Noch relativ leer ist die Spendenpfeife, die Bezirkskantor Bernhard Müller in Händen hält. Erst 6.100 Euro sind an Spenden für die Orgelsanierung zusammengekommen. Foto: Ochs

Schimmel in historischer Orgel

Kuriose Wette in Neuenbürg: Abspecken für Orgelsanierung

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25.000 Euro – so viel Geld muss an Spenden für die Orgelsanierung in der Neuenbürger Stadtkirche zusammenkommen, damit sich Bezirkskantor Bernhard Müller auf sein Wunschgewicht von 110 Kilogramm herunterhungert.

Zu der ungewöhnlichen Wette kam es im vergangenen Sommer, nachdem in der historischen Orgel schon 2015 Schimmel festgestellt worden war. „Im Prinzip ist seit über 40 Jahre nichts gemacht worden“, sagt Müller. Maßnahmen – unter anderem ein neuer Motor und eine Setzeranlage – werden schnell teuer, weiß der Bezirkskantor, der die Kosten für die Sanierung auf rund 70.000 Euro schätzt.

Schimmel in historischer Orgel

Um konkrete Planungen mit einem Sachverständigen und einem Kostenvoranschlag angehen zu können, müsse die evangelische Kirche die Hälfte der Kosten zusammenhaben. Und wie bekommt man in relativ kurzer Zeit relativ viel Geld zusammen? Müller dachte an Fundraising-Projekte und kam auf die Idee mit der Wette: Dass es Spender aus der Umgebung nicht schaffen, Müllers Wunschgewicht von 110 Kilo in Zwei-Euro-Münzen aufzuwiegen.

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„Ich könnte mir das so schön vorstellen: eine Balkenwaage vor der Stadtkirche mit dem Kantor auf der einen Seite und den Münzen auf deren anderen. Das wäre doch spektakulär“, sagt Müller schmunzelnd. Im Moment sieht es jedoch nicht so aus, als ob es zu diesem Szenario kommt. Erst 6.100 Euro sind bisher an Spenden aus einem Benefizkonzert mit Lesungen zusammengekommen. Und die Zeit drängt: Die Wette läuft bis zur Jahresmitte und Ende 2020 geht Müller in Ruhestand.

Wette läuft bis Jahresmitte

Doch es sei noch alles möglich, sagt der Bezirkskantor, der auf Spenden aus Erbschaften hofft oder auf große Einzelspenden – etwa wenn jemand am Geburtstag auf Geschenke verzichtet und den Betrag lieber für die Orgelsanierung weitergibt. Die Kantorei beispielsweise habe 350 Euro gespendet und eine Privatperson aus Arnbach 500 Euro.

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Förderung wohl nicht möglich

Förderungen über das Denkmalamt zu beantragen werde wohl nicht funktionieren, weil die Orgel nur zum Teil historisch ist. Das barocke Gehäuse stammt zwar von 1740, das Pfeifenwerk sei aber erst knapp 50 Jahre alt, erklärt Müller.

Kirche soll ab 2021 renoviert werden

Falls alle Stricke reißen, hofft der 62-Jährige auf die Renovierung der Kirche, die im nächsten Jahr beginnen soll. Das Dach müsse auf jeden Fall gemacht werden. Das Problem sei, dass die Orgel erst ganz am Schluss saniert werden kann, wenn auch die Arbeiten im Innern der Kirche fertig sind. Müller befürchtet, dass der Staub aus den Renovierungsarbeiten der Orgel zusätzlich zusetzt.

Egal, ob er die Wette gewinnt – abspecken will Müller auf jeden Fall. Wie viel – das will er nicht verraten, aber „im zweistelligen Bereich“, sagt der Bezirkskantor. Mit Sport und einer Ernährungsumstellung will er das Projekt angehen. „Auch um meinen guten Willen zu zeigen.“ Das gespendete Geld aus der Wette soll auf jeden Fall der Orgel zugute kommen.