Mundschutz
Die Nachfrage nach Mundschutzmasken ist groß. | Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa

Enorme Nachfrage

Mundschutzmasken sind Mangelware: So bereitet sich Pforzheim auf den Coronavirus vor

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Für viele ihrer Kunden haben die Apothekerinnen Claudia Himmelmann und Mareike Gröhbühl in diesen Tagen schlechte Nachrichten: „Wir kommen mit den Liefermengen nicht mehr mit“, sagt Himmelmann in der Stadtapotheke Pforzheim fast schon entschuldigend. Mundschutzmasken seien sehr gefragt in Zeiten des Coronavirus.

„Seit zwei Wochen ist es extrem“, sagt sie weiter. Fast 1.800 Masken habe man in nur zwei Monaten verkauft, so Kollegin Gröhbühl. Und noch einmal knapp 200 Desinfektionsmittel. Eine Ausnahme ist das nicht. Fritz Becker, Inhaber der Nordstadt-Apotheke und Vorsitzender des deutschen Apothekerverbandes, kommt selbst auf über 1.000 verkaufte Mundschutzpakete – und es wären noch mehr, hätte er genug auf Lager.

Ein Abriegeln ganzer Kommunen wie in Norditalien ist bei uns derzeit nicht in Sicht.

Angelika Edwards, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Enzkreis

Denn Priorität haben die Krankenhäuser. Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts im Enzkreis, richtet sich längst auch auf die Ankunft des neuartigen Virus auch in Pforzheim und Umland ein, nachdem der Virus auch Baden-Württemberg erreicht hat. „Die Kliniken haben Vorbereitungen für weitere Betten getroffen“, schildert Joggerst die Situation: „Mundschutz, Desinfektionsmaterial und notwendige Medikamente sind vorhanden, leider steht aber ein Impfstoff noch aus.“

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An einer Ausweitung der Bettenkapazitäten werde gearbeitet, Personal entsprechend geschult, teilt das Amt mit. Sobald in Deutschland mehr Fälle auftreten, werde die Strategie schrittweise angepasst. Die stellvertretende Amtsleiterin Angelika Edwards ergänzt: „Alle kennen die notwendigen Maßnahmen wie Absonderungen oder Quarantäne. Ein Abriegeln von ganzen Kommunen wie in Norditalien ist bei uns derzeit nicht in Sicht.“

Helios-Klinikum erhielt jüngst eine neue Lungenmaschine

Dass das Coronavirus Pforzheim erreicht, daran hat man in Helios- und Siloah-Klinikum kaum noch Zweifel. „Wir haben den Notfallplan auf unsere Klinik angepasst und das ärztliche sowie pflegerische Personal entsprechend eingewiesen und geschult“, heißt es in einer Stellungnahme. Im Helios hatte man jüngst ein Gerät zur Unterstützung der Lunge namens ECMO angeschafft – das Coronavirus kann zu Lungenentzündungen führen.

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Lungenspezialist warnt vor Unterschätzen der Grippe durch Coronavirus

Im Siloah, wo man es schon mit zwei Verdachtsfälle zu tun hatte, zeigt man sich ähnlich gewappnet. „Aufgrund der verfügbaren Kapazitäten sind wir in der Lage, auf eine sich verändernde Situation entsprechend reagieren zu können“, sagt Cornelius Ehmann, Leiter der Notaufnahme und Lungenspezialist. Beide Häuser warnen vor Hysterie – und dadurch ein Unterschätzen der Grippe.

„Auch eine Influenza kann zu akutem Lungenversagen führen. Die Grippe gerät durch die Corona-Debatte völlig in den Hintergrund. Obwohl allein am Helios Klinikum Pforzheim seit Anfang des Jahres 141 Influenza-Fälle behandelt wurden“, betont man im Helios. Beim Siloah ergänzt Ehmann: „Sowohl Grippe wie auch das Coronavirus sind ernsthafte Erkrankungen, die auch schwere Verlaufsformen annehmen können aber überwiegend folgenlos abheilen.“

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Coronavirus-Fall in Göppingen verunsichert Fußballer des 1. CfR Pforzheim

Der Ausbruch in Göppingen könnte noch in einer weiteren Hinsicht Konsequenzen für Pforzheim haben. In anderthalb Wochen soll dort das Fußball-Oberligaspiel zwischen dem 1. Göppinger SV und dem 1. CfR Pforzheim stattfinden. Beim württembergischen Fußballverband sieht man auf Anfrage noch keinen Grund dazu, das Spiel abzusagen. „Ich bin schon besorgt“, sagt CfR-Trainer Fatih Ceylan. „Wenn sich jemand in Mannschaft oder Verein da anstecken sollte, wird es schlimm. Dann würde ich da ungern hin. Sonst wird das ein Spiel mit Mundschutzmaske.“

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Experten sehen beschränkten Nutzen bei Atemmasken

Allerdings betonen die Experten in den Apotheken, dass die Masken vor allem einen psychologischen Effekt haben. „Das ist nur im Krankenhaus wirklich notwendig, wo sich Ärzte und Pflegekräfte intensiv um Kranke kümmern“, sagt Edwards vom Gesundheitsamt.