Der Jugendgemeinderat, repräsentiert durch den Vorsitzenden Rico Edelmann (Mitte) und seinen Stellvertreter Paul Günther, sprach mit Kurier-Redaktionsmitglied Renan Sarah Frankenreiter unter anderem über langsames WLAN, „Smart City“ und den neu gewählten „großen“ Gemeinderat. | Foto: Streib

Junge Politiker

Jugendgemeinderat Pforzheim fordert besseres WLAN

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Das freie „PF-WLAN“ in Pforzheim sei „wie eine Keksdose, die man öffnet und es ist Nähkram drin“, prangert Jugendgemeinderatsvorsitzender Rico Edelmann im Gespräch mit Stellvertreter Paul Günther und dem Kurier an.

„Wir haben freies WLAN, das nicht funktioniert. Das ist eins der großen Mankos, die es in unserer digitalen Infrastruktur gibt“, so Edelmann. Selbst gedrosselt sei sein mobiles Internet schneller als der städtische Zugang. Er kritisiert es als „Marketingsprech“, dass die Stadt sich rühmt, die erste mit freiem WLAN gewesen zu sein. Der Jugendgemeinderat suche nun das Gespräch mit der Initiative hinter „PF-WLAN“. Es soll dabei um die Frage gehen, wie der Jugendgemeinderat unterstützen kann. Es sei zu wenig Geld von der Stadt in die Hand genommen worden und gebe zu wenig Sendemasten. „Wir müssen Druck auf die Stadt ausüben, diesen Druck kann ein Verein nicht so gut ausüben wie wir.“

Geschlossen hinter „Smart City“

Eine smarte Stadt mit schnellem, freiem WLAN – der Jugendgemeinderat stehe geschlossen hinter „Smart City“, so Edelmann. „Ich verstehe nicht, warum da der Widerstand so groß ist“, sagt Günther. Edelmann erklärt, die Stadt dürfe nicht den Fehler machen, Kritiker auf dem Weg zu vergessen. „Kritische Stimmen müssen ernst genommen und aktiv eingebunden werden.“ Die neue Technologie 5G findet er prinzipiell gut – „aber man sollte erst mal schauen, dass es flächendeckend 4G gibt“.

Ich glaube, der Schritt einer Amtsenthebung ist momentan der falsche Weg.

Vor kurzem sorgte ein Vorfall mit den Brüdern Lind im Jugendgemeinderat für Aufregung (der Kurier berichtete). Ex-Jugendgemeinderat Esad Esmer forderte in einer Pressemitteilung gar die Amtsenthebung der Brüder. „Ich glaube, der Schritt einer Amtsenthebung ist momentan der falsche Weg. Mir wäre es lieber gewesen, die Stadträte wären auf mich zugekommen und wir hätten mit den Brüdern Lind einen runden Tisch gemacht“, äußert sich Edelmann hierzu.

Zusammenarbeit funktioniert besser als im „großen“ Gemeinderat

Auf die Frage, was sie dem neu gewählten „großen“ Gemeinderat als Dienstältere mitgeben wollen, antwortet Edelmann: „Den Spaß nicht verlieren.“ Günther betont, dass es wichtig sei, aus der Partei-Blase herauszukommen und zu hören, was andere sagen. „Manchmal sind konträre Positionen nicht so weit voneinander entfernt.“ Auch Edelmann ist der Meinung, dass es bei jedem Thema Hardliner gebe. Die Kunst sei es, eine Mitte zu finden. Der Jugendgemeinderat habe einen Vorteil gegenüber dem „großen“ Gemeinderat, beschreibt Günther. Es gebe nicht so konträre Positionen, wodurch die Zusammenarbeit besser funktioniere.

Am Ende geht es darum, was für die Stadt gut ist

„Ich glaube, dass die großen Parteien bei den Wahlen so abgestraft wurden, lässt sie etwas zusammenrücken“, überlegt Edelmann. Er kann sich vorstellen, dass ein Umdenken passiert. Dass die AfD so stark im neuen Gremium vertreten sein wird, könne ebenfalls zu einem Zusammenrücken der anderen Parteien führen. „Am Ende geht es darum, was für die Stadt gut ist“, stellt Günther fest. Daher müsse Konstruktivität vorne stehen.

Wir müssen schauen, wie wir die jungen Leute wieder kriegen

Bei den Klimastreiks habe die CDU junge Leute verloren und auch das Krisenmanagement des Konrad-Adenauer-Hauses in Bezug auf Artikel 13 und Youtuber Rezo sei „unglücklich“ gewesen. „Wir müssen schauen, wie wir die jungen Leute wieder kriegen“, so Günther. Mit Blick auf Greta Thunberg erklärt er: „Das ist ein Thema, das die jungen Leute bewegt. Das kann man nicht als Schulschwänzerei abstempeln.“ Auch Edelmann findet es gut, dass Schüler fürs Klima auf die Straße gehen. „Es wäre mir lieber, sie würden das in ihrer Freizeit tun“, gibt er zu. „Für mich würde jetzt der nächste Schritt folgen, dass ich mich in einer Partei engagiere.“

Wahlbeteiligung soll auf mehr als 30 Prozent steigen

Aktuell beschäftigt den Jugendgemeinderat das Schlosspark Open, bei dem sie Organisationspartner sind, sowie der Stadtjugendring, der mehr finanzielle Mittel erhalten soll, berichtet Edelmann. Für die weitere Amtszeit wolle man den „kompletten Fahrplan“ umsetzen – „bis auf den Punkt Parcoursgelände, das kann ich nicht versprechen“. Da belaufen sich die Kosten auf einen sechsstelligen Betrag. Außerdem soll die Wahlbeteiligung auf mehr als 30 Prozent gesteigert werden.