TATORT TIEFENBRONN: In diesem Haus im Ortsteil Mühlhausen ereignete sich am Samstag eine Familientragödie. | Foto: str

Familientragödie in Tiefenbronn

Kripo Pforzheim ermittelt: Warum tötete Unternehmer Josef H. Frau und Kind?

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Er war reich und erfolgreich, jetzt ist Josef H. (60) dringend tatverdächtig: Warum tötete der Medizintechnik-Unternehmer Frau und Kind? Dieser Frage gehen nun die Kripo Pforzheim und die Staatsanwalt Karlsruhe nach. In einer Villa in Tiefenbronn-Mühlhausen soll der Familienvater seine Frau und seinen achtjährigen Sohn getötet haben.

Am Sonntag war Mühlhausen wieder ein Idyll. Kaum etwas deutete auf die Ereignisse hin, die in dem Tiefenbronner Ortsteil am Samstag für ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften gesorgt haben.

Kripo Pforzheim ermittelt: Josef H. ist dringend tatverdächtig

Vor der Villa steht eine einzelne Kerze, und am Gebäude zeugen Dienstsiegel der Polizei von einem unfassbaren Verbrechen, das einer 38-Jährigen Mutter und ihrem achtjährigen Sohn das Leben kostete und das ein weiterer elfjähriger Sohn nur mit schwersten Verletzungen überlebte.

Der Tatort am Samstag. Foto: igm | Foto: igm

Was sich am Samstag zur Mittagszeit in dem durch hohe Zäune abgeschotteten Anwesen in bester Hanglage abgespielt hat – und vor allem warum – das müssen nun die Kriminalpolizei Pforzheim und die Staatsanwaltschaft Karlsruhe aufklären. Bisher sind lediglich die Todesursachen, Schnitt- und Stichverletzungen am Hals, bekannt.

Auch in Brötzingen eine Ehefrau getötet

Gleiches gilt für ein weiteres Tötungsdelikt, das sich an diesem für die Region so schwarzen Samstag in Brötzingen ereignete. In einem Haus hatte dort ein 37-Jähriger seine zehn Jahre jüngere Ehefrau mit Messerstichen tödlich verletzt. Diese war im Treppenhaus gefunden worden. Auch in diesem Fall wurde gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen. Zu den familiären Hintergründen der Brötzinger Tat war öffentlich zunächst wenig bekannt. Zur Nationalität des mutmaßlichen Täters und seines Opfers machten die Behörden keine Angaben.

Elfjähriger Sohn rettet sich verletzt auf die Straße

Wenig mehr weiß man aus Mühlhausen: Dringend tatverdächtig ist dort der 60-jährige Familienvater Josef H., der am Samstag von der Polizei in der Villa mit Verletzungen gefunden und gegen den am Sonntag Haftbefehl erlassen wurde. Wie Anwohner berichten, soll es vor der Tat zu einem lautstarken Streit gekommen sein. Der überlebende Sohn hatte sich auf die Straße retten können, Nachbarn fanden ihn und riefen die Polizei. Zur Motivlage und zum Tathergang sowie zur Nationalität machte die Polizei keine näheren Angaben. Am Montag wurde bekannt, dass der elfjährige Bub außer Lebensgefahr ist.

Unternehmer war in Raum Pforzheim tätig

Nach Kurier-Informationen handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um den als vermögend geltenden Josef H., der das Anwesen in Mühlhausen seit einigen Jahren als Nebenwohnsitz angemeldet hat und hauptsächlich am Wochenende nutzt. Der Unternehmer stammt aus Württemberg und ist im Medizintechnik-Sektor auch in der Pforzheimer Region tätig. Im Enzkreis ist ein Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit.

 

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Familie war im Ort kaum bekannt

In Mühlhausen habe man die Familie so gut wie nicht zu Gesicht bekommen. Nach Kurier-Informationen hatte Josef H. eine Zeit lang den örtlichen Fußballverein gesponsert, dem Vernehmen nach, um sich Einfluss auf die Lautstärke von gelegentlichen Feiern auf dem benachbarten Vereinsgelände zu sichern. Darüber hinaus habe es zum Vereinsleben in Mühlhausen keine Berührungspunkte gegeben.

Auch AfD-Landeschef Gögel reagiert bestürzt

Tiefenbronns Bürgermeister Frank Spottek zeigte sich auf Kurier-Anfrage schockiert: „Wir sind alle sehr erschüttert und fassungslos über diese Tat.“ Das Tiefenbronner Gemeinderats- und Kreistagsmitglieds Wolfgang Liebl (CDU) sagte: „Meine Gedanken sind bei dem elfjährigen Bub, dem ich viel Kraft wünsche.“ Und der wohl prominenteste Einwohner von Mühlhausen, AfD-Landeschef und Enzkreisabgeordneter Bernd Gögel, sagte am Wahlabend auf Anfrage: „Solche Tragödien überschatten alles.“ Auch die Bundestagsabgeordnete Katja Mast (SPD) äußerte sich bestürzt. „Polizei und Justiz werden alles tun, um die Taten aufzuklären und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.“  str/pm

Nachbarn haben vor dem Tatort eine Kerze zum Gedenken aufgestellt. Foto: str