Mehr Betrieb herrscht laut Schulträger wieder in der Mensa des Bildungszentrums Königsbach. | Foto: ufa

Bildungszentrum will Ruf aufpolieren

Ist essen in der Königsbacher Schulmensa nicht cool?

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Wie wird mein Kind in der Schule zur Mittagszeit versorgt? Diese Frage stellen sich Eltern immer häufiger, zumal in Zeiten von ganztägigem Schulbetrieb und Nachmittagsunterricht. Der schnelle Snack reicht oft nicht, um durch einen langen Tag zu kommen. Einige Schulen haben deshalb – auch auf Wunsch der Eltern – eine Mensa eingerichtet. Doch die wird nicht immer von den Schülern so angenommen wie sich das die Verantwortlichen wünschen.

20 Essen am Tag bei 1600 Schülern

Das Bildungszentrum Königsbach (BZK) hat seit 2008 eine Mensa. Rund 1 600 Schüler besuchen unter dem Dach des BZK die Willy-Brandt-Realschule und das Lise-Meitner-Gymnasium. Im vergangenen Schuljahr nutzten laut Manuela Kraut durchschnittlich 20 Schüler am Tag das Mensa-Angebot. Das sind 1,25 Prozent der Schülerschaft. Zahlen, die für die stellvertretende Abteilungsleiterin Immobilien im Rathaus Königsbach-Stein, „nicht zufriedenstellend“ sind. Zu Krauts Aufgabengebiet gehört auch der Bereich Schulverband Westlicher Enzkreis, der Träger des BZK. Zum neuen Schuljahr gab es einen Caterer-Wechsel.

Schlechter Ruf muss abgeschüttelt werden

Thomas Brandl, Geschäftsführer des Schulverbands, erklärt: „Wir arbeiten intensiv daran, dass mehr Schüler die Mensa nutzen, doch der schlechte Ruf muss erst noch abgeschüttelt werden.“ Zuvor habe es Tiefkühlkost gegeben, jetzt werde das Essen aufgewärmt. Seit September haben die Johanniter das Catering übernommen. Gesunde Bio-Mahlzeiten, Salatteller, Schülerwunschessen, saisonale Gerichte: Das von Brandl in einem Schreiben an Schüler und Eltern vorgestellte Konzept liest sich wie die Mittagstisch-Karte einer Gaststätte. Der Menüpreis liegt bei maximal 3,80 Euro. Das Angebot in den ersten drei Monaten habe mehr Schüler in die Mensa gelockt, so Brandl. Genaue Zahlen gebe es nach drei Monaten allerdings noch nicht. „Wir sehen aber, dass deutlich mehr Betrieb ist.“

Treffpunkt Mensa: In Königsbach-Stein haben die Schüler jetzt eine größere Auswahl. | Foto: ufa

Schulverband muss Defizit ausgleichen

Der Schulverband als Träger muss das Defizit ausgleichen. Die zum Verband gehörenden Gemeinden Königsbach-Stein, Eisingen, Ispringen und Kämpfelbach zahlen Brandl zufolge einen Betrag, der sich an den Schülerzahlen orientiert, die sie an das BZK schicken. Doch die Frage bleibt: Warum drängen die Schüler nicht an die Mensa-Theke? „Es gibt ein großes Randangebot außerhalb der Schule“, nennt Manuela Kraut einen möglichen Grund. Supermärkte mit Bäckereien, Pizzeria und Döner-Imbissbude liegen in unmittelbarer Nähe. „Wir haben bereits Umfragen unter den Schülern durchgeführt“, sagt Kraut, „manche wollen einfach was auf die Hand und sich nicht in die Mensa setzen“.

Mensa Pflicht bei Ganztagsbetrieb

Anders sieht es in der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) in Birkenfeld aus. Dort gibt es seit zwölf Jahren eine Mensa. Grund: Damals wurde an der Einrichtung der Ganztagsbetrieb für die Grund- und Hauptschule eingeführt, wie Birgit Dreißigacker, Konrektorin der LUS, erklärt. Rund 150 der 550 Schüler müssen täglich (montags bis donnerstags) in der Mensa essen. 30 weitere Schüler, die an zwei Tagen in der Woche Nachmittagsunterricht haben, nutzen laut Dreißigacker freiwillig das Angebot. Die Realschüler ab Klasse 7 an der LUS dürfen die Mensa nicht nutzen. Sie versorgen sich in der Mittagszeit mit Imbiss-Angeboten in der Nähe. Ähnlich wie in Königsbach gebe es nämlich auch in Birkenfeld viele Angebote außerhalb des Schulgeländes, das die Grund- und Hauptschüler nicht verlassen dürfen, so Dreißigacker.

Wir sehen die Schule als Lebensraum

Doch würde das Mensa-Angebot auch von den Schülern angenommen, wenn es nicht verpflichtend für den Ganztagsbetrieb wäre? Die älteren Schüler suchten sich womöglich eine Alternative, glaubt die Pädagogin. „Für manche ist es vielleicht uncool, wenn man in die Mensa geht.“ Doch sie sei überzeugt, dass die Verpflichtung ein „großer Gewinn“ für Kinder und Schule ist. „Wir sehen die Schule als Lebensraum. Dazu gehört auch das gemeinsame Essen.“ Auch die Schulleitung esse regelmäßig mit den Kindern. „Wir sind zufrieden mit dem Angebot und der Qualität“, sagt Dreißigacker.