Gut aufgestellt sieht der neue Kreisbrandmeister Carsten Sorg die Feuerwehren im Enzkreis. Die Zusammenschlüsse der Wehren – wie in Straubenhardt und Engelsbrand – hält er für den richtigen Schritt, um künftig schlagkräftig zu bleiben. Foto: Wacker

Lange Vakanz endet

Enzkreis hat wieder einen Feuerwehr-Kreisbrandmeister

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Sein neues Büro im Landratsamt ist frisch gestrichen und wird bis 17. Februar neu möbliert. Dann tritt Carsten Sorg sein Amt als neuer Kreisbrandmeister an. Damit endet eine lange Vakanz im Enzkreis.

Als der gebürtige Pforzheimer im Herbst 2017 als Kreisbrandmeister in den Landkreis Konstanz zog, ging er davon aus, dass er langfristig am Bodensee bleiben würde. Aber seine Familie habe es wieder nach Hause gezogen, da traf es sich gut, dass die Stelle des Kreisbrandmeisters im Enzkreis neu ausgeschrieben wurde, erzählt Sorg, der mit Frau und drei Kindern inzwischen wieder in Huchenfeld lebt.

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Kreistag wählt Sorg zum neuen Kreisbrandmeister

Im vergangenen November wählte der Kreistag wie berichtet Sorg zum neuen Kreisbrandmeister. Damit endete eine mehr als einjährige Vakanz, denn nachdem der bisherige Kreisbrandmeister Christian Spielvogel ein Jahr lang krank geschrieben war, wurde er im Sommer 2019 offiziell in den Vorruhestand versetzt.

Sorg will Präsenz vor Ort zeigen

In den kommenden Monaten will Sorg viel Präsenz im Enzkreis zeigen, um sich Feuerwehren und Organisationen vorzustellen. Die Wehren im Kreis seien, was ihre Fahrzeuge angeht, gut aufgestellt. Um schlagkräftig zu bleiben, schließen sich – etwa in Straubenhardt und Engelsbrand – die Wehren zusammen.

Für den neuen Kreisbrandmeister ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Stichwort: Synergieeffekt. Die Personalverfügbarkeit sei ein wichtiges Thema. Kommunen müssten die Wehren verwaltungstechnisch und bei der Ausstattung unterstützen, findet Sorg. Zudem stehe die Wartung von Geräten an – „Das Ehrenamt stößt da leicht an seine Grenzen“, weiß der Feuerwehrbeamte.

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Wehren im Kreis gut aufgestellt

Als Schwerpunktthema seiner Arbeit im Enzkreis nennt Sorg die Alarm- und Ausrückeordnung, die beschreibt, zu welchen Einsätzen die Feuerwehr mit welchem Personal und wie viel Fahrzeugen losfährt. Außerdem müsse der Führungsstab weiter ausgebaut werden. Als Herausforderung sieht Sorg die Verfügbarkeit von Personal. Die Feuerwehr müsse eine attraktive Ausbildung bieten und Führungskräfte weiterbilden – etwa bei der Elektromobilität.

Genug Nachwuchs in den Jugendwehren

Nachwuchs sei durch die Jugendfeuerwehren da; der 45-Jährige wünscht sich, dass mehr Frauen für die Arbeit bei der Feuerwehr gewonnen werden, „weil sie eine andere Sichtweise auf die Arbeit mitbringen“. Potenzial sieht Sorg auch bei den Migranten, die als Mitglieder rekrutiert werden könnten – Voraussetzung sei allerdings, dass sie Deutsch sprechen.

Überstunden sind normal

Grundsätzlich sei die Aufgabe des Kreisbrandmeisters, die Leistungsfähigkeit der Feuerwehren im Enzkreis zu überwachen. „Ich will ein verlässlicher Ansprechpartner sein und den Wehren auf Augenhöhe begegnen“, kündigt Sorg an. Der Job sei bei Einsätzen oft psychisch fordernd, aber auch zeitlich sehr aufwendig – „Überstunden sind normal“, verdeutlicht der Kreisbrandmeister, der in seiner Freizeit gern wandert und mit dem Mountainbike unterwegs ist.

Spagat zwischen Privatleben und Präsenz vor Ort

Nach dem Tagesgeschäft spiele sich die Arbeit mit den Ehrenamtlichen oft abends und am Wochenende ab – unter anderem bei Versammlungen oder Übungen. Hinzu kommt die Rufbereitschaft, die er sich mit drei Stellvertretern teilt. Bei einem nächtlichen Großbrand werde schon erwartet, dass der Kreisbrandmeister vor Ort ist, so Sorg. „Viel hängt davon ab, welchen Anspruch man an sich selbst hat“, sagt der Huchenfelder über seine Arbeit. Es sei ein ständiges Spagat zwischen dem Privatleben und der notwendigen Präsenz vor Ort.

Carsten Sorg (45) wurde in Pforzheim geboren und ist in Huchenfeld aufgewachsen. Er hat in den vergangenen 20 Jahren viel Erfahrung im Feuerwehrwesen gesammelt. Nach der Ausbildung zum Beamten im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst bei der Stadt Pforzheim und vier Jahren als Sachbearbeiter beim Landratsamt Enzkreis wechselte er 1997 zur Branddirektion Stuttgart, wo er nach einer weiteren Ausbildung zum Beamten im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst im Einsatzdienst auf verschiedenen Feuerwachen tätig war. 2010 absolvierte er noch eine Ausbildung im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst und wurde schließlich Wachabteilungsführer und Einsatzleiter in Stuttgart. Bis März 2017 war Sorg zudem stellvertretender Abteilungskommandant einer freiwilligen Feuerwehr und Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands Pforzheim, ehe er im Herbst 2017 als Kreisbrandmeister und Leiter des Referats Brand- und Katastrophenschutz zum Landkreis Konstanz wechselte. Am 5. November 2019 wählte ihn der Kreistag im Enzkreis zum neuen Kreisbrandmeister. Sein erster Arbeitstag ist der 17. Februar 2020.