Wer dem Rundgang im neu gestalteten Technischen Museum folgt, sieht den gesamten "Lebenszyklus" eines Schmuckstücks. | Foto: Anne Weiss

Pforzheimer Tradition

Kurz vor seiner Wiedereröffnung bekommt das Technische Museum den letzten Schliff

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Der schwere Geruch von altem Maschinenöl trifft auf frischen Lack. Hammerklopfen hallt durch die Räume des Technischen Museums. Wo schon am Wochenende nach monatelangem Umbau die Besucher das Ergebnis bestaunen sollen, geht es zwischen Pressen, Drehmaschinen und Walzen noch so geschäftig zu, dass das Treiben in einer der vergangenen Fabriken geradezu bildhaft vor dem inneren Augen erscheint. „Sieht noch wild aus“, sagt Cornelie Holzach und bahnt sich ihren Weg entlang der Exponate, steigt über herumstehende Kisten oder noch nicht befestigte Wandtafeln. Die Museumsleiterin hat die Neukonzeption gemeinsam mit dem Architekturmuseum Münzing und dem Grafikbüro L2M3 erarbeitet. Das Technische Museum habe mehr zu bieten als nur einen fantastischen Bestand, betont Holzach, während sie dem Pforzheimer Kurier noch vor der Eröffnung einen Einblick in die neugestalteten Räume gewährt: „Pforzheims Selbstverständnis begründet sich aus dem, was wir hier erlebbar machen.“

Konzept hebt Fabrikcharme hervor

Heller sind die Räume im Kollmar&Jourdan-Haus geworden, die das Technische Museum seit 1983 beherbergen. Seinen herben Fabrikcharme hat das Museum behalten. Das Konzept versucht ihn noch hervorzuheben, erklärt Holzach. Texttafeln und Vitrinen fügen sich durch ihr Material, das an dunkelgrauen, gebürsteten Stahl erinnert, in ihre Umgebung. Die Umsetzung soll den „Dialog zwischen den Maschinen und ihrer Präsentation“ fördern. Vom dunklen, nicht makellosen Boden heben sich die weißen Nummerierungen der Exponate ab. „Man darf dem Haus schon seine Geschichte ansehen“, sagt Museumsleiterin Holzach.

Es geht darum, den Besucher in der Gegenwart abzuholen

Bei der Anordnung der Maschinen hat sich nur wenig verändert. Der Besucher wird durch Stationen geleitet, sodass er am Ende den gesamten Produktionsweg gesehen hat. Empfangen wird das Publikum im „Innovationsbereich“ mit Unternehmen, die aus der Traditionsindustrie erwachsen sind und sie weiterentwickelt oder sich neu orientiert haben, sagt Pressesprecherin Isabel Schmidt-Mappes und zeigt auf die – noch leeren – Regalfächer im Eingangsbereich. „Es geht darum, den Besucher in der Gegenwart abzuholen und in die Geschichte zu leiten.“ Die ausgestellten Maschinen haben die Industrie der Goldstadt weltweit erfolgreich gemacht – und machen heute die Faszination der traditionellen Schmuck- und Uhrenindustrie aus, ergänzt Holzach: „Für die Besucher sind diese Maschinen, wie wir sie zeigen, sehr eindrücklich, weil wir die Vorgänge sichtbar machen. Bei modernen Maschinen sehen sie nur, wie der Draht rein geht und die fertige Kette herauskommt.“

Experten erklären noch immer die Maschinen

Einer, der die Geschichte nicht nur erlebbar machen kann, sondern gewissermaßen selbst Teil von ihr ist, steht im ersten Stock. Dieter Linder half bereits beim ersten Aufbau des Museums. Der 75-Jährige gehört zu

Experten und Museumsmitarbeiter wie Dieter Linder erklären Besuchern die Maschinen. | Foto: Anne Weiss

den Mitarbeiterin, die Besuchern die Maschinen erklären und vorführen. Früher war er selbst in der Schmuckindustrie tätig. „Unsere Urgewächse der Industrie“, sagt Schmidt-Mappes. An die Neugestaltung müsse er sich noch gewöhnen, sagt Linder, während er die Maschinen einrichtet. Wichtig sei ihm, dass die Besucher die Technik verstünden. „Wir bezeichnen uns als lebendiges Museum.“ Statt mehr zu erzählen, zeigt Linder, was er meint, setzt eine Drehmaschine in Gang. Öl spritzt, die Maschine fräst ein Stück Messing in Form und der Museumsmitarbeiter präsentiert Sekunden später das Ergebnis: „Sehen Sie, ein Modell des alten Wasserturms“, sagt er, lächelt und wischt die Hände erst an der Maschine und dann am blauen Kittel ab.