Verbesserungen auf der Residenzbahn will das Verkehrsministerium angehen, nachdem mit der Umstellung auf den neuen Fahrplan Go-Ahead und Abellio einen holprigen Start hingelegt haben und von vielen Pendlern kritisiert werden. Foto: Kollros

Ärger wegen Regionalzügen

Ministerium reagiert auf Pendler-Kritik

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Das Verkehrsministerium reagiert auf die Kritik von Pendlern an ausgefallenen oder verspäteten Regionalzügen zwischen Pforzheim und Mühlacker. Verbesserungen soll es geben. Doch Landtagsmitglied Erik Schweickert sammelt weiter Unterschriften.

Auf den Ärger von Fahrgästen mit verspäteten oder ausgefallenen Regionalzügen zwischen Karlsruhe und Stuttgart hat das Verkehrsministerium Baden-Württemberg reagiert. Wie berichtet, sammelt FDP-Landtagsmitglied Erik Schweickert Unterschriften von Pendlern und Fahrgästen, um zu erreichen, dass kleine Haltepunkte wie Niefern, Wilferdingen, Eutingen und Enzberg wieder besser angebunden werden.

Ministerialdirektor kann Unmut nachvollziehen

Den Unmut könne er schon nachvollziehen, räumt Ministerialdirektor Uwe Lahl im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier ein. „Mit der Fahrplanänderung wollten wir niemanden vergrätzen, sondern mehr Fahrgäste bekommen.“ Der Hintergrund sei, dass ein „schnelles ICE-Produkt“ im Halbstundentakt zwischen Karlsruhe und Stuttgart eingeführt worden sei. „Davon profitiert die große Masse der Pendler“, ist Lahl überzeugt.

Langsamere Züge wurden „geopfert“

Die steigende Nachfrage habe gezeigt, dass der IRE-Verkehr zwischen Karlsruhe, Durlach, Pforzheim, Mühlacker, Vaihingen und Stuttgart gestärkt werden musste. Zudem hätten Untersuchungen der Fahrgastzahlen 2014 ergeben, dass östlich von Pforzheim viel mehr Pendler nach Stuttgart als nach Karlsruhe fahren – daher ende der bisherige RE (heute: RB) in Pforzheim. Dabei seien andere, langsamere Züge „geopfert“ worden, „sonst wäre es auf der Trasse eng geworden“, so Lahl. Er räumt ein, dass Fahrgäste, die an den kleinen Haltepunkten ein- oder aussteigen, das Nachsehen hätten. Dennoch seien Niefern, Eutingen und Enzberg trotz des Verlustes der zweistündlichen Direktverbindung nach Karlsruhe nicht schlechter gestellt als bisher, so Lahl. Die drei Orte werden werktags halbstündlich bedient. Zudem komme man stündlich statt bisher zweistündlich umsteigefrei nach Stuttgart.

Konzept für „Verlierer des Fahrplans“

Dennoch sei es die Aufgabe des Landes, ein Konzept für die „Verlierer des neuen Fahrplans“ zu entwickeln, um für sie eine bessere Lösung anzubieten. Als Beispiel für eine Verbesserung nennt Lahl den Intercity 2368, der seit vergangener Woche am Morgen mit dem Nahverkehrsticket genutzt werden kann. Pendler hätten die Möglichkeit, von Enzberg (6.04 Uhr), Niefern (6.07) und Eutingen (6.09) mit Abellio nach Pforzheim zu fahren, wo sie um 6.13 Uhr ankommen und zehn Minuten später mit dem Intercity nach Karlsruhe weiterfahren können und um 6.45 Uhr ankommen. Dass man als Pendler in jedem Falle in Pforzheim 20 Minuten auf den Anschlusszug warten müsse, wie von vielen kritisiert, lässt der Ministerialdirektor nicht unbedingt gelten und weist auf die Stadtbahn der AVG hin. Diese brauche zugegebenermaßen etwas länger, bis sie ihr Ziel in Karlsruhe erreiche. In die Gegenrichtung nach Stuttgart könne man über Vaihingen fahren und auf Go-Ahead umsteigen.

Verbesserungen bis zur nächsten Fahrplanumstellung?

Lahl kann sich vorstellen, dass bis zur nächsten Fahrplanumstellung im Dezember einiges für Pendler aus Niefern, Eutingen und Enzberg verbessert wird. Etwa, indem der Morgenzug, der von Stuttgart nach Wilferdingen-Singen fährt und hier wendet, verlängert wird und bis nach Karlsruhe weiterfährt. Allerdings brauche man für zusätzliche Züge auch das Personal, so Lahl.

Mit Verkehrsdaten der Vergangenheit werden keine Neukunden gewonnen

Die Ausführungen des Ministerialdirektors lässt Erik Schweickert so nicht gelten: „Es ist absolut unangebracht, die Anzahl der negativ Betroffenen auf die paar Pendler zu reduzieren. Wer die direkten RE in den letzten Jahren genutzt hat, kennt die sehr guten Auslastungen dieser Züge. Da mit fünf Jahre alten Fahrgastzahlen aus 2014 zu kommen ist schon ziemlich erbärmlich“, sagt der Nieferner im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier. Ein neues Fahrplankonzept sollte eigentlich mehr Mobilität auf der umweltfreundlichen Schiene möglich machen. Doch das Gegenteil werde gemacht: „Mit Verkehrsdaten der Vergangenheit werden doch keine Neukunden gewonnen. Es ist ein verkehrspolitisches Armutszeugnis, dass sich das grüne Verkehrsministerium selbst ausstellt, wenn es wie selbstverständlich von „Verlierern“ spricht.“

Fixierung auf Stuttgart „falsch“

Nach Schweickert sei auch die Fixierung auf Stuttgart falsch. Es gehe um das Oberzentrum Pforzheim, den Enzkreis und um den Anschluss an den Knoten Karlsruhe. Das sei im neuen Konzept instabil. Als nicht richtig bezeichnet Schweickert auch die Behauptung, auf der Residenzbahn stünden Trassen nicht zur Verfügung. Fahrbahntrassen bestünden zwischen Mühlacker, Pforzheim und Karlsruhe ganz gewiss.

Weiter Unterschriften sammeln will Erik Schweickert (rechts), um Verbesserungen auf der Residenzbahn zu erreichen. Foto: Ehmann

Einigkeit beim Thema Bahnsteighöhe

Beim Thema Bahnsteighöhe stimmt Lahl Schweickert zu, der sich für einen stufenlosen Einstieg einsetzt und im gesamten Enzkreis gern eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern sähe. „Auch wir würden am liebsten auf der gesamten Residenzbahn 55er-Bahnsteige haben, weil das auch zu unseren Fahrzeugen passt. Der Bund möchte aber nun mal die 76er-Bahnsteige“, so Lahl. In schwierigen Gesprächen mit dem Bund habe das Verkehrsministerium immerhin erreicht, dass bei Stationserneuerungen die Bahnsteigkanten, an denen auch die Stadtbahn halte, auf 55 Zentimeter bleiben.
In Wilferdingen-Singen laufen derzeit Gespräche mit DB Station & Service über eine provisorische Bahnsteigerhöhung, damit aus beiden Zugteilen beim IRE an dieser Station ein- und ausgestiegen werden kann, so der Ministerialdirektor.

Schweickert will mit seinen Mitstreitern weiter Unterschriften sammeln: am Montag, 1. Juli,  ab 6.30 Uhr am Bahnhof in Enzberg.