Sitzen an einem Tisch: Klaus Denzinger vom Bundesverband Kompaktleitung (von links), Heiko Lünser vom Umweltministerium, Hans-Ulrich Rülke, Katja Mast, Gunther Krichbaum, Heiko Faber und Gert Hager. Foto: Roller

Stromleitung im Enzkreis

Lösung mit Signalwirkung

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Von Nico Roller

Es ist weit mehr als eine kleine Sensation, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum im Sitzungssaal des Kieselbronner Rathauses verkündet: Die geplante Hochspannungsleitung zwischen Birkenfeld und Ötisheim wird fast zur Hälfte auf kompakten Vollwandmasten verlaufen. Außerdem wird der Verlauf der Trasse so geändert, dass das Pforzheimer Gewerbegebiet „Obsthof 1“ nicht mehr von der Leitung überspannt wird.

Wegweisendes Pilotprojekt

„Wir sind damit einen deutlichen Schritt vorangekommen“, so Krichbaum, der im Hinblick auf die Vollwandmasten von einem wegweisenden Pilotprojekt spricht, das in dieser Form noch nicht realisiert worden sei. Die Vollwandmasten sind rund zehn Meter niedriger als die sonst üblichen Stahlgittermasten und in ihrem Durchmesser fünf Meter schmaler. Insgesamt sollen 14 davon in einer durchgängigen Strecke im Bereich von Pforzheim-Eutingen und Kieselbronn errichtet werden.

14 Masten werden errichtet

Die ersten sieben Masten auf der Gemarkung Pforzheim-Eutingen entlang der Autobahn 8 werden dabei nur eine 380-Kilovolt-Leitung tragen, während die übrigen sieben Masten im Bereich Kieselbronn zusätzlich eine 110-Kilovolt-Leitung der Deutschen Bahn mitführen. So etwas sei vorher noch nie gemacht worden, sagt Nikolaus Sauer, Projektsprecher beim zuständigen Netzbetreiber Transnet BW.

Sorgen der Bürger sollen beachtet werden

Seinem Unternehmen sei es wichtig gewesen, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen und in einen offenen Dialog einzutreten. Man habe den Einsatz der Vollwandmasten intensiv auf technische Machbarkeit und Genehmigungsfähigkeit geprüft. „Das war sehr aufwendig und hat fast ein Jahr gedauert.“ Alle 30 Masten der geplanten Hochspannungsleitung zwischen Birkenfeld und Ötisheim als Vollwand-Variante zu bauen, sei aber nicht möglich, so Sauer. Das liege vor allem am deutlich höheren Aufwand bei Aufbau und Transport, der mit dem von Windrädern vergleichbar sei. Aber auch an den Stellen, wo nach wie vor die herkömmlichen Stahlgittermasten errichtet werden sollen, verspricht das Versorgungsunternehmen gestern eine deutliche Verbesserung: Die Gittermasten sollen dort nämlich im Hinblick auf Höhe, Kompaktheit und Flächenverbrauch optimiert werden.

Bauarbeiten könnten Mitte 2018 beginnen

Die Inbetriebnahme der neuen Stromleitung ist für das Jahr 2019 geplant. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres wolle man die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren einreichen, erklärt Sauer. Wenn dort alles gut laufe, könne man Mitte 2018 mit den Bauarbeiten beginnen. „Es hat zwar etwas gedauert, aber gut Ding will eben Weile haben“, meint Kieselbronns Bürgermeister Heiko Faber zufrieden. Ihm war es wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Etliche Stunden haben Vertreter der Gemeinde Kieselbronn, des Gemeindetags, des Landratsamtes, Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager, Bundes- und Landtagsabgeordnete, Mitarbeiter der Bahn, des Umweltministeriums und von Transnet BW gestern Vormittag im Sitzungssaal des Kieselbronner Rathauses diskutiert. Dabei habe man viel über Stromtrassen gelernt und sei „substanziell für die Region vorangekommen“, wie SPD-Bundestagsmitglied Katja Mast befindet.

Bürgermeister OB mit Ergebnis zufrieden

Von einer „Lösung mit Signalwirkung“ spricht auch Lothar Beckler vom Bundesverband Kompaktleitung. Sein Verein hatte im September bei einer Bürgerversammlung über die Vorteile von Kompaktmasten informiert. Ebenfalls mit dem Ergebnis zufrieden zeigte sich Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager: „Was erreicht wurde, ist aller Ehren wert.“ Allerdings bittet er darum, zu überprüfen, ob Vollwandmasten nicht auch in den Bereichen Pforzheims realisiert werden können, in denen die Leitung nah an Wohnbebauung verläuft.
Ähnliches hat der FDP/DVP-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Rülke zu sagen. Er lobt zwar, man sei durch den Dialog einen Schritt weitergekommen, fordert aber, auch in Pforzheim solle in der Nähe von Wohnbebauung der Vollwandmast errichtet werden. „Was für die Bürger in Kieselbronn gilt, muss auch für Pforzheim gelten.“