Mit Hakenkreuzen, Smileys und Nazi-Parolen beschmierten Unbekannte die Sankt Wendelin Kapelle in Ersingen. | Foto: igm

Hakenkreuze und Smileys

Kapelle in Ersingen beschmiert

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Unbekannte haben zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagmorgen die an der Eisinger Straße gelegene Sankt Wendelin Kapelle in Ersingen mit Hakenkreuzen, Smileys und Nazi-Parolen beschmiert. Sämtliche Scheiben der Kapelle auf einer Seite, insgesamt 13 Stück, wurden eingeschlagen. Im Inneren der Kapelle haben die Täter auf den Wänden ebenfalls Hakenkreuze, Smileys sowie das Bild eines männlichen Geschlechtsorgans aufgesprüht. Ein Glaskerzenständer wurde zerstört, das Inventar der Kapelle jedoch ansonsten in Ruhe gelassen.

Zusammenhang mit anderen Taten wahrscheinlich

Wie eine Spaziergängerin berichtet, die jeden Tag den Weg abläuft, war die Kapelle am Dienstag noch unversehrt gewesen. Das Gotteshaus wurde demnach am späten Mittwochnachmittag oder in der Nacht auf Donnerstag verunstaltet. Einen sehr wahrscheinlichen Tatzusammenhang sieht die Polizei zu ähnlichen Schmierereien an der Grundschule Kämpfelbach und der Antoniuskapelle in Ersingen, die Anfang und Mitte April verübt wurden. „Wegen eines rechtsmotivierten Hintergrunds der aufgesprühten Symbole hat die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei die weiteren Ermittlungen übernommen“, so die Beamten weiter. Man gehe aufgrund weiterer Indizien davon aus, dass es sich bei dem oder den Tätern um Jugendliche handeln könnte.

Pfarrer Kuhn: „Entsetzt und erschrocken“

Thomas Ottmar Kuhn, Pfarrer der Römisch-Katholischen Kirchengemeinde Kämpfelbachtal, verurteilte die Tat scharf: „Die Stimmung bei uns in der Gemeinde ist wie auch bei den übrigen Bürgern: Wir sind entsetzt und erschrocken.“ Zahlreiche Menschen aus Ersingen und umliegenden Gemeinden hätten bereits angerufen und ihr Unverständnis über die Tat ausgedrückt. Die Kapelle Sankt Antonius war nur wenige Tage vor der Kapelle Sankt Wendelin von Sprayern beschmutzt worden. „Das ist besonders schade, denn Sankt Antonius ist auch für viele, die die Kirche nicht regelmäßig besuchen, ein Ort der Stille und Andacht. Dieser Orte der Besinnung werden die Menschen durch die Taten beraubt“, führt Kuhn aus. Besonders verärgert ihn die Art der Symbole: „Wir müssten uns darüber bewusst sein, was die Geschichte uns lehrt. Es schmerzt mich sehr, dass bei den Tätern offenbar kein Verständnis vorhanden ist, dass Nazisymbole für Verbrechen stehen – egal, ob das nun Erwachsene oder Jugendliche waren.“ Es fehle den Tätern schlicht an Einfühlungsvermögen. Der finanzielle Schaden sei noch nicht abzuschätzen.

Angriff auf den größten Teil der Gesellschaft, die in unserer schönen Gegend friedlich leben will.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pforzheim zeigte sich entsetzt über die Schmierereien: „Ich sehe diese abscheuliche Tat als einen Angriff auf den größten Teil der Gesellschaft, die in unserer schönen Gegend friedlich miteinander leben will. Zwar wurde unsere Synagoge nicht direkt angegriffen, aber wir verurteilen jeden Angriff auf Gotteshäuser“, so Rami Suliman.

Die Kriminalpolizei bittet um sachdienliche Zeugenhinweise unter der Telefonnummer (07 21) 9 39 55 55.