Über 100 Unterschriften für eine bessere Bahnanbindung haben Erik Schweickert (rechts), Sonja Roth (links), Hans-Werner Herre (Mitte) und Gundi Köhler am Montag vor dem Nieferner Bahnhof gesammelt. Foto: Ehmann

Bahnanbindung im Enzkreis

Kleine Haltepunkte bleiben auf der Strecke

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Nach der Fahrplanumstellung bleiben Enzkreis-Gemeinden, was die Bahnanbindung angeht, auf der Strecke, findet Erik Schweickert. Deshalb sammelt er mit Mitstreitern Unterschriften für eine Qualitätsoffensive bei der Residenzbahn.

„Es ist eine einzige Katastrophe“, empört sich Gundi Köhler über die verschlechterte Bahnanbindung kleinerer Ortschaften. Will sie von Eutingen nach Karlsruhe fahren, muss sie in Pforzheim umsteigen – und 20 Minuten auf den Anschlusszug warten. „Das stinkt mir am meisten“, sagt die Eutingerin, die am Montagmorgen vor dem Nieferner Bahnhof gemeinsam mit Landtagsmitglied Erik Schweickert und drei weiteren Mitstreitern Unterschriften für eine bessere Bahnanbindung gesammelt hat.

Es ist eine einzige Katastrophe

Zwischen 6.30 und 9 Uhr haben mehr als 100 Pendler unterschrieben – unter ihnen Fahrgäste aus Königsbach, Freiburg, Rastatt, Ludwigsburg und Unterreichenbach. Manche haben die Gelegenheit genutzt, um ihrem Ärger Luft zu machen: „Es ist eine Schweinerei, wie umständlich man jetzt fahren muss“, erregt sich ein Mann aus dem Pforzheimer Stadtteil Maihälden. Die Übernahme des Regionalverkehrs durch Abellio und Go-Ahead am 9. Juni im Stuttgarter Netz sei holprig gestartet und habe für viel Unmut gesorgt, bestätigt der FDP-Landtagsabgeordnete Schweickert. Wie um das zu unterstreichen, fällt in Niefern die Regionalbahn um 7.07 Uhr aus und die folgende um 7.36 Uhr ist überfüllt.

Fahrgäste machen ihrem Ärger Luft

Hauptkritikpunkt von Schweickert und seinen Mitstreitern ist, dass kleinere Haltepunkte wie Niefern, Eutingen, Illingen und Enzberg schlecht an die Regionalbahn angebunden sind und Direktverbindungen fehlen. Fahrgäste müssen auf dem Weg nach Stuttgart und Karlsruhe in Mühlacker beziehungsweise Pforzheim umsteigen.

In Pforzheim 20 Minuten Wartezeit

Der neue Fahrplan stört auch Thomas Vögtle aus Eutingen, der von Eutingen nach Karlsruhe pendelt und am Montag ebenfalls mit Unterschriften gesammelt hat. „Ich kann nicht mehr durchfahren und muss in Pforzheim 20 Minuten warten“, klagt er. Vögtle hat sich daher genau wie viele andere Unzufriedene an Erik Schweickert gewandt, der die Unterschriften-Aktionen koordiniert. Eine pro Woche soll es bis zu den Sommerferien geben. Die nächste wahrscheinlich in Enzberg. Anschließend werden die Unterschriften an Verkehrsminister Winfried Hermann übergeben. 800 bis 1000 sollten zusammenkommen, so Schweickert.

Qualitätsoffensive für die Residenzbahn

Mit der „Qualitätsoffensive für die gesamte Residenzbahn“ fordert der Nieferner Abgeordnete und Gemeinderat die Landesregierung auf, morgens und abends zwei Mal zwei Verstärkerzüge einzusetzen, die – wie vor der Planumstellung an Pfingsten – auch kleinere Haltepunkte entlang der Residenzbahn anfahren. Und das mit möglichst umsteigefreien und schnellen Verbindungen. Falls die Fahrgäste doch umsteigen müssen, sollten sie höchstens zehn Minuten warten müssen – und das am selben Bahnsteig. Außerdem sollte es wieder eine späte letzte Bahnverbindung aus Karlsruhe in den Enzkreis geben, sagt Vögtle.

Verbesserung bis zur Fahrplanumstellung im Dezember?

Schweickert hofft, dass die Probleme, die nach dem Fahrplanwechsel aufgetreten sind, ausgewertet werden und es spätestens beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember eine Verbesserung gibt. Die Teilung des Enzkreises in einen badischen und württembergischen Teil mit Pforzheim als „Grenzbahnhof“ setze sich beim Thema Bahnsteighöhe fort, die zwischen 55 Zentimeter in Richtung Karlsruhe und 76 nach Stuttgart variiere. Schweickert setzt sich wie berichtet für 55 Zentimeter und einen stufenlosen Einstieg im gesamten Enzkreis ein, zumal auch die Wagen von Abellio auf die Standardhöhe von 55 Zentimeter ausgerichtet seien. Eine Doppellösung mit 55 und 76 Zentimetern sei in Bahnhöfen wie Bilfingen ohnehin nicht möglich.