Nicht mehr auf dem neuesten Stand ist der Technikraum im Nagoldfreibad in Dillweißenstein. Das jedenfalls war die Botschaft der Ingenieure Mustafa Isgüder (Zweiter von rechts) und Ulrich Pade (rechts) an Bürgermeister Dirk Büscher (links, CDU) und die Pforzheimer Gemeinderäte (im Bild: Christof Weisenbacher, WiP/Die Linke).
Nicht mehr auf dem neuesten Stand ist der Technikraum im Nagoldfreibad in Dillweißenstein. Das jedenfalls war die Botschaft der Ingenieure Mustafa Isgüder (Zweiter von rechts) und Ulrich Pade (rechts) an Bürgermeister Dirk Büscher (links, CDU) und die Pforzheimer Gemeinderäte (im Bild: Christof Weisenbacher, WiP/Die Linke). | Foto: J. Müller

Experte schlägt Alarm

Nagoldbad-Sanierung läge im Millionenbereich

Anzeige

Die Botschaft hätte nicht klarer sein können: „Das Nagoldbad läuft so lange weiter, bis hier etwas zusammenbricht“, sagte der Fachmann. Hier brauche es einen „gewissen Invest“. Die Freude über diese Aussage hielt sich bei den Anwesenden in Grenzen. Denn das Pforzheimer Geld in der Bäderfrage ist endlich.

Es könnte alles so einfach sein in der Pforzheimer Bäderkrise. Im Falle des Nagoldfreibads in Dillweißenstein etwa müsste man einfach einen siebenstelligen Betrag in die Hand nehmen und wäre „alle Sorgen für die nächsten 30 Jahre los“.  Zu diesem Schluss jedenfalls kam Ingenieur Mustafa Isgüder, der am Donnerstag eine bunte Gruppe aus Gemeinderatsmitgliedern, Vertretern der Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB) und Bürgermeister Dirk Büscher (CDU) durch das sanierungsbedürftige Freibad im Südwesten Pforzheims führte.

Wichtige Investitionen verpasst

So sagte Büscher gegenüber dieser Redaktion: „Das bedeutet, was wir immer sagen: Ganz oder gar nicht. Es ist die Gretchenfrage, wie wir mit wenig Geld möglichst viel Wasserfläche erhalten können.“ Schließlich türmt sich der Investitionsstau auch bei den anderen Bädern. Die Stadt verschließe sich daher nicht privaten Initiativen.

Experte Isgüder jedenfalls – der 2012 erst den Umkleidebereich des Bades teilsaniert hatte – zeichnete das Bild eines Freibades, das auf einen großen Knall zusteuert. „Hier muss nicht alles hübsch sein. Aber es muss technisch einwandfrei und intakt sein. Und das ist es hier nicht.“ Auch, weil man wichtige Investitionen in der Vergangenheit verpasst habe.

Der Heizungskessel etwa sei bereits 50 Jahre alt – und damit schon zehn Jahre überfällig. Den einfach zu ersetzen reiche aber kaum aus, da moderne Anlagen mehr Platz benötigten – was dann einen Neubau notwendig machen würde. Auch für die Rohrleitungen und der Elektronik sah Isgüder schwarz. Selbst beim Becken sah er Gefahren, da die Beckenströmung nicht mehr den Standards entspreche. Er plädierte daher für ein Edelstahlbecken.

Mehr zum Thema: Schon wieder Chlorleck im Nagoldbad Pforzheim

Gremien müssen entscheiden

Wobei dafür erst die Statik überprüft werden müsse, wie Werner Pfitzenmaier einwarf, der technische Leiter der EPVB. Die Wasserqualität habe bisher aber noch nicht gelitten – das K.-o.-Kriterium für eine weitere Benutzung. Allerdings warnte Isgüder davor, dass eines Tages der Kessel den Geist aufgebe und es dann zu hektischen und daher noch teureren Lösungen kommen könnte. Doch auch so steht schon ein Millionenbetrag im Raum sowie eine Schließung für mindestens zwei Jahre aufgrund möglicher Baumaßnahmen.

Dabei hat das Nagoldbad ein spektakuläres Jahr hinter sich. Während in Pforzheim wie in Gesamtdeutschland ein Rückgang der Freibad-Besucherzahlen zu verzeichnen war, pilgerten 6 000 Menschen mehr (54 872 insgesamt) nach Dillweißenstein als noch im Vorjahr, wie Bäderchef Bernd Mellenthin bestätigte. Welche Lösung er nun präferiere, dazu wollte er sich nicht äußeren. Wobei natürlich „jedes Bad bedeutungsvoll und erhaltenswert“ sei. Nun müssten die Gremien entscheiden.