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DURSTSTRECKE BEI DEN BÄDERN: Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) nachdenklich im Ratssaal von Pforzheim. | Foto: str (Archiv)

Aufsichtsrat stoppt Zahlung

Kein Geld für Bäder: Gewinn-Einbruch bei Stadtwerken Pforzheim

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Das Geld war eigentlich für die Bäder vorgesehen: Wegen eines Gewinneinbruchs bei den Stadtwerken Pforzheim (SWP) muss die Stadt im Haushalt 2018 auf rund 6,5 Millionen Euro verzichten. Darüber informierten der Versorger sowie die Stadtverwaltung am Donnerstag in kurzfristig anberaumten Pressegesprächen. Zuvor hatte der Aufsichtsrat der Stadtwerke beschlossen, für das Geschäftsjahr 2018 keine Gewinnausschüttung vorzunehmen.

Schöne Bescherung kurz vor Weihnachten: Pforzheim muss auf eine Gewinnausschüttung in Millionenhöhe von den Stadtwerken (SWP) verzichten. Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) zeigte sich überrascht und mahnte eine gründliche Untersuchung an.

Boch: Positive Entwicklung im Haushalt 2018

Die nun fehlenden Millionen waren eigentlich als Zuschuss für die defizitären Verkehrs- und Bäderbetriebe vorgesehen.  Boch zufolge könne diese Summe aber durch eine ebenfalls nicht erwartete positive Entwicklung im laufenden Haushaltsjahr kompensiert werden. Den Stadtwerken zufolge haben vor allem Probleme im Stromvertrieb zu der Situation geführt.

Es geht um viel Geld für die Bäder

Für die Stadt geht es um viel Geld, das eigentlich schon als Bäderzuschuss fest verplant war. Jetzt wurde überraschend bekannt: Der Aufsichtsrat des zu 65 Prozent im städtischen Besitz befindlichen Versorgers hat die Notbremse gezogen und in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, für das Geschäftsjahr 2018 keine Gewinnausschüttung an die Stadt Pforzheim vorzunehmen.

Genaue Zahlen unklar

Wie die genauen Zahlen bei den Stadtwerken sind, das wollten die Verantwortlichen tags darauf nicht genau öffentlich machen. SWP-Geschäftsführer Roger Heidt sprach vor Pressevertretern von Abschreibungen von bis zu 4,9 Millionen Euro. Aufsichtsratschef Dirk Büscher sagte: „Wir waren deutlich unter den angestrebten zehn Millionen Euro beim Gesamtergebnis. Aber nicht im negativen Bereich.“

ERNSTE GESICHTER: Peter Oswald (Hauptabteilungsleiter Markt), Geschäftsführer Roger Heidt sowie Aufsichtsratschef und Erster Bürgermeister Dirk Büscher (von links) informieren in der Stadtwerke-Zentrale über die finanzielle Lage. | Foto: str

SWP-Chef Heidt will umfassende Analyse

Die Ursachen für die unerwartet negative Entwicklung liegen Unternehmensangaben zufolge vor allem beim Stromvertrieb. „Die Stadtwerke Pforzheim befinden sich derzeit im bundesweiten Vertrieb in keiner ganz leichten Situation“, so Büscher. „Dennoch bedeutet die Entscheidung nicht, dass das Unternehmen in seiner Substanz gefährdet wäre oder sich gar in einer Schieflage befände“, betonte der Aufsichtsratschef. „Die eigentliche Dimension des Ganzen“ habe sich erst im dritten Quartal dieses Jahres durch eine „interne Untersuchung des Geschäftsbereichs der sogenannten Tele-Sales-Geschäfte herauskristallisiert“, erklärte SWP-Geschäftsführer Roger Heidt. Wie es zu der Situation kommen konnte, soll Heidt zufolge jetzt auch mit „externer“ Unterstützung umfassend analysiert werden. Es gelte die SWP operativ neu aufzustellen.

Auch OB Boch war überrascht

Auch Peter Boch wurde von der Entwicklung überrascht. Er habe am späten Mittwochabend von den finanziellen Problemen erfahren, so der Oberbürgermeister am Abend bei einem Pressegespräch im Rathaus. Dort konnte der OB zumindest für den laufenden Haushalt Entwarnung geben: Im Vergleich zum letzten Halbjahresbericht hätten sich weitere Verbesserungen bei Steuereinnahmen ergeben, „die sich nun auf insgesamt rund 33 Millionen Euro belaufen – und damit um rund acht Millionen Euro höher liegen, als angenommen.

Argument für Bäder-Konzept

Für die Stadt werde jetzt allerdings umso deutlicher, dass der Gemeinderat sich dringend auf eine durchfinanzierte Bäderstrategie einigen müsse, die von Maximalforderungen Abstand nimmt.
Die Gewinnausschüttungen seien „nicht zwangsläufig in jedem Jahr eine feste Größe“, sagte Boch. Dennoch gehe er derzeit davon aus, dass es sich um einen einmaligen Vorgang handele und die SWP die Probleme lösen werde, schließlich sei es „ein solides Unternehmen“ betonte Boch.