EIn bisschen Spaß muss sein: und da dient auch mal der Zeigefinger von Tina Katz als schneller Ersatz der Spiel-Angel für eine Neckerei mit Katze Pauline. Foto: Roth

„Jede Katze ist anders“

Katzenpsychologin gibt Tipps

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Tina Katz aus Niefern-Öschelbronn ist Katzenpsychologin und weiß aus langjähriger Erfahrung, wie man schwierige Kandidaten anpacken muss. Im Gespräch mit bnn.de gibt sie Tipps für den Umgang mit den Stubentigern.

Mit Mischka war das so eine Sache. Bei dem kleinen Straßenkater war erkennbar, dass er gerne ein behagliches Zuhause hätte. Dennoch verkroch er sich erst mal im Badezimmer und machte sich unsichtbar. „Eines Tages dann hab ich ihn zu Gesicht bekommen, er stand vor Schreck erstarrt auf der Badewanne und ich habe versucht, ihm zu signalisieren, dass ich ihm nichts tue.“

Nicht bedrängen, keine hektischen Bewegungen

Also nicht Bedrängen, keine hektischen Bewegungen machen. So was in der Art. Es ist Tina Katz gelungen. Von da an war das Eis gebrochen. Die Regel lautet: Erst einmal nur präsent sein. Auch Vorlesen hilft, damit die scheuen Tiere die Stimme kennen lernen. Und dann kommt irgendwann das Füttern aus der Hand. „Katzen sind einfach interessant, jede ist anders“, findet Tina Katz. Und zwar so interessant, dass sie Katzenpsychologin wurde und auch Verhaltensberatung anbietet und das neben ihrem Beruf als kaufmännisch-technische Angestellte in Teilzeit. Mit 16 Jahren habe sie, so erzählt die heute 47-jährige Öschelbronnerin, ihre erste Katze bekommen. Und schon als Jugendliche sich um Straßenkatzen und deren Vermittlung gekümmert. Und um Kaninchen und Meerschweinchen.

An Perser „Joda“ fast die Zähne ausgebissen

Und dann kam „Joda“. An diesem Perserkater biss sie sich fast die Zähne aus. Weil er eben nicht dem Klischee der sanften Rasse der Perser entsprach. „Das war eine richtige Kamikaze-Katze, der ist auf alles los.“ Verzweifelt wand sie sich an eine Katzenpsychologin aus Karlsruhe. Irgendwann war klar, der Kater war schon im anderen Zuhause so. Einer, der es gewohnt war, Prinz und Einzelkind zu sein. „So was kann es auch geben, wenn kleine Katzen mit der Hand aufgezogen werden. Denen wird nicht gesagt „jetzt reicht es“ (was die Katzenmutter tun würde) und die müssen sich auch nicht um die beste Zitze kabbeln (mit Geschwistern) – das können dann regelrechte Ekelpakete werden als Erwachsene.

Jede Katze muss individuell betrachtet werden

2017 musste ihr Perserkater „Joda“ eingeschläfert werden. Das war ein Wendepunkt in ihrem Leben. „Da war klar, ich möchte was verändern.“ Also begann Tina Katz mit einem Fernstudium bei einer Schweizer Agentur und wurde Tierpsychologin mit Schwerpunkt Katze. Auch wenn sie viel Erfahrung mit Katzen mit sich bringt und die Körpersprache gut lesen kann: „Jede Katze muss individuell betrachtet werden.“ Bisher meldeten sich Ratsuchende bei ihr, wenn Unsauberkeit, Kratzen an Möbeln oder „Vergesellschaftung“ angesagt war. Die Hauptthemen. Bleibt die Frage, wie man ein Wesen einer Katze ergründet, die sich bei Besuch anders verhält als wenn man „unter sich“ bleibt?

Unsauberkeit und Kratzen als Hauptthemen

Der Beginn der Beratung besteht aus einem Fragebogen. Denn auch bei Katzen ist es so, dass die Erfahrungen der ersten Tage und Wochen bis zur „Abnabelung“ mit etwa zwölf Wochen prägend sind. Kann die Mama gut mit Menschen, ist das Katzenbaby verschiedenen, ihm wohlgesonnenen Menschen vorgestellt worden, dann ist davon auszugehen, dass es später auch sehr offen im Kontakt mit Menschen ist. Je mehr Tina Katz von einer Katze weiß, umso besser. Dann kann das Umfeld begutachtet werden. Werden Fressen und Wasser voneinander getrennt angeboten? Hat die Katze Spiel- und Ruhezonen? Interagiert der Mensch genug mit ihr – auch im für sie interessanten Spiel? Dann oder auch parallel können die Besitzer – unter Umständen mit einer Wildtierkamera – Aufnahmen zur Verfügung stellen, damit Tina Katz die Katze live in Aktion sieht. Bei ängstlichen Katzen kann dann etwa mit Klickertraining das Selbstbewusstsein gestärkt werden. Aber eines muss man immer haben: Geduld. „Nichts geht von einem Tag auf den anderen.“
Die Faustregel aber lautet: Erst mal gesundheitlich alles abchecken lassen beim Tierarzt. Erst dann kommt Tina Katz, die auch Berufsverband für Tierverhaltensberater und -Trainer angehört.

Klischees – für die „Mülltonne“

  • Wenn eine Katze unsauber ist und alles andere, nur nicht das Katzenklo benutzt, dann macht sie das nicht aus Trotz. Das ist ein echter Hilfeschrei und kann (bei mehreren Katzen) vom Katzenklo-Mobbing bis zu gesundheitlichen Problemen reichen.
  • Die Katze schaut mich an und dann pinkelt sie aus Trotz. Nein. Die Katze will mir etwas mitteilen und ist sehr aufgeregt. Deshalb pinkelt sie.
  • Eine Katze tut nie etwas aus einem bösen Willen oder aus Berechnung heraus. Und wenn sie ihr Geschäft auf dem Teppich erledigt, verbindet sie ihre Ausscheidungen nicht mit etwas Bösem.
  • Eine Katze muss man kommen lassen. Stimmt im Normalfall schon. Aber manche mögen es auch, wenn man auf sie zugeht. Muss man herausfinden.
  • Laserpointer: machen zwar die Katze verrückt, aber das Erfolgserlebnis, echte Beute in den Pfoten zu halten fehlt.
  • Ein Vorurteil (meist von Hundehaltern): Zu Katzen kann man keine Beziehung aufbauen. Stimmt nicht. Katzenhalter wissen das.
  • Katzen sprechen nicht mit einem. Doch, tun sie. Miauen gibt es nicht unter Artgenossen.

www.katz-im-glueck.de

Von Susanne Roth