Nach dem Umbruch als einer von nur sechs Spielern im CfR-Kader verblieben ist Dominik Salz (links), hier im Zweikampf mit Ilshofens Torhüter Jonas Wieszt.
Nach dem Umbruch als einer von nur sechs Spielern im CfR-Kader verblieben ist Dominik Salz (links), hier im Zweikampf mit Ilshofens Torhüter Jonas Wieszt. | Foto: Waidelich

1. CfR Pforzheim nimmt erneut Stellung zu Vorwürfen

Lushtaku kündigt Vertrag beim CfR

Anzeige

In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben Fußball-Oberligist 1. CfR Pforzheim und dessen Spieler Kushtrim Lushtaku erneut Stellung zu den Vorfällen am vergangenen Samstag bei der Partie gegen den TSV Ilshofen bezogen.

Demnach hält der Verein „nach interner rechtlicher Überprüfung an seiner Tatsachenschilderung aus der Pressemitteilung vom 7. Oktober nicht fest“. Man wolle der Arbeit von Sportgericht und staatlichen Behörden nicht vorgreifen, heißt es weiter. Der CfR habe nicht die Mittel, um den Verlauf der Geschehnisse mit der notwendigen Sicherheit aufzuklären.

Schriftliche Entschuldigung

Lushtaku habe inzwischen beim Verein, den Verantwortlichen und bei Trainer Gökhan Gökce schriftlich um Entschuldigung gebeten. Zudem kündigte der 29-Jährige aus dem Kosovo seinen Vertrag fristlos, was der Verein akzeptierte.

Alarmzeichen nicht erkannt? Analyse: CfR muss um die Einheit kämpfen

Es ist eine deutliche Bildersprache, der sich der CfR-Vorsitzende Markus Geiser auf Facebook bedient. Er teilte dort eine nach eigenen Angaben zwei Jahre alte Serie aus drei Fotos von sich, den Kopf gesenkt in den Händen, die Frustration zum Greifen nahe. Überschrift: „… zwei Jahre her und nie passender“.

Eine Woche nach dem mutmaßlichen Angriff von Kushtrim Lushtaku gegen Gökhan Gökce, Trainer von Fußball-Oberligist 1. CfR Pforzheim, muss sich auch die CfR-Führungsebene Fragen gefallen lassen. Wie passt eine solche Eskalation zu fast schon schwärmerischen Aussagen über die aktuelle Mannschaft? Wieviel Anteil hat die Transferpolitik am Eklat?

Nur sechs Spieler schon 2016 beim CfR dabei

Vor zwei Jahren, als Geisers Bilder entstanden, waren nur sechs Spieler aus dem aktuellen Kader schon dabei: Dominik und Manuel Salz, Joao Tardelli, Denis Gudzevic, Laurin Masurica sowie Serach von Nordheim. Mit Trainer Teo Rus erzielte man einen soliden achten Tabellenplatz. Das ist nicht so glamourös wie ein 0:1 gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal. Aber es ist besser als ein elfter Platz in dieser Saison oder ein 13. in der davor. Heute kämpft Rus übrigens in Reutlingen mit Ex-CfRlern wie Tim Schwaiger und Ruben Reisig um den Aufstieg in die Regionalliga.

Es im Nachhinein besser zu wissen, sei natürlich immer leicht – das sagte Sportvorstand Torsten Heinemann nach dem Eklat am Samstag dem Kurier auf die Frage, ob der Lushtaku-Transfer ein Fehler war. Und doch stellt sich die Frage, woher diese Diskrepanz zwischen Schwärmerei und der Realität vom Samstag gegen Ilshofen kommt.

