Wer wird im Frühjahr Chef im Landratsamt? Das entscheiden die Kreisräte bei der Wahl am kommenden Donnerstag.
Es wird eine enge Wahl im Landratsamt in Pforzheim. | Foto: PK/ Archiv

Landrat-Nachfolger gesucht

Die Spannung steigt im Enzkreis: Wer macht das Rennen?

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Wer macht das Rennen: Bastian Rosenau oder Björn-Christian Kleih? Das ist bei der Landratswahl am kommenden Donnerstag im Enzkreis die Frage. Einig sind sich die Fraktionen im Kreistag, dass beide – sowohl der Engelsbrander Bürgermeister als auch der Vize-Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises – qualifizierte Kandidaten sind. 28 von 54 Stimmen braucht der Sieger im ersten Wahlgang.

CDU-Fraktion

„Es ist ein offenes Rennen, aber man sollte nicht zu viel spekulieren“, sagt Günter Bächle, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag. Die 15 Mitglieder hätten ohne förmliche Abstimmung festgelegt, dass sie den CDU-Kandidaten Kleih unterstützen. Gespräche hätten mit beiden Bewerbern stattgefunden und beide seien qualifiziert, sagt Bächle, der davon ausgeht, dass die Entscheidung über den Nachfolger von Karl Röckinger schon im ersten Wahlgang fällt. Falls Bastian Rosenau gewinnt, könne er „mit unserer Zusammenarbeit rechnen“, so Bächle weiter. Die Stimmung im Gremium sei gut, es herrsche eine vertrauensvolle Atmosphäre.

Günter Bächle
Günter Bächle, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag | Foto: PK/Archiv

SPD-Fraktion

Auch die SPD-Fraktion hat bei ihrer Versammlung einen Entschluss gefasst, „wie wir uns verhalten“, sagt Fraktionsvorsitzender Hans Vester. Für wen die Sozialdemokraten stimmen, wolle Vester allerdings nicht verraten. Die Fraktion habe intensiv diskutiert und sei kontroverser Meinung gewesen, habe sich dann aber auf einen Kandidaten geeinigt. Auch er selbst sei „zerrissen“ gewesen, gesteht Vester, aber: „Wir haben zwei gute Kandidaten, beide sind wählbar“, so der Straubenhardter. Ein Fraktionszwang bestehe nicht. Allerdings wolle die SPD ihre elf Stimmen in einen Pool werfen – so würden sie zum Zünglein an der Waage und die Entscheidung für den ein oder anderen Kandidaten herbeiführen. Vester, der zum vierten Mal einen Landrat mitwählt, bemängelt das Wahlsystem und findet, dass der Kreischef wie in manchen anderen Bundesländern von der Bevölkerung gewählt werden sollte. Und: Manche Bürgermeister hält Vester für „futterneidisch“. Der erfahrende Kommunalpolitiker glaubt – mit Blick auf die vielen Bürgermeister im Kreistag – nicht, dass ein Schultes einen anderen Schultes zum Landrat wählen würde.

Hans Vester
Hans Vester, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag | Foto: PK/Archiv

Fraktion der Freien Wähler

Eine klare Aussage macht Bastian Rosenaus Fraktionskollege Werner Henle: „Ich hoffe und wünsche mir, dass Engelsbrand im nächsten Frühjahr einen neuen Bürgermeister wählen muss.“ Dass der 37-jährige Engelsbrander Rathauschef Rosenau die Kommunalpolitik gut kennt, sei ein Vorteil. Dass der ein oder andere Bürgermeister im Kreistag Rosenau das Amt nicht gönnt, könne schon sein, aber das sei eher die Ausnahmen, so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Rosenau genieße jedenfalls die volle Unterstützung der mit 17 Mitgliedern stärksten Fraktion und ist aus Henles Sicht ein Kandidat, mit dem auch die anderen Fraktionen im Kreistag gut leben könnten. Eine Entscheidung im ersten Wahlgang hält Henle für wahrscheinlich.

Werner Henle
Werner Henle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag | Foto: PK/Archiv

Grünen-Fraktion

Das „Riesenthema“ Haushalt beschäftigt so kurz vor der Landratswahl die Grünen-Fraktion. Das sei im Moment vorrangig, sagt Fraktionschefin Elisabeth Vogt. „Der Landrat hat einen Bock geschossen“, so Vogt. Das Beispiel um die Dienstwagen-Misstöne (der Pforzheimer Kurier berichtete) habe gezeigt, dass es mehr als nötig sei, mit Maß auf die Dinge zu schauen. Beide Kandidaten hätten auf Vogt einen sehr guten Eindruck gemacht. Wichtig für die Grünen: Ein „Blick von außen“ werde gewünscht, was bei Rosenau und Kleih gegeben sei. Es gebe zwar keinen Fraktionszwang unter den sieben Kreisräten, parteipolitische Fragen spielten dennoch eine Rolle, räumt Vogt ein, deren Fraktion sich einen „anderen politische Stil“ wünsche. „Wir fordern einen maßvollen Umgang mit den Finanzen und keine neuen Schulden.“

Elisabeth Vogt
Elisabeth Vogt, Fraktionschefin der Grünen im Kreistag | Foto: PK/Archiv

FDP-Fraktion

Auch bei der FDP ist laut Fraktionschef Erik Schweickert das vorherrschende Gesprächsthema die Verabschiedung des Kreishaushalts, was im Vorfeld „viele Ressourcen“ koste. Erst nach der Etat-Sitzung am 11. Dezember wollen sich die fünf FDP-Kreisräte zusammensetzen und sich entscheiden, für wen sie stimmen. Beide Bewerber habe man sich angeschaut, „wir halten beide für geeignet“. Grundsätzlich gelte: „Wir wollen keinen Landrat, der alles durchwinkt, was vom Regierungspräsidium kommt“, betont Schweickert. „Wir legen Wert darauf, dass das Landratsamt die Entscheidungsfreiräume, die es hat, auch im Sinne der Bürger nutzt.“ Schweickert geht davon aus, dass es bei der Wahl ein knappes Ergebnis geben wird. Ein möglicher Gleichstand im ersten Wahlgang hält der Liberale für unwahrscheinlich.

Erik Schweickert
Erik Schweickert, Fraktionschef der FDP im Kreistag | Foto: PK/Archiv