Ein möglicher Standort für ein neues Gewerbegebiet ist der Klapfenhardt-Wald (hier ein Bild von einer Baumfällaktion im Februar 2019). Der Regionalverband prüft derzeit, ob mit dem neuen Regionalplan der Weg frei gemacht werden kann. Foto: Müller

Regionalplan wird aktualisiert

Ist der Weg für neue Gewerbegebiete in Pforzheim bald frei?

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Wohnen wird in den nächsten 20 Jahren in den Kommunen der Region zu einem „drängenden Thema“, ist sich Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald, sicher. Der Trend gehe in Richtung Single-Wohnungen und Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte. Proske rechnet damit, dass es im Bereich des Regionalverbands Nordschwarzwald bis 2040 rund 22.650 zusätzliche Haushalte geben wird. Das belege eine Studie, die der Verband bei Infoveranstaltungen Gemeindevertretern vorgestellt hat.

Der Bereich Pforzheim, zu dem auch der westliche Enzkreis zählt, werde am stärksten wachsen, so Proske. Grund ist, dass die Goldstadt ein „dynamischer Hotspot“ ist – durch die „Sandwich-Lage zwischen Karlsruhe und Stuttgart“, wo Wohnen immer teurer wird und die Gewerbestandorte ausgehen. „Wir brauchen mehr Flächen für Gewerbe und Wohnen“, fasst Proske zusammen. Wo in Pforzheim und Enzkreis diese entstehen können ist auch Thema bei der Fortschreibung des Regionalplans, über den der Verbandsdirektor am Donnerstag den Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch und Bürgermeister aus dem westlichen Enzkreis im Rathaus informiert hat.

Pforzheim ist ein dynamischer Hotspot.

Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald

Grundsätzlich könnte der Bedarf in der Region ohne Neubauflächen auskommen – dann müssten aber alle Eigentümer von „Enkelgrundstücken“ mitspielen. 1.000 Hektar solcher Grundstücke gebe es in der Region. „Es gibt ein großes Potenzial an Siedlungsreserven. Das ist im Verbandsgebiet in Pforzheim aber am geringsten und das ist das Problem der Stadt.“

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Baulücken auch im Enzkreis

Über Baulücken können auch die Enzkreis-Bürgermeister ein Lied singen. „Die reden sich bei Grundstückseigentümern den Mund fusselig“, weiß der Verbandsdirektor. Die Eigentümer behalten in Zeiten von Niedrigzinsen ihre Grundstücke lieber. Es gebe im Baugesetzbuch aber ein „Folterinstrument“: Eigentümer können von den Kommunen zur Bebauung zwangsverpflichtet werden. Das müsse aber zwingend begründet werden und ziehe häufig Klagen nach sich, daher schrecken Kommunen vor diesem Weg zurück.

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Ausweisung scheitert bisher noch an Grünzügen

Die Fortschreibung des Regionalplans könnte auch Auswirkungen auf die Gewerbeflächenentwicklung in Pforzheim haben. Die Ausweisung einer Fläche südlich des Hohbergs im Norden der Stadt scheiterte bisher an Grünzügen, die im aktuellen Regionalplan festgelegt sind. Das Verfahren zur Planungsänderung sei eingeleitet. Wenn der Planungsausschuss, in dem Gemeinderäte und Kreisräte sitzen, zustimmt, den Grünzug zurückzunehmen, gehe der Beschluss zum Wirtschaftsministerium nach Stuttgart. Und wenn dieses die Entscheidung billigt, könne Pforzheim das Gewerbegebiet entwickeln, so Proske.

Pforzheim hat ein Bedarf an Gewerbeflächen.

Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald

Auch bei den Gebieten „Klapfenhardt“ nahe der Autobahnausfahrt West und „Ochsenwäldle“ an der A8-Ausfahrt Süd, die aus den gleichen Gründen scheiterten, soll geprüft werden, ob der Weg frei gemacht werden könne. Proske sieht das ganze pragmatisch: „Pforzheim hat Bedarf an Gewerbeflächen und die Nachfrage ist hoch.“

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