Auf dem Sprung: Der scheidende Bürgermeister von Engelsbrand, Bastian Rosenau, tritt am 1. Februar das Amt des Enzkreis-Landrats an. Foto: Ochs

Neuer Enzkreis-Landrat

„Klimaschutz ist die Zukunftsfrage schlechthin“

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Engelsbrand. Die noch leeren Umzugskartons stehen in der Ecke und auf dem Schreibtisch liegen die Unterlagenstapel für die Übergabe. Im Büro des scheidenden Engelsbrander Bürgermeisters und künftigen Landrats Bastian Rosenau sieht alles nach Abschied aus. Am 31. Januar wird sein letzter Arbeitstag im Grunbacher Rathaus sein, am Tag danach beginnt für den 37-Jährigen ein neues Kapitel: Dann tritt er als Nachfolger von Karl Röckinger das Amt des Kreischefs im Landratsamt an. Die Kurier-Redaktionsmitglieder Torsten Ochs und Tassilo Pfitzenmeier sprachen mit Rosenau über den Abschied aus Engelsbrand, sein neues Amt und künftige Aufgaben.

Herr Rosenau, am kommenden Mittwoch ist Ihr letzter Arbeitstag in Grunbach. Was gibt es bis dahin für Sie noch alles zu tun?

Rosenau: Ich will die Zeit nutzen, um alles abzurunden. Einige Themen gibt es noch zu besprechen, eine Gemeinderatssitzung, ein Amtsleitertreffen, ein, zwei Reden zu schreiben und natürlich auch die Umzugskartons zu packen.

Wie ist momentan die Stimmung im Rathaus?

Rosenau: Schon emotional und auch melancholisch. Ich mag Abschiede nicht. Es ist ein Superteam hier und in den vergangenen Jahren ist eine Bindung entstanden. Mein Abschied ist schon mit Bedauern verbunden, das weinende Auge eben. Aber ich freue mich auch auf meine neue Aufgabe und bleibe ja am Ort wohnen.

Was sagen die Leute in Engelsbrand?

Rosenau: 90 Prozent der Leute sagen, sie wünschen mir Glück, finden es aber schade, dass ich gehe. Manche sagen, ich hätte so viel für den Ort getan. Es ist wohl so, dass wir gemeinsam viel bewegen konnten, etwa in der Kinderbetreuung und Infrastruktur. Aber das erste, was mir in den Sinn kommt, sind die Menschen. Der Zweck des Bürgermeisters ist, für die Menschen im Ort zu arbeiten.

Ist eine Abschiedsparty im Rathaus geplant?

Rosenau: Es ist am 30. Januar etwas geplant, von dem ich aber nichts weiß. Ich hatte den Wunsch geäußert, dass es nichts Großes wird. Das fände ich nach elf Jahren im Amt nicht angemessen. Aber ich bin gespannt.

Die vergangenen Wochen waren für Sie eine Doppelbelastung. Wie sieht Ihre Vorbereitung auf das neue Amt aus?

Rosenau: Ich spüre die Intensität des Landrat-Jobs noch bevor ich das Amt überhaupt angetreten habe. Das kam in den vergangenen Wochen zu meinen Aufgaben hier im Rathaus noch dazu. Es gab Vorbesprechungen im Landratsamt und habe mit meinen künftigen Mitarbeitern gesprochen. Viele hab ich aber auch schon gekannt. Das erste Jahr als Landrat wird ein besonderes Jahr, in dem ich in die Abläufe und die Organisation im Landratsamt hineinfinden muss.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie auf Ihre Zeit als Bürgermeister zurückblicken?

Rosenau: Es war eine tolle Zeit. Ich bin 2007 in die großen Fußstapfen meines Vorgängers Frank Kreeb getreten und es war die richtige Entscheidung. Es war eine spannende Zeit und ein Job, der viel Gestaltungsmöglichkeiten bietet und Spaß macht. Ich kann jungen Leuten nur raten, es auch zu tun.

Die Bewerbungsfrist für die Neuwahlen in Engelsbrand am 18. März laufen. Haben sich schon Interessenten gemeldet?

Rosenau: Die Gerüchteküche brodelt in den sozialen Medien. Unter anderem wird unglaubwürdigerweise ein Enzkreisbürgermeister aus dem Heckengäu als Bewerber gehandelt. Direkt bei uns in der Verwaltung hat sich noch niemand gemeldet. Es gibt aber jemanden, der um ein Gespräch gebeten hat.

Auf welche Projekte werden Sie als Landrat in Zukunft Ihr Hauptaugenmerk richten – den Klimaschutz?

Rosenau: An dem Thema werde ich natürlich dranbleiben. Das ist die Zukunftsfrage schlechthin. Engelsbrand hat genau wie der Enzkreis schon den „European Energy Award“ geholt. Ich denke, Mobilität wird sich in den kommenden zehn bis 15 Jahren ändern.

Inwiefern?

Rosenau: Ich kann mir vorstellen, dass Mobilität stärker vernetzt wird und es autonom fahrende Busse gibt, die ihre Passagiere direkt zu Hause abholen und an ihren Bestimmungsort fahren.

Auch im Enzkreis?

Rosenau: Das hängt von der Technologie ab. In Ballungszentren könnte das verbreitet sein. Ich könnte mir vorstellen, dass wir ein Pilotprojekt mit zwei, drei Enzkreisgemeinden starten mit einer autonom fahrenden Buslinie. Ein Versuch wäre es wert.

Was wird Ihre erste Amtshandlung sein als Landrat?

Rosenau: Ich werde die Themen je nach Priorität angehen. Etwa die Personaldiskussion oder die Fusion der Berufsschulen in Mühlacker. Netzwerken ist ein wichtiges Stichwort. Die Beziehung zur Stadt Pforzheim will ich intensivieren, in dem wir zum Beispiel bezüglich einer interkommunalen Zusammenarbeit in Bereichen wie Bildung oder Forstreform bis 2019 ins Gespräch kommen. Der Enzkreis umschließt bekanntlich die Stadt Pforzheim, deshalb hat es Sinn, hier gemeinsam etwas zu tun.

Welche Themen werden außerdem eine große Rolle spielen?

Rosenau: Die Klassiker wie ÖPNV, Energie und Kliniken. Die Kliniken sind beispielsweise im Umbruch und werden als Gesundheitszentren stärker vernetzt. Außerdem wird uns die Digitalisierung schnell einholen. Die öffentliche Hand muss hier etwas tun. Auf die Entwicklung müssen wir uns zeitnah vorbereiten.

Wollen Sie einen neuen Stil in das Amt des Landrats bringen?

Rosenau: Ich will nicht alles über den Haufen werfen, was gewachsen und sinnvoll ist, und manche Dinge hier in meinem Büro passen nicht ins Landratsbüro. Aber natürlich habe ich auch meinen eigenen Stil. Ich werde zum Beispiel erst einmal den Dienstwagen von Landrat Röckinger übernehmen und später vielleicht auf Hybrid umstellen.

 

Der neue Landrat Bastian Rosenau wird am kommenden Donnerstag, 1. Februar, im Foyer des Landratsamts Enzkreis bei einer öffentlichen Kreistagssitzung offiziell in sein Amt eingeführt.