Flagge zeigen: Demos der Pforzheimer Initiative gegen Rechts und der Antifa aus Karlsruhe – hier im Vorjahr an der Nordstadtbrücke – auf dem Weg zum Wartberg. | Foto: Björn Fix

Demonstrationen am 23. Februar

Kein Friedensfest auf dem Wartberg: Programm für Pforzheimer Gedenktag wird konkret

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Noch 40 Tage, dann jährt sich die Zerstörung von Pforzheim am 23. Februar zum 75. Mal. Weil der runde Gedenktag auch noch auf einen Sonntag fällt, rechnen Stadtverwaltung und die Organisatoren der Demos in diesem Jahr mit mehr Teilnehmern als sonst.

Die Polizei sieht diesen Zusammenhang nicht zwingend, zumal es der Sonntag vor Fasching ist. Dennoch dürfte speziell am Wartberg eine größere Aufgabe auf alle Ordnungshüter zukommen. Dort geht es wieder darum, die zahlreichen Gegendemonstranten von der Fackelmahnwache des rechtsextremen „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland“ zu trennen.

Schon im Vorfeld gibt es kleine Gegenfeuer zur Fackelmahnwache. Ganz verhindern wollte sie Michael Mürle. Er hatte beim Ordnungsamt eine Veranstaltung des Vereins Romanian Roots angezeigt, dem seine Frau vorsitzt. Sein Gedanke: „Ich wollte Musiker und Redner einladen und eine kleine Feierstunde unter dem Motto 75 Jahre Frieden in Europa machen.“

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Initiator enttäuscht von Stadtverwaltung

Mürle hätte damit den Wartberg blockiert. Doch daraus wird nichts, wie er auf Nachfrage unserer Redaktion beklagt. „Das wurde von der Verwaltung abgeblockt, weil die Rechten dort oben Vorrang hätten. Das war enttäuschend. Ich vermisse da die Kreativität bei der Stadt“, sagt Mürle.

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In einer ersten Reaktion verweist die Verwaltung darauf, dass die Kundgebungen der Rechtsextremen bereits auf Jahre im Voraus auf dem Wartberg angemeldet seien. „Dann gibt es relativ wenig rechtliche Möglichkeiten, so etwas zu unterbinden“, sagt ein Stadtsprecher, betont aber: „Die Fackelmahnwache, da gibt es keinen Zweifel, wollen wir nicht in unserer Stadt haben.“

Neu: Friedenssymbol soll am Wartberg projiziert werden

Unterstützen will die Stadt eine neue Aktion auf dem Wartberg: Ab 17 Uhr soll auf dem Plateau ein Symbol des Friedens projiziert werden, analog zur Friedenstaube, die beim Gedenken auf dem Marktplatz auf der Rathausfassade gezeigt wird.

Das Gedenken von offizieller Seite verläuft so ähnlich, wie es aus den Vorjahren bekannt ist. Die Kranzniederlegung auf dem Hauptfriedhof ist für 16 Uhr geplant, ab 19.30 Uhr sind Lichtermeer, Glockenläuten und der gemeinsame Segen auf dem Marktplatz vorgesehen.

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Initiative gegen Rechts will Schwung von Anti-Rechts-Demo im Mai mitnehmen

Die Initiative gegen Rechts (IgR) hat vorwiegend andere Pläne. In dieser Woche soll der Demo-Aufruf veröffentlicht werden. Vom Platz der Synagoge geht es über den Marktplatz zum Hauptbahnhof. Dort stößt man zu einer Demo, die von einem privaten Anmelder angezeigt wurde. Dahinter steht die Antifa aus Karlsruhe.

Gemeinsam zieht man dann hinauf zum Café Hasenmayer. Dort ist eine kurze Kundgebung geplant, ehe es die letzten Meter auf den Wartberg geht, wo die Demonstranten lautstark die Fackelmahnwache stören wollen.

„Wir wollen an die erfolgreiche Aktion vom 11. Mai anknüpfen“, sagt IgR-Sprecher Christof Grosse. Damals zog die rechtsextreme Kleinstpartei „Die Rechte“ durch die City. „Das hat viele gestört, sie haben sich angegriffen gefühlt – mehr als wenn ein paar Rechte auf dem Wartberg stehen.“ In der Stadt gab es damals breite Gegenproteste, auf die Grosse nun abermals hofft.

Gibt es erstmals eine Video-Schalte zwischen Wartberg und Marktplatz?

Sorgen wegen der möglicherweise besonders vielen Demo-Teilnehmer, die auch aus dem Spektrum weit links kommen, hat der Sprecher nicht. „Der gewaltfreie Aktionskonsens hat 2019 funktioniert.“ Auch die Taktik der Polizei ging damals auf. Außer ein paar Feuerwerkskörpern gab es keine Probleme.

Eine Idee liegt Sprecher Grosse seit Jahren am Herzen. Und er ist zuversichtlich, dass man sie dieses Jahr umsetzen wird: eine Videoschalte zwischen Wartberg und Marktplatz. „Wir wollen das Bild auf den Turm am Wartberg projizieren. Der Gedanke dahinter ist, dass jede Form der Demonstration als gleichwertig gewürdigt werden soll“, sagt Grosse und schiebt nach: „Außer die der Rechten natürlich.“