Ein neoliberales Süppchen löffeln Pforzheims ehemalige Oberbürgermeisterin und ihre beiden Schatzmeister vor Gericht aus. Gleichzeitig wird die Suppenküche obdachlos. | Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Pforzheimer Stadtgespräch

Jetzt wird die Suppe ausgelöffelt

Da sitzen sie nun, Pforzheims einstige Oberbürgermeisterin und ihre beiden Kassenwarte. Noch sitzen sie nur vor ihrem Mannheimer Richter und warten auf die Entscheidung, ob sie die Suppe auch auslöffeln müssen, die sie der Stadt eingebrockt haben.

Neoliberale Selbstüberschätzung

Dabei war es ganz sicher keine kriminelle Energie, sondern die berechtigte Sorge um die finanzielle Zukunft ihrer Stadt – vielleicht gepaart mit einem Schuss neoliberaler Selbstüberschätzung, die die drei zu unorthodoxen und unseriösen Finanzmarktprodukten greifen ließ.

Schillernd statt glamourös

Damit hat es Pforzheim erneut in die bundesweiten Schlagzeilen geschafft, nicht ganz so glamourös wie sich das die Organisatoren des Jubiläumsjahres vorgestellt haben. Aber zweifellos mit dem Schillern, das der Goldstadt noch immer angemessen ist.

Auf der falschen Seite des Goldschmiedebretts

Angemessen ist der Stadt mit einer der höchsten Millionärsdichte im Land längst auch eine ganzjährige Suppenküche, die all jene verköstigt, die beim Einbruch der Strukturkrise auf der falschen Seite des Goldschmiedebretts saßen.

Erneuter Verlust der Sitzgelegenheit

Mit der geplanten Neugestaltung der östlichen Innenstadt und dem Abriss zahlreicher Gebäude dort droht nun eben jenen Pforzheimern erneut der Verlust ihrer Sitzgelegenheit. Der Suppenküche droht die Obdachlosigkeit. Kreative Köpfe haben bereits den alten Ratskeller als neuen Standort vorgeschlagen.

Suppenküche im Keller des Rathauses

Welch ein Symbol: Im Kellergeschoss einer bankrotten Stadt wird Bedürftigen eine heiße Suppe ausgegeben. Dann könnte Pforzheim – oben und unten – endlich wieder vereint löffeln.