Neu im Landratsamt: Seit diesem Jahr ist Kinga Golomb Gleichstellungsbeauftragte im Enzkreis und Nachfolgerin von Martina Klöpfer. Foto: Ehmann

Kinga Golomb folgt auf Klöpfer

Neue Gleichstellungsbeauftragte im Enzkreis hat Geschlechterforschung als Steckenpferd

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Seit dem 1. Januar ist Kinga Golomb neue Gleichstellungsbeauftragte im Enzkreis. Sie folgt auf Martina Klöpfer, die Anfang April in Ruhestand geht. Impulse will Golomb unter anderem in der Arbeit mit Jugendlichen setzen.

„Sie treten in große Fußstapfen“ hat sich Kinga Golomb sagen lassen. Seit 1. Januar ist sie die neue Gleichstellungsbeauftragte im Enzkreis und Nachfolgerin von Martina Klöpfer, die nach 28 Jahren in Altersteilzeit geht. Der Start im Landratsamt Enzkreis sei sehr gut gewesen, erzählt Golomb. „Ich bin herzlich empfangen worden, die Stimmung ist positiv.“

Das Büro ist noch provisorisch

In Golombs Büro im vierten Stock des Landratsamts stehen Kartons mit ausgesonderten Akten, es sieht noch nach Umzug aus. Sie sei nur provisorisch im ehemaligen Büro von Klöpfer untergekommen – im April steht der Umzug in ein anderes Büro auf dem selben Stockwerk an. Bis dahin ist auch Martina Klöpfer für die Übergabe noch da – und sitzt meist mit Laptop an einem kleinen Tisch.

Sie treten in große Fußstapfen

Geboren wurde Golomb 1989 in Oberschlesien und wanderte mit ihren Eltern nach Nordrhein-Westfalen aus, als sie acht Monate alt war. „Ich bin ein Ruhrpottkind und ein geselliger Mensch“, sagt sie über sich. Nach dem Abitur studierte sie an der Ruhr-Universität in Bochum Sozialwissenschaften und spezialisierte sich im Masterstudienprogramm auf Geschlechterforschung und Gender-Mainstreaming – „meinem Steckenpferd“, wie sie sagt.

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Während ihres Studiums forschte Golomb im Auftrag der Stadt Bochum über die Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik. Nebenher schrieb sie acht Jahre lang als Lokaljournalistin für die Westfälische Rundschau.

Zuletzt fünf Jahre lang für die Stadt Ettlingen gearbeitet

Zuletzt war Golomb fünf Jahre lang als Integrationsbeauftragte bei der Stadt Ettlingen beschäftigt. Aufmerksam auf die Stelle wurde sie, weil sie Verwandte in Karlsruhe hat. Seit drei Jahren lebt die 30-Jährige mit ihrem Partner in Schwann. Über eine Stellenausschreibung erfuhr sie, dass der Posten der Gleichstellungsbeauftragten im Enzkreis frei wird – sie bewarb sich erfolgreich.

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Golomb ist außerdem Dozentin an der Verwaltungsschule Karlsruhe, wo sie seit rund vier Jahren Seminare zu „Aufbau und Pflege von Integrationsnetzwerken“ und „Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen“ gibt.

Impulse will sie bei Jugendlichen setzen

In den ersten Wochen im neuen Job hat die neue Gleichstellungsbeauftragte viele „Kennenlern-Termine“ und Sitzungen absolviert und ermittelt, wo die Bedarfe im Enzkreis liegen. Als ehemalige Integrationsbeauftragte habe sie ausländische Frauen im Blick, die aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft doppelt diskriminiert werden, erklärt Golomb. Impulse möchte sie unter anderem bei Jugendlichen setzen, die sie dafür sensibilisieren will, was beim Thema Gleichstellung schon erreicht wurde.

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Chancengleichheit für alle Geschlechter im Blick

Um diese Zielgruppe zu erreichen, kann sie sich vorstellen, im Spätsommer ein Poetry Slam zu veranstalten mit bekannten deutschen „Slam Poeten“, die sich mit dem Thema befassen. Auch ein Fotoprojekt kann sie sich vorstellen, bei dem Leute aus dem Enzkreis porträtiert werden, die nicht den klassischen Rollenbildern entsprechen.

Die Frauenquote sieht Golomb nicht als alleiniges Mittel, um mehr Frauen in Ämter und Jobs zu bringen. Es gebe andere Hebel zu betätigen, etwa die Familienfreundlichkeit zu verbessern, damit Frauen ihren Beruf mit Familie oder der Pflege von Angehörigen vereinbaren können. Auch Männer will Golomb in den Fokus nehmen – Chancengleichheit gelte schließlich für alle Geschlechter.