Umbrüche unter Herceg – und unter Gökce

Rückblick: Der Kader hat einiges an Umbrüchen hinter sich. Der erste kam während der kurzlebigen Trainerkarriere von Adis Herceg. Der zweite kam im Laufe der folgenden Chaossaison, teils auch unter Gökce. Spieler wie Sidy Niang oder Arnub Jusufi blieben nur wenige Wochen. Die Erwähnung des Wortes „Koblenz“ reicht im CfR-Umfeld schon, um wüstes Gezeter über die Transferpolitik auszulösen – wobei unter den sechs TuS-Koblenz-Spielern auch die Stammspieler Akiyoshi Saito und Abwehrchef Julian Grupp sind. Nico Charrier allerdings, als Heilsbringer gefeiert, packte im Winter seine Sachen und kämpft jetzt in Spielberg gegen den Abstieg. Weitere Neuzugänge gingen nach einem Jahr wie Toni Suddoth oder Anthony Coppola. Und Leistungsträger wie Reisig verließen den Verein zu allem Überfluss auch noch.

Lushtaku stellt Gökces Autorität beim CfR infrage

Die Herausforderungen waren also im Sommer groß, aus dem Resthaufen und den erneuten Zugängen eine Einheit zu formen. In diese Zeit fällt ein Vorfall mit Kushtrim Lushtaku, der die Autorität von Trainer Gökce infrage stellte – wie er selbst gegenüber dem Kurier zugab. Damals habe man ihn gewarnt, der nächste Vorfall führe zur Vertragsauflösung. Heinemann und Co-Trainer Fatih Ceylan äußerten „Verständnis“ für Unmut von Spielern, die nicht aufgestellt werden, wenngleich Kushtrim so weit nicht hätte gehen dürfen. Klar ist aber auch: Solche Konflikte werden nicht im luftleeren Raum ausgetragen, auch die anderen Reservisten dürften gesehen haben, dass die Autorität des Trainers infrage gestellt wurde. Lushtakus sichtbare Strafe damals: Ein Abendessen mit der Mannschaft auf seine Kosten.

Nach den Sommertransfers verkündete dann Heinemann, was für eine „geile Truppe“ die aktuelle Mannschaft sei, dass man endlich zur Qualität auch die richtigen Charaktere dabei habe. Das wiederholte er auch noch am Montag, nach der Lushtaku-Affäre. Diese Qualitäten brachte allerdings auch Kreshnik Lushtaku mit. Nun sitzt der Linksaußen zwischen den Stühlen – ein Verbleib Kreshniks beim CfR wäre nach der Vertragsauflösung mit dessen Bruder eine Überraschung.

Neuzugänge mit Licht und Schatten

Die Neuzugänge in dieser Saison sind ebenfalls eine illustre Runde. Da wäre der singende Kicker Stanley Ratifo, der zwischen Länderspielen für Mosambik und Promotion seiner Songs Zeit für den CfR finden muss. Da wäre Überraschungsgast Hakan Aslantas aus der türkischen Ersten Liga – der sich hier erst einmal fit hält. Da wäre aber auch Johnathan Zinram, Mitauslöser des Lushtaku-Konflikts. Der tadelte Kreshnik nach dessen verschossenem Elfmeter. „Das hat er nicht zu machen“, sagte Heinemann dazu. Und Ceylan erklärte, er habe in der Halbzeitansprache – in Unkenntnis des Vorfalls um Trainer Gökce – der Mannschaft noch einmal zu erklären versucht, dass man sich aufbauen müsse statt sich niederzumachen. Das ist auch deshalb beachtlich, weil man nur wenige Tage zuvor noch ein respektables 0:1 gegen Waldhof Mannheim im Pokal erreichte.

Gökce: „Bleibe wie ich bin“

Wie die Stimmung so schnell kippen kann – die Frage muss sich auch Gökhan Gökce stellen. Der erklärte knapp auf die Frage, ob er sich als Trainer verändern werde: „Ich bleibe wie ich bin. Ich habe keine Fehler gemacht.“

Es sind übrigens nicht alle Transfers fragwürdig. Am besten eingeschlagen hat Innenverteidiger Bogdan Cristescu. Der erzielte drei Tore für die drittschlechteste Offensive der Liga. Cristescu kam nicht aus der Regionalliga, sondern vom ASV Durlach. Verbandsliga.