Der Dart-Sport ist in Deutschland noch nicht so etabliert wie in Großbritannien. Max Hopp erreichte bei der diesjährigen WM als bester Deutscher die zweite Runde – und könnte damit als Vorbild für viele Dartspieler aus der Region dienen. | Foto: Thomas Eisenhuth, dpa

Darts

Interview: Das erhoffen sich Dartspieler aus der Region Pforzheim von der Dart-WM

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Die Dart-WM in London ist für Bernd Fritz aus Pforzheim nicht irgendein Turnier. Der Obmann der baden-württembergischen E-Dart-Liga wirft seit über 20 Jahren auf die magischen Scheiben und beschreibt im Interview mit Kurier-Redaktionsmitglied Sebastian Kapp die heimische Darts-Welt jenseits der johlenden Fans im Alexandra Palace („Ally-Pally“).

Herr Fritz, die WM haben Sie aufmerksam verfolgt. Hat sich das Niveau bei den Profis verändert?

Fritz: Ich finde schon, dass man bei einigen Spielern einen Schub erkennen konnte. Es ist spannender geworden, weil nun viele junge Spieler nachkommen. Auch Max Hopp hat mir gefallen. Da sind zwar die Doppel nicht immer gut gekommen, aber der Bub ist noch jung. Der wird seinen Weg machen.

Für Top-Star Phil Taylor lief es dagegen gar nicht gut …

Fritz: Phil Taylor hatte schon in den vergangenen zwei Jahren Probleme. Vielleicht hat er auch einfach den Kopf nicht mehr so frei wie in seiner Jugend.

Ist durch die WM auch in Pforzheim das Interesse am Dartsport gestiegen?

Bernd Fritz aus Pforzheim ist Obmann der baden-württembergischen E-Dart-Liga.
Bernd Fritz aus Pforzheim ist Obmann der baden-württembergischen E-Dart-Liga. | Foto: privat/Baden-Württembergische E-Dart-Liga

Fritz: Wir merken schon, dass mehr darüber geredet wird. Es wird auch hobbymäßig mehr gespielt. Auf Vereinsebene hält es sich allerdings noch die Waage. Das liegt vielleicht auch daran, dass hier schon so viele spielen.

Wie viele Spieler sind denn in der Region aktiv?

Fritz: In der baden-württembergischen E-Dart-Liga haben wir rund 550 aktive Spieler, wobei das Gros mit ungefähr 400 aus der Region Pforzheim-Enzkreis beziehungsweise Baden kommt. Wir spielen hier in der Region eher E-Dart und nicht Steeldart wie im „Ally-Pally“. Beim Steeldart werden Stahlspitzen benutzt, beim E-Dart nicht – dafür ist dort die Scheibe elektronisch.

Ist die Stimmung in der Bezirksliga ähnlich euphorisch wie im legendären „Ally-Pally“?

Fritz: Eine Einlaufmusik haben wir nicht. Da läuft vielleicht mal das Radio, um die Nachrichten zu hören. Das war’s dann aber auch. Vielleicht gibt es ja eine Einlaufmusik bei den deutschen Meisterschaften in Geiselwind.

Wie schaut der typische Alltag im Amateurdart aus?

Fritz: Wir trainieren regelmäßig, die jungen und ambitionierten Spieler sogar täglich. Bei den älteren und Rentnern reichen dann schon zwei-, dreimal die Woche.

Trotz dieser Ernsthaftigkeit gilt Dart noch immer als Kneipensport. Wie gehen Sie mit den Klischees – Alkohol und Rauch – um?

Fritz: Wir wollen unseren Sport anständig über die Bühne bringen. Klar trinkt man auch mal etwas. Aber es muss sich im Rahmen halten. Die Einstellung der Spieler hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert. Dennoch: Dart wird vor allem in kleinen Kneipen gespielt. In denen wird auch gerne geraucht. Als Nichtraucher kämpfe ich da einen ganz eigenen Kampf.

Im Finale in London besiegte „Mighty Mike“ van Gerwen den „Flying Scotsman“ Gary Anderson. Treten Sie auch mit einem Pseudonym oder Spitznamen an?

Fritz: Den habe ich tatsächlich, „Varga“. Der stammt noch aus meiner Vor-Dart-Zeit. In den 70ern spielte bei Hertha BSC Berlin ein ungarischer Spieler mit diesem Namen.