EINER KAM DURCH: Im Wahlkreis Pforzheim ist Hans-Ulrich Rülke – hier bei der Arbeit im Stuttgarter Plenarsaal – bislang der einzige offizielle Landtagskandidat. Sein FDP-Kreisverband nominierte den langjährigen Fraktionschef bereits am 5. März und somit vor dem Corona-Shotdown. Die anderen Pforzheimer Parteien wollen bald nachziehen. | Foto: str

Nominierungen beginnen

Landtagswahl 2021: Bewerber in Pforzheim erwartet ein hitziger Sommer

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Welche Politiker vertreten Pforzheim und den Enzkreis künftig in Stuttgart? Das Hauen und Stechen um die Bewerberplätze für die Landtagswahl 2021 hat wegen der Corona-Krise mit Verzögerung begonnen. Die Parteien erwartet nun ein hitziger Nominierungs-Sommer.

Eine jüngste Forsa-Umfrage sieht die FDP zwar bundesweit nur noch bei fünf Prozent, aber in der Region haben die Liberalen bei einem Punkt die Nase vorn: Als einzige Partei hat die FDP in Pforzheim und im Enzkreis schon ihre Kandidaten für die Landtagswahl in knapp zehn Monaten am 14. März 2021 nominiert.

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Die Gelben setzen dabei auf die erfahrenen Kräfte Hans-Ulrich Rülke im Wahlkreis Pforzheim, zugleich Spitzenkandidat im Land, und Erik Schweickert für den Wahlkreis Enz. Insofern können die Liberalen entspannt die Konkurrenz beobachten, der ein hitziger Sommer bevorsteht.

CDU Pforzheim: Sarow gegen Dörflinger

Mitten drin ist man längst bei der CDU, wo in Philippe Singer immerhin im März der Herausforderer für die Enzkreis-Mandatsträgerin Stefanie Seemann (Grüne) gekürt wurde.
Was die prestigeträchtige Nachfolge von Stefan Mappus im Wahlkreis Pforzheim anbelangt, ist sich die Christenpartei noch uneins.

Zur Auswahl stehen bislang der 46-jährige Unternehmer und Aktionskünstler Andreas Sarow und der halb so alte Internet-Start-Upper und Philipp Dörflinger. Beide sind sie seit ein paar Monaten Stadträte in Pforzheim und beide wollen sie das Landtagsmandat für Pforzheim wieder für die CDU gewinnen, was zuletzt im Jahr 2011 dem damaligen Ministerpräsidenten gelang.

Gute Chancen: Stadtrat Philipp Dörflinger kann sich gute Chancen im parteiinternen Wettbewerb um die Landtagskandidatur in Pforzheim machen

Die Nominierung per Mitgliederentscheid wurde krisenbedingt von Ende März auf den 19. Juni verschoben. Nachdem die Umfrageergebnisse für die CDU zuletzt wieder anzogen, wittert man auch in Pforzheim Morgenluft und fragt sich, wer die besten Chancen hat, das Direktmandat wieder zu erobern.

Kritik an Kandidat: Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal?

Bewährte Landespolitiker wie die FDP hat die CDU derzeit nicht zu bieten. Intern werden Vor- und Nachteile des Tableaus abgewogen: Sarow hat als Künstler hohe Bekanntheitswert, verschreckt aber zuweilen das Stammklientel mit Schnell- und Querschüssen, zuletzt zum Thema Graffiti/Street-Art. Sarow ironisiert und polarisiert: „Ich bin eben ein Erz-Kreativer.“ Konkurrent Dörflinger gilt als gewiefter Parteimensch und pfiffiger Wahlkämpfer.

Kritiker bemängeln Dörflingers überschaubare Berufserfahrung („Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“). Dennoch dürften die Chancen des Parteinetzwerkers besser stehen, weil bei einer Mitgliederwahl die Mobilisierung entscheidend ist.

Quereinsteiger Hück mobilisiert bei SPD

Dass man auch als Quereinsteiger mobilisieren kann, zeigt Uwe Hück bei der SPD. Der boxende Stadtrat hatte sich zwar bereits als Herausforderer von Katja Mast für die Bundestagskandidatur im Herbst 2021 in Stellung gebracht.

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Eine Tür hält sich Hück aber noch offen: Am 26. September will die SPD Pforzheim fürs Land nominieren, bislang einzige Interessentin ist Stadträtin Annkathrin Wulff. Sollte es vorher ein Mitgliedervotum geben, das Hück in Stuttgart statt in Berlin sieht, werde er sich der Partei beugen, signalisiert Hück.

Grüne: Kilic gegen Herkens

Bei der grünen Regierungspartei will man im Wahlkreis Pforzheim „Ende Juli, Anfang August“ nominieren. Aspiranten sind Lokalmatador Felix Herkens, 24-jähriger Fraktionschef der Pforzheimer Bündnisgrünen, sowie Ex-Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwalt Memet Kilic (53) aus Heidelberg.

AfD: Wackelt Gögels Kandidatur?

Die AfD, bei der Wahl 2016 die erfolgreichste Partei in Pforzheim, will im September nominieren. Bernd Grimmer, 70-jähriger Inhaber des Direktmandats, will ebenso wieder antreten wie sein Enzkreis-Kollege Bernd Gögel, der AfD-Fraktionschef im Landtag.

Bei dem gebürtigen Nieferner dürfte es mit der Nominierung allerdings schwierig werden, hört man. Als gemäßigt auftretender Parteioberer habe sich Gögel zu viele Feinde in der Rechtspartei gemacht.