Seit dem Auftreten von Uwe Hück auf der politischen Bühne in Pforzheim vor rund einem Jahr wird immer wieder kolportiert, der lautstarke Ex-Porsche-Mann wolle Katja Mast das Mandat streitig machen. | Foto: str

Hück vs. Mast

Machtkampf in der SPD um Bundestagskandidatur Pforzheim/Enz spitzt sich zu

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Der Vorstoß aus dem Enzkreis kommt überraschend. Per Pressemitteilung und flankierenden Anruf erfährt Pforzheims SPD-Kreischef Christoph Mährlein am Donnerstagmorgen von seinem Enzkreis-Pendant Paul Renner, dass die Landkreis-Genossen eine womöglich entscheidende Änderung beim Nominierungsprozedere für Bundestagswahl anstreben.

Der Vorstand der SPD-Enzkreis habe beschlossen, teilt Renner seinem verdutzten Kollegen mit, der nächste Bundestagskandidat für den gemeinsamen Wahlkreis möge von Delegierten erkoren werden – und nicht wie 2013 und 2017 von einer mitgliederoffenen Versammlung. „Die Art der Kommunikation muss ich als unfreundlichen Akt interpretieren“, tadelt Mährlein in einer ersten Reaktion.

„Ich hoffe mal, dass hinter der Sache keine personaltaktischen Beweggründe stecken“, so der Pforzheimer Obergenosse auf Anfrage dieser Redaktion. Sein Kollege Paul Renner beteuert hierzu auf Nachfrage, das sei nicht der Fall. Jedenfalls nicht direkt. Im Enzkreis sei man es leid, dass der mehr oder weniger öffentlich ausgetragene Wirbel um „Mast gegen Hück“ die Sacharbeit belaste. Deshalb strebe man eine schnelle Klärung der K-Frage an.

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Hintergrund: Seit dem Auftreten von Uwe Hück auf der politischen Bühne in Pforzheim vor rund einem Jahr wird immer wieder kolportiert, der lautstarke Ex-Porsche-Mann wolle Katja Mast das Mandat streitig machen, auch Hück-Vertrauter Mährlein hatte den Verdacht durch öffentliche Äußerungen genährt – und wurde dafür unter anderem von Katja Mast unmittelbar vor der letzten Kreisvorstandswahl vor Parteimitgliedern und Presse massiv gerüffelt.

„Auf der Sachebene ein Rückschritt“

Als Kreisvorsitzender gewählt wurde Mährlein aber trotzdem – wenn auch knapp. Das Votum fand, wie in Pforzheim üblich, in einer Mitgliederversammlung statt. Im Kreisverband Enz ist das Delegierten-Modell üblich. Im gemeinsamen Bundestagswahlkreis hatte man sich in den vergangenen Jahren auf die mitgliederoffene Wahl verständigt. Dass der Enzkreis davon Abstand nehmen will, sieht Mährlein „auf der Sachebene als Rückschritt“. Schließlich gehe der Trend bei Parteiabstimmungen zur Öffnung für Mitglieder, wie zuletzt bei der Wahl zu den neuen Bundesvorsitzenden.

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Für Renner wäre die angestrebte Rückkehr folgerichtig. Die erhoffte stärkere Beteiligung sei nicht immer eingetreten. „Das Delegiertensystem stärkt das Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl. Somit sind Mitgliederversammlungen kein politischer Mehrgewinn“, so Renner.
Mährlein will nun mit seinem Kreisvorstand über den Antrag aus dem Enzkreis beraten. Parteiangaben zufolge entscheidet der Landesvorstand, falls sich die beiden Kreisverbände nicht einig werden.