instagram eine Chance, „dass Leute uns kennenlernen“.

Teppichlinien in Richtung Mekka

In der Ayasofya Moschee heißt es dann Schuhe ausziehen. Auf dem Boden der Gebetsräume liegen dicke blau-rote Teppiche. „Die Linien auf dem Teppich zeigen nach Mekka, damit man weiß, in welche Richtung man beten muss“, erzählt ein Schüler.

Das volle Gebet dauert etwa eine Stunde

Auch im Hindutempel Sri Nagapoosany Amman Alayam müssen die Schuhe draußen bleiben. Innen stehen prunkvolle Schreine, die direkt für Instagram abgelichtet werden. Fünf Gottheiten und neun Planeten werden hier angebetet, dabei wird im Kreis gelaufen und gesungen. „Das volle Gebet dauert etwa eine Stunde“, sagt eine Schülerin.

Glaubensstätten teils in Hinterhöfen versteckt

Dann geht es in die Herz-Jesu-Kirche. Die Stimmen werden merklich leiser, denn sie hallen laut von den hohen Wänden wider. Im Gegensatz zu den anderen Glaubensstätten, die teils versteckt in Hinterhöfen liegen, ist die Kirche mit ihrem hohen Turm weithin sichtbar. Besondere Aufmerksamkeit bekommt der dunkelrote Beichtstuhl. Am meisten beeindruckt hat Liz Müller dennoch die Synagoge. „Das ist die Sache, über die ich am wenigsten wusste“, erklärt sie. Auch ihr Klassenkamerad Christian Kraft ist vom Unbekannten fasziniert: „Ich bin früher sehr viel in der Kirche gewesen. Die Moschee mit den verschiedenen Farben und Mustern ist interessant, weil es was Neues ist.“

Die Fotos, die beim Instawalk entstanden sind, können auf Instagram unter den Hashtags #wdbpf_2019 und #instawalk_pf angeschaut werden.