Nach 14 Jahren als Landrat möchte sich Karl Röckinger ganz der Familie widmen. | Foto: Roth

Enzkreis: Landrat macht den Weg frei

Karl Röckinger tritt am 14. Dezember nicht mehr an

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Karl Röckinger wird am 14. Dezember bei der Landratswahl nicht mehr antreten. Das teilte er in einem Schreiben an den Kreistag des Enzkreises mit. Bereits im Januar hatte der Pforzheimer Kurier Röckinger gefragt, ob er noch einmal antrete. Zur Jahresmitte wolle er sich entscheiden, hatte der Landrat angekündigt. Jetzt hat er sich entschieden, in den Ruhestand zu gehen.

Seit fast 51 Jahren im Dienst

„Im Dezember 2016 konnte ich das seltene 50-jährige Dienstjubiläum feiern. Meine Aufgabe als Landrat des Enzkreises macht mir nach wie vor sehr viel Freude und ich hatte das große Glück, bisher von größeren gesundheitlichen Rückschlägen verschont zu bleiben“, heißt es in dem Schriftstück, das der Redaktion vorliegt. Von Anfang an habe er daran gearbeitet, die „hervorragende Position des Kreises zu bewahren und weiter zu entwickeln“. Nach dem Motto von Sepp Herberger, „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, habe der Enzkreis viele Erfolge erzielt und sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht. „Veränderungen und Reformprozesse habe ich zusammen mit Ihnen und den Kolleginnen und Kollegen der Kreisverwaltung stets als Chance gesehen, weiter voran zu kommen“, schreibt Röckinger an die Kreisräte gerichtet. „Deshalb freue ich mich sehr, dass wir uns nach dem Votum des Umweltausschusses auf den Weg der Agenda 2030 in eine in allen Bereichen nachhaltig wirkende Organisation begeben wollen.“

Nach 51 Dienstjahren möchte Karl Röckinger das Amt des Landrats in jüngere Hände geben. | Foto: PK

Seit 1979 für den Enzkreis tätig

Seit Februar 1979 ist der 67-Jährige für den Enzkreis tätig, zunächst als Sozial- und Verkehrsdezernent, einige Jahre zugleich auch als Dezernent für Finanzen, ab Juli 2003 als Landrat. „Es macht mich zufrieden, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft die Chance erhalten werden, die Standorte der Kreisverwaltung in Pforzheim wieder zu einer Einheit zusammenzufügen und damit das erreichen, was 1993 schon einmal geschafft wurde.“

Schönste Aufgabe in meinem Leben

Nun möchte Röckinger das Amt, das er „als die schönste und größte Aufgabe in meinem langen beruflichen Leben“ sieht, im Januar 2018 in jüngere Hände übergeben. Dabei sei ihm die Entscheidung alles andere als leichtgefallen. „Ich gebe zu, dass der Moment des Rückzugs aus dem aktiven Dienst mich emotional berührt“, schreibt er. Nach über 50 Dienstjahren wolle Röckinger seinen weiteren Lebensweg nicht weniger aktiv, aber freier gestalten. „Ich weiß, dass viele treue Weggefährten über diese Weichenstellung enttäuscht sein werden, wurde ich doch in den letzten Monaten immer wieder motiviert, noch einige Jahre aktiven Dienst als Landrat anzufügen. Ich denke aber, dass das geflügelte Wort, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, eine tiefe Wahrheit beinhaltet“, erklärt der Kreis-Chef, der sein Amt als Landrat immer als Managementaufgabe verstanden habe.

Prinzip der Geradlinigkeit geschätzt

Dabei habe Röckinger das Prinzip der Geradlinigkeit geschätzt. Jeder, der eine öffentliche Aufgabe verantworte, kenne den Wunsch, Zustimmung zu erfahren und von der Sympathie aller getragen zu sein. „Aber das ist eine nicht ungefährliche Neigung, die zu einem falschen Harmonieverhalten, zur Vermeidung von notwendigen Konflikten und letztlich zur Unterlassung des Notwendigen führt“, so Röckinger weiter. Da helfe nur: der Mut zur Wahrheit und der Glaube an die Vernunft aller Beteiligten. „Sehr dankbar bin ich, dass es unter enormer Anstrengung und der Stärke der Verwaltung gelungen ist, die riesengroße Aufgabe mit der Aufnahme von 3 000 Flüchtlingen zu bewältigen. Jetzt wollen wir nicht mehr benötigte Ressourcen an die Städte und Gemeinden abgeben.“

Landrat Karl Röckinger mit Finanzdezernent Frank Stephan (rechts). Foto: Kollros

Wer wird Röckingers Nachfolger?

Ab Januar möchte Röckinger dann mehr Zeit mit seiner Lebensgefährtin und seinen erwachsenen Kindern verbringen, „die in den vergangenen Jahren oftmals auf ihren Vater verzichten mussten“. Auch für seine Enkelkinder möchte er „nun gerne mehr da sein“.
Über Röckingers möglichen Nachfolger wird schon länger spekuliert. Namen wie Luca Wilhelm Prayon und Frank Stephan werden immer wieder genannt. Remchingens Bürgermeister Prayon hatte im März aber verkündet, wieder bei der Bürgermeisterwahl am 12. November anzutreten. Einen großen Einblick in die Kreispolitik hat der Finanzdezernent Stephan. Er hat lange unter Röckinger gearbeitet, was den Übergang erleichtern könnte.

Zur Person
Karl Röckinger wurde am 6. Januar 1950 in Mühlacker geboren. Von 1972 bis 1976 studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg und absolvierte seine Referendarzeit am Landgericht Karlsruhe. Ab 1979 arbeitete er als Dezernent im Landratsamt des Enzkreises. Seit 2003 ist er parteiloser Landrat. Er bekleidet zahlreiche Ämter in Aufsichtsräten. 2010 wurde Röckinger mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zu seinen Hobbys zählt Röckinger die Gartenarbeit und Fahrradtouren.