Die metallverarbeitende Industrie im Gewerbegebiet könnte für die Verunreinigungen verantwortlich sein. Zu diesem Schluss kommt die Masterarbeit, die Rolf Engelmann (links) und Rainer Botz von der Bürgerinitiative in den Händen halten. | Foto: rol

Grenzwerte überschritten

Luft in Königsbach mit Schwermetall belastet

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An einigen Stellen in Königsbach im Enzkreis sind die gesetzlichen Grenzwerte für Schwermetalle in der Luft in der Vergangenheit zum Teil deutlich überschritten worden – das hat nun ein Wissenschaftler nachgewiesen. Aber woher kommen die Schadstoffe?

Von unserem Mitarbeiter Nico Roller

An einigen Stellen in der Enzkreis-Gemeinde Königsbach sind die gesetzlichen Grenzwerte für Schwermetalle in der Luft in der Vergangenheit zum Teil deutlich überschritten worden. Zu diesem Schluss kommt Marc Andre Leidich in seiner Masterarbeit, die er im Dezember vorigen Jahres an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen vorgelegt hat.

Insgesamt analysierte der Wissenschaftler zwölf Messpunkte, verteilt auf den gesamten Ortsteil Königsbach. 90 Tage, von Ende April bis Ende Juli, standen die Vorrichtungen – und zwar so, dass damit alle relevanten Bereiche abgedeckt werden konnten. Der Fokus von Leidichs Masterarbeit bestand im Vergleich zweier Messverfahren zur Feststellung von Schwermetallkonzentrationen in der Atemluft. Gleichzeitig zeigen die dabei gewonnenen Ergebnisse: An einigen Messpunkten sind gesetzliche Grenzwerte teilweise deutlich überschritten worden.

Nickel und Chromverbindungen

Etwa der für Nickel. Ein Metall, das in vielen Verbindungen als gesundheitsschädlich gilt. An fünf der zwölf Messpunkten wurde der gesetzliche Grenzwert von rund 15 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag überschritten, an einem sogar um das Zwanzigfache.

Was ist Nickel? Nickel ist ein silbernfarbenes Schwermetall. Im Periodensystem hat es die Abkürzung Ni. Kontaktallergien gegen Nickel sind bei Menschen relativ häufig. Nickel wird vor allem für Legierungen verwendet, beispielsweise bei Stahl.

Mikrogramm? Mikrogramm sind eine kleine Gewichtseinheit – 1.000 Mikrogramm entsprechen einem Milligramm. 1.000 Milligramm wiederum entsprechen einem Kilogramm.

Gesundheitsschädliche Wirkungen haben auch viele Chromverbindungen. In Ermangelung eines gesetzlichen Grenzwerts für den Staubniederschlag legte Leidich bei Chrom den Beurteilungswert der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung zugrunde – ein im Wissenschaftsbetrieb übliches Verfahren. Dieser liegt bei rund 82 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag. An einem Punkt wurden 565 Mikrogramm gemessen, eine Überschreitung um das Siebenfache. Stellt sich die Frage: Woher kommen die Schadstoffe?

Was ist Chrom? Chrom zählt zur chemischen Gruppe der Übergangsmetall. Es wird vor allem für Legierungen und – der Name macht es deutlich – bei Verchromungen genutzt. In der Chemie dient Chrom auch als Katalysator.

Ist Industrie der Auslöser?

Naheliegend sei eine Herkunft der in der Luft befindlichen Schwermetalle aus der ortsansässigen, metallverarbeitenden Industrie, sagt Leidich. Aber er stellt auch klar: Einzelne Betriebe direkt verantwortlich zu machen, sei nicht möglich. Und er weist darauf hin, dass auch andere Quellen für Schwermetallkonzentrationen in der Luft verantwortlich sein könnten. Leidichs Messungen erfolgten zwar nach wissenschaftlichen Standards und den Vorschriften entsprechend, aber der Messzeitraum war zu kurz, um daraus juristisch verwertbare Fakten ermitteln zu können. Dazu sei eine einjährige Messung notwendig, erläutert Leidich.

BIKS will weiterführende Messungen

Genau darauf will die Bürgerinitiative Königsbach-Stein (BIKS) nun bei Regierungspräsidium und Landratsamt hinwirken. Man wolle auf die Auffälligkeiten aufmerksam machen und sich für Kontrollen einsetzen – mit dem Ziel, „dass Grenzwerte und Auflagen eingehalten werden“, sagt Vorsitzender Rainer Botz. Und sein Stellvertreter Rolf Engelmann ergänzt: „Wir setzen uns für ein lebenswertes Königsbach-Stein ein. Und dazu gehört nun einmal auch eine saubere Luft.“