Auch bei internen Schulungen geht das Landratsamt neue Wege: Hier ein Einblick in die E-Learning-Plattform „WissEnz“. | Foto: pr

„Intuitiv wie Google“

Landratsamt Enzkreis stellt Digitalisierungskonzept vor

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Es soll vorangehen in Sachen Digitalisierung im Enzkreis. Das hat Mitte Dezember bereits der Kreistag festgelegt, als seine Mitglieder einstimmig eine Digitalisierungsstrategie verabschiedeten. Welche Aspekte dabei nun vorrangig angegangen werden sollen, darüber informierten Landrat Bastian Rosenau und weitere Zuständige des Landratsamtes bei einem Pressegespräch am Mittwochvormittag.

Der Digitalisierungsbeauftragte

Noch im Januar, spätestens aber Anfang Februar soll die Stelle eines Digitalisierungsbeauftragten ausgeschrieben werden, informiert Frank Stephan, Dezernent für Finanzen und Service. Dessen Aufgabe laut Landrat Rosenau: Das „große Rad“ im Blick behalten und drehen – also die vielen einzelnen Bereiche, die von Digitalisierung betroffen sind, koordinieren, strukturieren und vor allem auch: Netzwerken. Während Marc Böhmer, Sachgebietsleiter des IT-Service im Amt für technische Dienste, die Portale entwickle und optimiere, sei es Teil der Stellenbeschreibung des neuen Amtes, auch Kooperationsmöglichkeiten mit Enzkreis-Gemeinden und der Stadt Pforzheim auszuloten und auszubauen, erläutert Stephan. „Viele Dienstleistungen betreffen sowohl die Rathäuser als auch das Landratsamt“, erläutert der Service-Dezernent. Wenn hier die Abläufe ohne Medienbrüche, also komplett online vonstatten gingen, könnten viel Zeit und Nerven gespart werden – sowohl auf Bürgerseite als auch auf Seite der Verwaltungs-Mitarbeiter.

Die Verantwortlichen (von links): Hilde Neidhardt, Miriam Meyer, Frank Stephan, Landrat Bastian Rosenau, Marc Böhmer. | Foto: bba

Bessere Vernetzung bei Baustellen

Eines der digitalen Pilotprojekte, welches im Landratsamt bereits auf den Weg gebracht wurde, ist der Bereich Auto, Kfz und Verkehr. Hier wolle man weiter am Ball bleiben, sagt Hilde Neidhardt, Dezernentin für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung. Bürger können beispielsweise auf der Homepage unter dem Reiter „Online-Service“ bereits digital einen Führerschein-Antrag stellen oder auch Bußgelder für zu schnelles Fahren begleichen. „Die Nutzerzahlen für Online-Überweisungen auf unserer Seite sind von circa 500 im Jahr 2017 auf etwa 3 000 im Jahr 2018 angestiegen“, streicht Stephan die hohe Resonanz auf das modernisierte Verfahren heraus. Neidhardt ergänzt: „Was wir im Bereich Auto und Verkehr als nächstes in den Blick nehmen wollen, sind Baustellen. Ein Thema das im Alltag vieler Menschen dauernd präsent ist“. Wenn ein Unternehmen wegen einer Baustelle und damit verbundenen Sperrung eine Anfrage stelle, gebe es zahlreiche Absprachen, die zwischen Landratsamt und jeweiliger Gemeinde getroffen werden müssten. Hier soll eine rein digitale, zeitsparende Routine her.

Streuobstwiesen-Portal

„In Sachen Naturschutz und Nachhaltigkeit liegen uns die Streuobstwiesen besonders am Herzen“, betont die Landwirtschafts-Dezernentin. Bislang habe es einmal im Jahr regelmäßig einen runden Tisch für alle Interessierten und Beteiligten gegeben, relativ neu ist die Streuobstwiesen-Börse. Den Zuständigen im Landratsamt schwebt aber noch mehr vor: Nämlich ein umfangreiches Portal, wo Streuobstwiesen-Besitzer und andere Naturfreunde Angebote und Anfragen einstellen können oder wo teure Geräte nach dem Prinzip „Leihen statt Kaufen“ gegenseitig zur Verfügung gestellt werden können. Die Plattform soll noch im Jahr 2019 online gehen.

Interne Abläufe bei Bauanträgen

Wer privat einen Bauantrag stellt, kann aktuell schon auf der Landratsamt-Homepage den Bearbeitungsstand einsehen. Optimiert werden sollen laut Hilde Neidhardt künftig vor allem die internen Abläufe. „So ein Antrag geht durch zahlreiche Abteilungen, weil verschiedene Aspekte geprüft werden müssen, von Wasserschutz über Lärmbelastung bis zur Erhaltung des Straßenbildes.“ Ein rein digitaler und damit zügiger Ablauf wird vom Amt anvisiert.

Übersicht im Pflege-Jungle

Auf der Seite www.pflegeboersen.de sind bereits aktuell freie Pflegeplätze in Pforzheim und dem Enzkreis im Netz einsehbar. Pflege sei jedoch darüber hinaus ein „schwieriges Thema, das für die Betroffenen häufig auch von Zeitknappheit geprägt ist“, so Service-Dezernent Stephan. Ein umfassendes Portal, das noch im laufenden Jahr entstehen soll, werde die Inanspruchnahme von Dienstleistungen weiter vereinfachen und die Rathäuser der Gemeinden und das Landratsamt enger miteinander vernetzen.

Mammutprojekt: der Homepage-Relaunch

Neben diesen „vielen Mosaiksteinchen des unglaublich komplexen Themas Digitalisierung“, wie es Miriam Meyer (Leiterin des Amtes für technische Dienste) bezeichnet, will sich das Landratsamt Enzkreis einem Mammut-Projekt stellen: dem eigenen Homepage-Auftritt. „Hier ist von der Struktur her noch zu vieles von Behördenseite her gedacht“, findet IT-Experte Böhmer. Um sich zurechtzufinden, sei bei bestimmten Anliegen durchaus etwas Vorerfahrung notwendig. Die Vision von Landrat Rosenau ist hingegen ein intuitiv nutzbares Portal, „ähnlich wie Google“, das den Bürger nach Eingabe seiner Anfrage quasi selbstständig zur richtigen Informationsquelle, einem Formular oder dem geeigneten Ansprechpartner leitet. Sein Credo: „Wir wollen nicht nur, was wir haben, digitalisieren, sondern durch die Vernetzung einen Mehrwert schaffen.“ Wann genau im laufenden Jahr der Relaunch der Homepage erfolgt, steht laut Verantwortlichen noch nicht genau fest. Ältere oder schlicht wenig medienaffine Bürger müssten sich übrigens keine Sorgen machen: Die nicht-digitalen Bearbeitungswege bleiben als „analoge“ Option weiterhin bestehen. „Das ist auch ein Teil des Konzeptes, vom Nutzer und seinen Bedürfnissen her zu denken“, betont Landrat Rosenau.

https://www.enzkreis.de/Serviceportal/Online-Service
https://www.enzkreis.de/Serviceportal/Die-Enzkreis-App