Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. | Foto: dpa (Archiv)

30 Jahre Mauerfall

Interview mit Roland Jahn: „Ein Vorbild für andere“

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Roland Jahn leitet seit 2011 die Stasiunterlagen-Behörde in Berlin. Im Jahr 2015 war der ehemalige Bürgerrechtler im DDR-Museum in Pforzheim zu Gast. Der Besuch hat ihn beeindruckt. Mit Jahn sprach BNN-Redakteur Arne Oest.

Wie sind Ihre Erinnerungen an den Besuch im DDR-Museum?

Jahn: Ich war sehr beeindruckt vom Elan, mit dem das Museum auf die Beine gestellt wurde. Da ist vor allem der Gründer Klaus Knabe zu nennen, der das Ganze mit so viel Engagement vorangetrieben hat und dann auch der Verein, der die Ausstellung dort präsentiert. Beeindruckt war ich aber auch von der Offenheit der Pforzheimer für das Thema.

Gibt es ein besonderes Highlight, an das Sie sich erinnern?

Jahn: In der Ausstellung gibt es einiges, das bei mir hängen geblieben ist. Das ging schon gleich am Eingang los. Das große Foto dort von der Friedlichen Revolution setzt die wichtigste Botschaft. Es ehrt die Menschen, die die Diktatur beendet haben. Das ist eine tolle Würdigung von einer wirklich einzigartigen Leistung all derer, die den Mut hatten, das Regime zu beenden. Und dann habe ich die Sammlung von Zellentüren aus den Gefängnissen der DDR im Keller nicht vergessen. Das hat etwas sehr konkretes und weckt gegenständlich Emotion und Erinnerung.

Wieso ist so ein Ort auch in der heutigen Zeit wichtig?

Jahn: Weil er uns die Gelegenheit gibt, die Werte von Freiheit und Demokratie zu schätzen. Er macht auch deutlich, dass man die Biographien der Menschen, die in der Diktatur gelitten haben, respektieren sollte. Aber er erinnert auch an die individuelle Verantwortung für das Funktionieren des Systems. In so einem Museum kann man die Auseinandersetzung mit den Werten von Freiheit und Demokratie führen, auch als Inspiration für nächste Generationen.

 

Welche Rolle spielt die Tatsache, dass ein derartiges Museum in Westdeutschland einzigartig ist?

Jahn: Ich sehe das als ein Vorbild für andere. Und es zeigt, dass dies nun unsere gemeinsame Geschichte ist. Für mich ist es ein tolles Beispiel dafür, dass es auf Einzelne ankommt, die die Initiative ergreifen, weil sie sich für ein Thema interessieren.

Braucht es mehr Institutionen, die sich kritisch mit der ehemaligen DDR auseinandersetzen?

Jahn: Aus meiner Sicht geht es nicht um ein Mehr an Institutionen. Wichtig ist, die Geschichte in hoher Qualität und zeitgemäß zu vermitteln. Und dass eine nächste Generation mit der Geschichte etwas anfangen kann. Dafür braucht es die richtigen Strukturen und Kompetenzen, also historische Orte, Dokumente, originale Erinnerungsstücke, und auch Angebote, die Empathie ermöglichen.

Roland Jahn im DDR-Museum Pforzheim. Bei seinem Besuch 2015 besichtigte er auch die zahlreichen Gefängniszellentüren, die es dort gibt.
Roland Jahn im DDR-Museum Pforzheim. Bei seinem Besuch 2015 besichtigte er auch die zahlreichen Gefängniszellentüren, die es dort gibt. | Foto: privat