Wichtiger Impftermin: Die Folgen einer Masernerkrankung sind keineswegs klein. Das Impfrisiko ist erwiesenermaßen geringer als Folgeschäden, die durch eine Kinderkrankheit verursacht wurden. | Foto: dpa

Acht Fälle 2017 in Pforzheim

Masern sind auf dem Vormarsch

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Diese Meldung des Regierungspräsidiums Stuttgart lässt aufhorchen: Im Jahr 2017 wurden 62 Masernfälle in Baden-Württemberg registriert, im Jahr zuvor waren es noch 28. Die Zahlen haben sich also mehr als verdoppelt.

Landesweit höchste Fallzahlen in Pforzheim

Zudem gehört Pforzheim neben Rastatt und Baden-Baden landesweit zu den Meldekreisen mit den höchsten Fallzahlen. Dennoch ist die Goldstadt keine Hochburg von Impfverweigerern, wie Kurier-Recherchen ergaben.

Acht Masernfälle 2017 in der Goldstadt

„Im vergangenen Jahr hatten wir acht Masernfälle“, sagt Angelika Edwards, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Pforzheim. Darunter seien vier Kinder einer rumänischen Familie, die sich im Urlaub im Heimatland angesteckt hätten. Dort und im Ruhrgebiet gab es laut Pforzheimer Gesundheitsamt zu dieser Zeit einen Masernausbruch.

„Die anderen vier Fälle waren Einzelfälle“, meint Edwards. Zu diesen Masernerkrankungen zählen zwei Neugeborene zwischen sechs und acht Monate. „Diese Kinder konnten wegen ihres Alters noch nicht gegen Masern geimpft werden“, erklärt die stellvertretende Amtsleiterin.

Erste Impfung zwischen elf und vierzehn Monaten

Zur Prävention der Masern-Infektion empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine erste Impfung im Alter zwischen elf und vierzehn Monaten. Eine zweite Impfung sollte im Altersbereich 15 bis 23 Monate erfolgen.

Kinderkrankheiten können gravierende Folgen haben

Schließlich sind Masern, Mumps und Röteln Kinderkrankheiten, deren Folgen für die Betroffenen – auch Erwachsene – keineswegs „klein“ sind: lebenslange neuronale Schäden, Unfruchtbarkeit oder schwere Missbildungen des Fötus sind nur einige wenige der gravierenden Nachwirkungen. Manchmal folgt auf eine solche Krankheit sogar der Tod.

Erhebung unter Kindern zwischen vier und fünf Jahren

Lassen sich ausreichend viele Menschen impfen, kann die Ausbreitung dieser Krankheit verhindert werden. Dafür maßgebend ist der Impfquotient. In Pforzheim hatten 2015 laut Gesundheitsamt 94,1 Prozent aller Einschulungskinder zwischen vier und fünf Jahren die erste Masernimpfung. Zwei oder mehr Masernimpfungen hatten 87,6 Prozent der Kinder.

Ziel ist ein Impfquotient von 95 Prozent

Im Enzkreis waren 90,3 Prozent mit der ersten Masernimpfung eingeschult worden und 79,2 Prozent hatten dort zwei oder mehr Masernimpfungen. Für das Jahr 2016 wurden keine Daten ausgewertet. „Unser Ziel ist es einen Impfquotienten von 95 Prozent zu erreichen“, sagt Edwards.

Gesundheitsamt klärt auf

Wie viele Erwachsene gegen Masern geimpft worden sind, kann das Gesundheitsamt nicht sagen, da es keine Erhebung dazu gibt. „Deshalb versuchen wir so viele Menschen wie möglich aufzuklären“, meint Edwards. Als Grundlage dafür nehme das Gesundheitsamt die Vorgaben der Stiko.

Impfungen werden vergessen

Oftmals sei es aber auch so, dass die Impfung schlichtweg vergessen werden. „Es muss nur eine Krankheit zwischen erste und zweite Masernimpfung kommen und schon wird ein Nachholtermin versäumt“, erklärt die stellvertretende Gesundheitsamtleiterin. Auch bei Erwachsenen könne es so zu Versäumnissen kommen.

Der Trend zeigt nach oben

Außerdem ist laut Edwards die Sensibilität für die Krankheiten nicht mehr so gegeben wie früher. „Deshalb gibt es Schwankungen beim Impfquotienten. Der Trend zeigt nach oben“, so Edwards.

Flüchtlinge sind geimpft

Bei den Flüchtlingen in Pforzheim ist der Impfquotient „sehr, sehr gut“, sagt Sozialdezernentin Monika Müller. „Im Enzkreis und Pforzheim wurden alle Flüchtlinge geimpft.“