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Kurier-Kommentar

Kommentar: Bäder-Misere in Pforzheim taugt nicht als Wahlkampf-Thema

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Die Misere um die städtischen Bäder in Pforzheim taugt nicht zum Wahlkampf-Thema. Vielmehr zeigt der sich zuspitzende Sanierungsbedarf, dass der Gemeinderat endlich dem Bäder-Konzept von Bürgermeister Dirk Büscher folgen sollte. Ein Kurier-Kommentar von Daniel Streib.

Der Wunsch ist verständlich: Eine Bäderlandschaft mit ausreichend Sportbädern sowie einem modernen Familienbad in der Innenstadt und einem großen Freibad auf dem Wartberg – das wäre schon eine tolle Sache. Es gibt nur ein Problem: Die Stadt Pforzheim lebt seit vielen Jahren über ihre Verhältnisse und kann sich deshalb das frühere Bäderangebot nicht mehr leisten. Jedenfalls dann nicht, wenn dafür nicht bei anderen städtischen Ausgaben massiv gespart wird, etwa beim Stadttheater und dem Wildpark. Weil das aber auch niemand will, dreht sich die Diskussion seit vielen Jahren im Kreis.

Derweil verrotten die Pforzheimer Bäder

Derweil verrotten die Bäder. Im vergangenen Jahr war es besonders schlimm: Der seit langem erste ernsthafte Versuch, das Problem in den Griff zu bekommen, wurde vom seit Herbst 2016 verantwortlichen Bäderdezernenten Dirk Büscher unternommen. Er scheiterte an einer Mehrheit im Gemeinderat. Eine knappe Mehrheit, die den Status quo erhalten will, aber nicht sagen kann, wie das finanziert werden soll.

Planungen für Neubauten stocken

Das mag beim einen oder anderen Wähler gut ankommen, ist aber letztlich von politischen Entscheidungsträgern vor allem eines: verantwortungslos. Der Beschluss wurde auch von der Finanzaufsicht kassiert, die den entsprechenden Wirtschaftsplan der Bäderbetriebe nicht genehmigte. Unterdessen schlossen Ende 2018 das Emma-Jaeger-Bad und das Huchenfelder Bad endgültig, weil sie völlig marode sind. Planungen für Neubauten stocken, weil eben der Wirtschaftsplan nicht genehmigt ist.

Stattdessen schimpfen die Kritiker weiter  auf den Überbringer der Botschaft, unterstellen ihm teilweise sinistre Motive, als ob der Mann sich persönlich mit einer Spitzhacke in den Katakomben des Wartbergbades zu schaffen gemacht hat, nur um den Räten eines auszuwischen.

Nun wurde auch noch bekannt, dass sich im Wartbergbad eventuell größerer Sanierungsbedarf abzeichnet als bislang erhofft. Das wenige Geld, das für die Bäderneubauten zur Verfügung steht, wird also noch knapper. Eine Folge: Die Kompromisslösung mit einem kleinen „Emma“ wie sie OB Peter Boch zur Haushaltsverabschiedung ins Spiel brachte, verliert dadurch weiter an Charme und Sinn. Stattdessen ist die Entwicklung ein neuerlicher Beleg dafür, dass man den von Büschers Fachverwaltung erarbeiteten Plan besser hätte umsetzen sollen.

Die Realität als Verschwörer

Haben nun die Kritiker im Gemeinderat endlich ein Einsehen? Mitnichten, stattdessen schimpfen sie weiter wacker auf Dirk Büscher, den Überbringer der Botschaft, unterstellen ihm teilweise sinistre Motive, als ob der Mann sich persönlich mit einer Spitzhacke in den Katakomben des Wartbergbades zu schaffen gemacht hat, nur um den Räten eines auszuwischen. Dass der Urheber dieser Verschwörung nicht Büscher heißt, wird sich hoffentlich nach der Kommunalwahl auch im Gemeinderat durchsetzen. Der Name des Verschwörers lautet vielmehr: Realität.

Hintergrund: Das Bäder-Konzept von Bürgermeister Büscher wurde erstmals im Januar 2018 präsentiert.