Noch viele Unklarheiten gibt es im Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler. Unter anderem ist nicht klar, wie der 57-jährige Pforzheimer gestorben ist. Foto: Ochs

Urteil wohl erst im August

Mordprozess um getöteten Pforzheimer Schmuckhändler wird zu Puzzle

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Der Prozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler wird zu einem Puzzle mit vielen Teilen. Am 16. Prozesstag beschäftigte sich die Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts mit Videoaufnahmen am Tattag, dem Erbschmuck der Witwe und einer Schmuckkollektion, die das Opfer für sein Ringportal verwenden wollte.

Wie mehrfach berichtet, wirft das Gericht unter Vorsitz des Richters Alexander Lautz einem 37-jährigen Edelsteinhändler aus dem Landkreis Calw vor, den 20 Jahre älteren Schmuckhändler aus Habgier getötet zu haben.

Wie er das gemacht haben soll, ist weiterhin unklar. Sicher ist, dass der Schmuckhändler am 21. Juni 2019 einen Geschäftstermin im Pforzheimer Büro des Beschuldigten hatte und jenes nicht lebend verließ. Der Angeklagte behauptete, der ältere Mann sei bewusstlos am Tisch zusammengesunken; die Staatsanwaltschaft ging anfangs von Strangulation aus.

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Gutachter bezweifelt Strangulation

Ein medizinischer Sachverständiger bezweifelte das im Laufe des Prozesses jedoch und schloss nicht aus, dass die Hämatome am Körper des Opfers auch von einem Sturz herrühren können. Die Einblutungen an Hals und Rücken können auch davon stammen, dass der Angeklagte den Toten in sein Auto gezerrt habe. Der Beschuldigte gestand, zum Prozessbeginn, dass er die Leiche ins Elsass gefahren und dort auf einem Feldweg angezündet hat.

Am Freitag hätten eigentlich die Plädoyers gehalten werden sollen. Das verschiebt sich nun voraussichtlich auf August, weil die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen ist. Ein histologisches Gutachten soll am 24. Juli anhand von Gewebeproben den Todeszeitpunkt näher bestimmen.

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Gutachten soll Todeszeitpunkt näher bestimmen

Die Witwe des Schmuckhändlers, die als Nebenklägerin auftritt, berichtete am Freitag vom Schmuck, den sie von ihrer Tante geerbt hat, und der am Tat-Tag ebenso verschwand wie die Rolex-Uhr ihres Mannes.

Der Angeklagte soll Uhr und Schmuck nach der Tat eingeschmolzen haben. Mysteriös ist auch der Verbleib von Brillanten im Wert von 14.000 Euro, die der Schmuckhändler beim Angeklagten bestellte und für sein geplantes Ringportal verwenden wollte. Ob ihr Mann dem Angeklagten beim Termin in dessen Büro das Geld bar übergeben wollte, hielt die Witwe in ihrer Zeugenaussage für möglich.

Richter Lautz schilderte, was auf Videoaufzeichnungen aus Kameras im Büro eines Brüderpaars zu sehen ist. Die beiden Geschäftspartner sollen dem Angeklagten bei der Beseitigung der Leiche geholfen haben. In den Videos sieht man die Männer im Gespräch. Verteidiger Marvin Schroth schlug vor, die Videosequenzen, die am späten Nachmittag des Tat-Tags entstanden sind, anzufordern und anzuschauen.

Der Prozess wird am Montag, 29. Juli, um 13.30 Uhr fortgesetzt.