HINTER DIE FICHTE GEFÜHRT? Bei der Gewerbeflächenentwicklung sendet die Stadt Pforzheim widersprüchliche Signale. Das Bild entstand im Waldgebiet Klapfenhardt. | Foto: str

Klapfenhardt oder Ochsenwäldle

Kosten für Gewerbegebiete: Stadt Pforzheim will keine Belege liefern

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Es ist die 50-Millionen-Euro-Frage: Kommt ein Gewerbegebiet im Mischwald Klapfenhardt die Stadt Pforzheim tatsächlich soviel günstiger als eines im ökologisch weniger wertvollen Ochsenwäldle? Der Kosten-Faktor ist ein Hauptargument von OB Peter Boch für seinen Schwenk bei der Flächenplanung. Der Haken: Die Stadt sieht sich außerstande, die Kosten öffentlich zu belegen. 
In einer finanziell so gebeutelten Stadt wie Pforzheim sind 50 Millionen Euro ein gewichtiges Argument. Da kann man schon zähneknirschend der für die Umwelt nur zweitbesten Lösung zustimmen. So ungefähr argumentiert OB Boch (CDU), der Ende vergangenen Jahres die Pläne seines Vorgänger Gert Hager (SPD) über den Haufen schmiss. Statt dem schon länger geplanten Ochsenwäldle will Boch das ökologisch wertvollere Waldgebiet Klapfenhardt zur Gewerbefläche machen – gegen alle Widerstände von Naturschützern und Anwohnern.

Ochsenwäldle wird doch wieder geprüft

Die umstrittenen Pläne der Stadtverwaltung für ein neues Gewerbegebiet werden am 2. Mai erstmals in einem öffentlichen Gremium behandelt. Wie aus einer Beschlussvorlage hervorgeht, beschäftigt sich dann der Planungs- und Umweltausschuss mit dem „weiteren Vorgehen Gewerbeflächenentwicklung“. In der Vorlage manifestiert sich eine Wende der Stadt, die bereits zuvor per Pressemitteilung angekündigt worden war. Denn anstatt weiterhin ausschließlich auf das von Oberbürgermeister Peter Boch seit Dezember favorisierte Waldstück Klapfenhardt im Nordwesten zu setzen, ist nun das ehedem von Boch verworfene Ochsenwäldle im Süden doch wieder im Rennen.

Gegenwind für Klapfenhardt-Kurs

Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln: Eine Begründung für die neuerliche Wende liefert das Rathaus nicht. Informell ist zu hören, es liege am Gegenwind für Bochs Klapfenhardt-Kurs. Jedenfalls sollen nun beide Areale weiter geprüft beziehungsweise untersucht werden. „Diese Zahlen wollen wir bis Ende des Jahres so konkretisiert haben, dass der Gemeinderat dann einen wirklich objektiven Vergleich zwischen Klapfenhardt und Ochsenwäldle ziehen kann“, so der OB, der freilich bereits im Dezember den Eindruck erweckt hatte, dieser Vergleich sei von der Verwaltung schon hinreichend gezogen worden. Damals sagte Boch, die Verwaltung habe entschieden, Ochsenwäldle nicht weiterzuverfolgen.

Unerwartet hohe Kosten für Grunderwerb?

Dessen Entwicklung komme die Stadt mindestens 40 Millionen Euro, wahrscheinlich insgesamt aber 50 Millionen Euro teurer als Klapfenhardt. Unter anderem die laut Verwaltung unerwartet hohen Ankaufskosten für die Ochsenwäldle-Flächen vom Land Baden-Württemberg wurden als Begründung genannt. Belege für das Kostenargument hat das Rathaus seither nicht geliefert.

Entscheidung soll im Spätjahr fallen

Klapfenhardt oder Ochsenwäldle? Die Entscheidung soll im Spätjahr im Gemeinderat fallen. Der Haken an der Bochschen Transparenz-Initiative: Wichtige Bestandteile dieses „objektiven Vergleichs“ will die Stadt der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich machen, wie Sprecher Philip Mukherjee auf Nachfrage bestätigte.

Informationen gibt es nur „nicht öffentlich“

Nur „nicht öffentlich“ soll den Räten unter dem Siegel der Verschwiegenheit berichtet werden, was der Ankauf des Ochsenwäldle-Areals vom Land kosten würde. Die knappe Begründung: Zwischen Stadt und Land sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Umweltschützer, Anwohner und Steuerzahler könnten demnach nicht selbst nachvollziehen, was Boch als ein Hauptargument für Klapfenhardt anführt: die Ersparnis von 40 Millionen Euro.
Ein Umstand, der nicht von allen Beteiligten als vertrauensbildende Maßnahme aufgefasst wird. Christoph Weisenbacher, Fraktionsvorsitzender von „Wir in Pforzheim/Die Linke“ bemängelt: „Beim Thema Gewerbeflächen bedarf es größtmöglicher Transparenz. Alles andere schadet der Akzeptanz in der Bevölkerung.“