Gute Laune trotz des ernsten Themas: Über das Corona-Virus in Pforzheim und dem Enzkreis informierten Landrat Bastian Rosenau (von links), Kreiskämmerer Frank Stephan, der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz, Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts, und Kreisbrandmeister Carsten Sorg. Foto: Ochs

Gute Stimmung beim Personal

Kliniken in Pforzheim und Enzkreis sind gewappnet für die Corona-Patientenschwemme

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Elf im Enzkreis und sieben in Pforzheim: Das sind die Zahlen der derzeit bestätigten Corona-Fälle in Kreis und Stadt. „Das wird sich ändern“, ist sich Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts Pforzheim/Enzkreis, sicher. Diese 18 Menschen, die positiv getestet wurden, befinden sich alle in Quarantäne, zwei stationär und 16 zuhause. „Wir gehen davon aus, dass es mehr Fälle gibt, als wir wissen“, sagte Joggerst am Mittwoch beim Pressegespräch im Landratsamt.

„Die Zahlen sind momentan zwar gering, aber Corona wird sich weiterentwickeln“ ist auch Landrat Bastian Rosenau überzeugt. Ziel des Landratsamts sei es daher, die Ausbreitung einzudämmen. Aus dem Grund sind das Landratsamt und die Außenstellen bis auf weiteres geschlossen. Darauf weist ein Zettel am Eingang hin. Rosenau lobt das Engagement der Städte und Gemeinden im Enzkreis und auch das der Kollegen im Haus.

Anfrageflut der Bevölkerung ist gigantisch

Landrat Bastian Rosenau

Der Beratungsbedarf der Bevölkerung sei allerdings groß und die „Anfrageflut gigantisch“. Daher hat das Amt in manchen Bereichen Personal aufgestockt und eine Hotline eingerichtet. Wichtig sei gewesen, dass Bund und Land die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und es einheitliche Regelungen gebe, so Rosenau: „Die Lage ist ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik.“ Man müsse sich keine Sorgen wegen Liefer- oder Zahlungsengpässen machen.

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Das Landratsamt Enzkreis ist momentan geschlossen. Darauf weist ein Zettel am Eingang hin. Foto: to

Landrat ruft zur Besonnenheit auf

Das wichtige Thema sei vielmehr das Verhalten der Menschen – Rosenau ruft in dem Zusammenhang zur Besonnenheit auf. Wichtig sei, soziale Kontakt zu vermeiden und auf ein notwendiges Minimum zu beschränken, „damit die Ansteckungskurve nicht zu steil verläuft“. Vorerst werde es auch keine Kreistagssitzungen geben.

Notbetreuung in den Kliniken läuft gut

Die Sorgen in der Bevölkerung sei groß und müssen ernst genommen werden, fordert der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz. Wichtig sei jedoch, die Stimmung von der objektiven Lage zu trennen. Er berichtet von wirtschaftlichen Fragen, die über die Beratungs-Hotline gestellt werden: Die Anrufer sein unsicher, wie es mit ihrer Firma weitergehe oder wie sie mit Verdienstausfällen und ihrem Personal verfahren sollen. Auch zu Kliniken hat Herz Kontakt gehabt: „Die Notbetreuung in den Kliniken läuft gut, bisher hat jeder einen Platz bekommen, der einen gebraucht hat.“

Konzept für Patientenschwemme steht

Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts

Mehr noch: „Die Kliniken sind gewappnet und vorbereitet auf den Ansturm von Corona-Infizierten, wobei wir nicht hoffen, dass es zum Ansturm kommt“, so Joggerst. „Das Konzept für eine mögliche Patientenschwemme steht.“ Operationen, die nicht gleich notwendig seien, wurden verschoben. Stationen und Beatmungsgeräte werden freigehalten und das Personal sei geschult worden. Die Stimmung beim Klinikpersonal sei gut, so Joggerst.

Konzept der Kliniken steht

Außerdem soll das ambulante System die Kliniken unterstützen und entlasten. Eine Corona-Ambulanz sei eingerichtet worden und auch das Drive-in gebe es. Weiter sollen die Kapazitäten erweitert und Schwerpunktpraxen eröffnet werden. Hierfür werde noch Personal gesucht, so Joggerst. Auch Schulungen zu Schutzmaßnahmen seien denkbar.

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Studien zu Medikamenten laufen

Im ambulanten System sei die Situation schwieriger. „Das System steht noch; es wird aber mit zunehmenden Fällen kritischer. Die Patientenströme müssen daher gelenkt werden“, fasst die Leiterin des Gesundheitsamts zusammen. Ob es bald eine Impfung gegen das Corona-Virus gebe, ist derzeit unklar. Es laufen Studien zu Medikamenten, die es schon gebe. Positiv sei, dass sich die meisten Corona-Patienten nicht wieder mit dem Virus anstecken. Außerdem sei die Grippewelle derzeit am Abebben, so Joggerst.

Auch mit Schutzausrüstung solle das ambulante System unterstützt werden, ergänzt Landrat Rosenau. Mundschutz helfe jedoch nur, um andere nicht anzustecken, so Joggerst.
Auch die Einsatzbereitschaft bei den Feuerwehren sei gut, berichtete Kreisbrandmeister Carsten Sorg. Derzeit seien 63 Angehörige freigestellt – das seien lediglich fünf Prozent.