Katze "Mary" wurde in einem zugeklebten Katzenklo vorm Pforzheimer Tierheim zurückgelassen. | Foto: Roth

Ungewolltes Weihnachtsgeschenk

Katze „Mary“ wurde in zugeklebtem Katzenklo vor Tierheim Pforzheim ausgesetzt

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Wo Mary herkommt und warum sie dort nicht mehr gewollt wird, das wissen die Mitarbeiter im Tierheim Pforzheim nicht. Denn die Tigerkatze wurde in einem mit Klebeband verschlossenen Katzenklo kurz nach Weihnachten vorm Pforzheimer Tierheim ausgesetzt. Ohne Essen, ohne Trinken – und ohne jegliche Informationen.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

„Als ich um 6.30 Uhr angekommen bin stand noch nichts draußen“, sagt Katzenexpertin Manuela Stöbe vom Tierheim Pforzheim. Ihre Kollegin Veronika Eberle vom Kleintierhaus fuhr kurz danach am 27. Dezember auf den Parkplatz der Einrichtung Hinter der Warte 37 und fragte sich, was da neben dem Tor stand. Als sie das Objekt untersuchte drang aus dem quadratischen Paket, das mit Paketband verschnürt war ein leises Miauen. „Zum Glück war das mit einer Decke abgedeckt, es hat geregnet an dem Tag.“

Katzenklo zugeklebt und abgestellt

Als die Mitarbeiter des Tierheims das Nach-Weihnachtsgeschenk auspackten, kam ihnen eine hübsche Tigerkatze entgegen. Die offensichtlich etwas irritiert über ihr Gefängnis war, sich aber bald als hingebungsvolle Schmusekatze herausstellen sollte. Sie war in einer mit Streu gefüllten Katzentoilette eingesperrt worden, die Schwingtür hatte man verklebt. „Kein Wasser, kein Futter war drin“, sagt Veronika Eberle, die immer noch fassungslos ist.

Kein Wasser, kein Futter war drin.

Veronika Eberle vom Pforzheimer Tierheim

Allerdings ist es auch Tierheimleiterin Kristin Hinze noch lieber, „wenn die Tiere vor dem Tierheim abgestellt werden“. In diesem Zusammenhang erinnert sie gern an die beiden auf einer Raststätte angeleinten Hunde und an die im Katzenkorb eingesperrte und im Wald abgestellte Katze vor einigen Monaten. Oder die Meerschweinchen, die vor einem Jahr hinter einem Müllcontainer schicksalsergeben in einem Käfig der Dinge harrten.

Wenn die Leute wenigstens einen Zettel mit ein paar Infos dranhängen würden.

Tierheimleiterin Kristin Hinze

Sie kann allerdings nicht sagen, ob es sich bei dieser Tigerkatze – sie wurde auf den Namen Mary getauft – um eine Weihnachtsgabe handelt, die nun nicht mehr „gebraucht“ wird. Ganz offensichtlich aber war Mary nicht mehr erwünscht. „Wenn die Leute wenigstens einen Zettel mit ein paar Infos dranhängen würden“, empört sich Tierheimleiterin Kristin Hinze.

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So musste die im Heim tätige Tierärztin raten, wie alt Mary denn nun sein könnte und sie erst einmal gründlich untersuchen. Das Alter wird auf maximal fünf Jahre geschätzt; die Tigerdame macht einen fitten Eindruck.

Einziges „Weihnachtsgeschenk“

Im Tierheim ist man froh, dass es bisher das einzige „Geschenk“ ist, was der Einrichtung nach Weihnachten gemacht wurde. Aber man stellt sich auch darauf ein, dass da der ein oder andere Kandidat noch kommen wird. „Die Leute merken ja erst, wenn sie nach dem 6. Januar wieder arbeiten gehen, ob ihnen ein Tier zu viel ist.“ Fünf bis sechs Tiere waren es in den vergangenen Jahren, die dieses Schicksal erfuhren und nach Weihnachten nicht mehr gern gesehen waren. Manchmal stellten Menschen, die sich nicht gut genug informiert haben, auch fest, dass gerade ein Hund etwa mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man gedacht hat.

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Kontakt zum Tierheim:
Telefon (07231) 154133 oder per E-Mail: kontakt@tierheim-pforzheim.de
Website: www.tierheim-pforzheim.de