Die Zu- und Ausfahrten zum geplanten Windpark Straubenhardt werden derzeit planiert und befestigt. | Foto: Hummel

Windpark Straubenhardt

Lässt der Nabu die BI Gegenwind im Stich?

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Es knirscht gewaltig zwischen der Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind Straubenhardt“ und dem Naturschutzbund (Nabu). Der Grund: Die BI fühlt sich allein gelassen in ihrem Kampf gegen einen Windpark in Straubenhardt. Das geht aus dem Schriftwechsel zwischen Ingo Zerrer von der BI und Johannes Enssle, Landesvorsitzender des Nabu Baden-Württemberg, hervor. Anlass ist der Baubeginn auf den Gemarkungen Conweiler, Feldrennach und Langenalb. Seit ein paar Tagen rollen im Wald zwischen Straubenhardt und Dobel die Bagger, um Zufahrten einzuebnen, Erdschichten abzutragen und Standorte für die Windenergieanlagen auszuheben. Das stößt den Anhängern der BI sauer auf.

Haltung der selektiven Untätigkeit

Ingo Zerrer, der die rechtlichen Aktivitäten der Bürgerinitiative koordiniert, wirft dem Nabu-Landeschef eine „Haltung der selektiven Untätigkeit“ vor. Zerrer vermisse die Unterstützung anerkannter Naturschutzverbände, schließlich seien sie „Anwälte der Natur“. In einer E-Mail unterstellt er dem Nabu-Landesverband indirekt, er schütze mit seinem Nicht-Eingreifen die Industrie. Zerrer vermutet, dass auch Fördergeld, das der Nabu vom Land bekomme, eine Rolle spiele. „Zwischen dem Nabu und dem Umweltministerium besteht eine enge politische Verbindung“, heißt es in dem Schreiben Zerrers an Enssle. Das Geld werde aber eher für ein neues Nabu-Bodenseezentrum verwendet. „Wenn man weiß, dass das Geld dafür auch aus der Zerstörung unseres Waldes hier in Straubenhardt kommt, dann kann einem die Galle hochkommen.“

Ausgehoben werden auch die künftigen Standplätze der Windkraftanlagen, hier Standort 10 zwischen Dennach und Dobel. | Foto: Hummel

Unterstellung niveaulos

Johannes Enssle reagierte mit Unverständnis auf Zerrers Anschuldigungen. „Ich finde Ihre Unterstellung niveaulos und enttäuschend“, schreibt der Nabu-Landesvorsitzende. Im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier spricht Enssle Klartext: „Wir haben uns den Fall sehr genau angeschaut und festgestellt, dass eine Klage nur geringe Erfolgsaussichten hat.“ Nabu-Ehrenamtliche hätten vor Ort eigene Daten gesammelt und Kartierungen durchgeführt. Ergebnis: In Straubenhardt gebe es keine Rotmilandichte. „Wir haben einfach keine ausreichende Datenlage, die gegen einen Windpark in Straubenhardt spricht“, bilanziert Enssle.

Vorwurf der Käuflichkeit

Darüber hinaus sei die BI sehr spät auf den Nabu zugegangen und habe eine frühzeitige Kartierung versäumt. Dem Vorwurf der Käuflichkeit widerspricht Enssle vehement. „Wir müssen prüfen, wie und wo wir unsere Ressourcen einsetzen“, erklärt der Nabu-Landeschef. Wenn der Nabu nicht im Sinne der Bürgerinitiativen handle, werde häufig, wie im konkreten Fall, mit Dreck geschmissen.

Ich wollte provozieren

Auf Nachfrage relativiert Zerrer seine scharfen Aussagen. „Ich wollte mit der Mail provozieren“, gibt er zu. Die BI hoffe, dass der Nabu die artenschutzrechtlichen Gutachten, die „Gegenwind“ einbringt, mittrage. Seit April klagt die BI laut Zerrer gegen die Errichtung eines Windparks, stellte mehrere Eilanträge vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe und legte mehrmals – auch mit Unterstützung des Nabu – Widerspruch gegen Entscheidungen ein.

Baustopp als Ziel

Berge von Papier werden hin und her bewegt mit dem Ziel, so bald wie möglich einen Baustopp zu erzwingen. „Wir sind grundsätzlich gegen Windkraft“, betont Zerrer. Der Eingriff in die Natur sei gewaltig, der Stromgewinn aber vergleichsweise gering. „Auf Dauer versorgen uns die Windräder nicht“, meint Zerrer. Lediglich zwei bis drei Stunden pro Tag liefen die Windräder.

Helge Viehweg hält sich aus Streit raus

Bürgermeister Helge Viehweg hat sich vor Ort umgesehen. „Die Gemeinde schaut, dass da oben alles ordentlich läuft und im Rahmen des Genehmigungsverfahrens alles eingehalten wird“, sagt das Gemeindeoberhaupt auf Nachfrage. Aus dem Streit zwischen BI und Nabu wolle er sich raushalten. Für ihn zähle nur, dass die Teil-Baufreigabe da ist. Der Baubeginn sei demnach ein „normaler Vorgang“.