Eine beschädigten Scheibe eines Einzelhandelsgeschäfts
Auch in Karlsruhe und Pforzheim haben Einzelhändler die Randale in der Landeshauptstadt genau verfolgt. | Foto: Marijan Murat/dpa

Eine völlig neue Situation

Nach Ereignissen in Stuttgart: Einzelhändler in Karlsruhe und Pforzheim zeigen sich betroffen

Anzeige

Fliegende Pflastersteine, eingeschlagene Schaufenster und Plünderungen: Die gewaltsamen Ausschreitungen in Stuttgart haben vor allem Ladenbesitzer in Angst und Schrecken versetzt. Insgesamt 40 Geschäfte wurden demoliert, neun wurden ausgeraubt. Auch in Karlsruhe und Pforzheim haben Einzelhändler die Randale in der Landeshauptstadt genau verfolgt.

Am Tag danach zeigen sie sich zwar betroffen – Angst, dass ihnen etwas Ähnliches widerfahren könnte, haben die meisten jedoch nicht. „Ich war im negativen Sinn sehr überrascht. Die Ausschreitungen kamen ja quasi aus dem Nichts“, sagt Stefan Tholen, Verkaufsleiter beim Schuhhaus Danger in der Karlsruher Kaiserstraße. Beim Blick auf die Bilder aus Stuttgart mache er sich schon Gedanken, besondere Schutzvorkehrungen habe er allerdings noch nicht getroffen. „Wir schließen abends wie gehabt ab. Viel mehr können wir nicht tun.“

Mehr zum Thema: Nach Gewaltnacht: „Karlsruhe ist nicht Stuttgart, aber wir sind sensibilisiert“

Von einer „völlig neuen Situation“ spricht Stefan Wallbaum, Inhaber von Schirm Weinig. Dass Menschen scheinbar wahllos randalieren, dafür fehle ihm jegliches Verständnis. In Karlsruhe seien Ausschreitungen definitiv die Ausnahme. „Ich wurde mal von einem alkoholisierten Jugendlichen bedroht“, erzählt Wallbaum. So etwas komme aber äußerst selten vor. „in zehn Jahren vielleicht einmal“. Furcht vor größeren Ausschreitungen in seinem Laden habe er nicht. „Angst ist ein schlechter Ratgeber, wenn man ein Geschäft betreiben möchte.“

Karlsruhe ist ein ruhiges Pflaster.

Hans Karst, Geschäftsführer Musikhaus Schlaile

Im Musikhaus Schlaile, nur ein paar Gehminuten entfernt, steht unter anderem ein mehrere Tausend Euro teures Klavier im Schaufenster. Trotz der wertvollen Ware gibt sich Geschäftsführer Hans Karst gelassen. „Karlsruhe ist ein ruhiges Pflaster“, sagt er – obwohl man in der 150-jährigen Geschichte des Traditionshauses schon so einiges erlebt habe. „Während der RAF-Zeit hatten wir zum Beispiel eine Bombendrohung für unser Geschäft“, erinnert sich Karst. Randale wie in Stuttgart könne sich zwar grundsätzlich überall und zu jeder Zeit wiederholen. „Die Stimmung in Deutschland ist in meinen Augen aber nicht so aufgeheizt, dass man von so etwas auch hier in Karlsruhe ausgehen muss“, glaubt Karst.

Wir hatten in Karlsruhe noch nie ein Problem.

Birgit Deck, Geschäftsführerin von Bassmann Optik

Ähnlich äußert sich auch eine Verkäuferin im Damenmodengeschäft Promod. Klar, völlig gefeit sei man vor Ausschreitungen nirgendwo. Doch im Vergleich zu Großstädten wie Berlin, Hamburg oder eben auch Stuttgart sei es in der Fächerstadt meist ziemlich ruhig. „Wir hatten in Karlsruhe noch nie ein Problem“, pflichtet Birgit Deck, Geschäftsführerin von Bassmann Optik am Marktplatz bei. Anlass zur Sorge gebe es in ihren Augen nicht. „Wir haben volles Vertrauen in die Polizei und das Ordnungsamt.“

Pforzheimer Einzelhändler reagieren unaufgeregt

In der Pforzheimer City reagieren Einzelhändler ebenso unaufgeregt auf die Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften in Stuttgart. „Wir sind hier in Pforzheim“, erklärt Patricia Hörth vom Bastelgeschäft Creative & Welt am Marktplatz. Mit Blick auf die Bevölkerung hier könne sie sich derartige Ausschreitungen nicht vorstellen. Sie persönlich sei nicht der Ansicht, dass die Vorkommnisse in der Nacht zum Sonntag eine Kettenreaktion auslösen und zu ähnlichen Gewaltexzessen in der Goldstadt führen könnten.

Auch die Kolleginnen seien nicht beunruhigt, sagt sie. „Klar, man ist betroffen.“ Ähnlich gelassen äußern sich Mitarbeiter zweier Apotheken in der Fußgängerzone. Man habe von den Vorkommnissen gar nichts mitbekommen, erklärt eine Angestellte. „Bei uns ist niemand beunruhigt“, sagt auch Stephanie Jeckel, Geschäftsführerin von Galeria Kaufhof auf Anfrage dieser Redaktion.

„Das muss hier nicht passieren“, meint Renato Polonia. Für den langjährigen Mitarbeiter von Eis-Casal ist die Krawall-Nacht in der Landeshauptstadt ein Einzelfall, der ihm keine Sorgenfalte in die Stirn treibt. Daher macht auch er sich keine Sorgen, dass er eines Morgens in einen gigantischen Scherbenhaufen treten könnte, wenn er seine Arbeit beginnt. „Wir sehen ja: Es sind nicht alle Menschen normal“, fügt Polonia hinzu.

Es ist schwer zu beurteilen, woher diese Krawallbereitschaft kommt und was der Auslöser dafür ist.

Stefan Hohmann, Augenoptikermeister und Angestellter beim Optiker Eckart & Finkbeiner

Stuttgarter Verhältnisse fürchtet auch Stefan Hohmann, Augenoptikermeister und Angestellter beim Optiker Eckart & Finkbeiner, nicht für die Stadt Pforzheim. Die Geschehnisse findet er allerdings beängstigend und das Gewaltpotenzial, das sich dabei zeigte, stimme ihn nachdenklich, wie er erklärt. „Es ist schwer zu beurteilen, woher diese Krawallbereitschaft kommt und was der Auslöser dafür ist.“ Hohmann sieht eine gewisse Abgestumpfheit mancher Menschen. „Hemmschwellen sind zu niedrig und der Respekt gegenüber der Staatsgewalt hat abgenommen.“

Das sagen die Stuttgarter zu den Krawallen: