Nur noch in den Vereinsfarben: Das Gros der möglichen Spruchbänder könnte beim 1. CfR Pforzheim bald auf dem Index stehen. Denn neben rechtsradikalen sollen auch linksradikale Parolen verboten werden. Unklar ist, inwieweit das auch die Kommerzkritik am DFB betrifft. | Foto: Rubner

Polizei verbittet sich Kritik

Neue Polizeiordnung soll „linksradikale Parolen“ im Stadion des 1. CfR Pforzheim verbieten

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„Linksradikale Parolen“ sollen im Stadion im Brötzinger Tal verboten werden. Das sieht eine geplante Polizeiordnung für das neue Stadion vor. Linksradikal seien Parolen in den Augen der Polizei dann, wenn sie Kritik an der Polizei beinhalten. Die Pläne stoßen auf ein geteiltes Echo.

Nur auf den ersten Blick erscheint wie eine Formalität, was da in der geplanten Polizeiverordnung für das Stadion im Brötzinger Tal steht. Neben unter anderem extremistischen und rechtsradikalen Parolen, wie bereits im Holzhofstadion, sind bald auch „linksradikale“ beim 1. CfR Pforzheim verboten, zumindest berät daürber der Sportausschuss am Donnerstag. Nur: Was heißt das?

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Polizei sieht vor allem Kritik an sich selbst als „linksradikal“

„Linksradikal wäre für uns Kritik an der Polizei, Kritik an der polizeilichen Überwachung“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim auf Nachfrage.

Als konkrete Beispiele nannte er „Willkür nimmt freien Lauf“ oder „Gemeinsam gegen Polizeigesetze“. Um Kapitalismuskritik gehe es ihm nicht, stellte er klar.  Zumindest, solange sie nicht ins Beleidigende ausschlägt wie jüngst bei einer Aktion diverser Fangruppen in der Bundesliga gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Die aktive Fanszene ist in der Regel in rechte Hooligans und linke Ultras zu unterscheiden.

Stellungnahme der Stadt Pforzheim

Seitens der Stadt Pforzheim verweist man auf die Aussage der Polizei. Notwendig sei die Änderung aufgrund des „Vormarschs der Ultras“. In einer Stellungnahme heißt es: „Die aktive Fanszene ist in der Regel in rechte Hooligans und linke Ultras zu unterscheiden.“ Und weiter: „Bei den Ultras geht es in erster Linie um die Unterstützung des Vereins, bei jedem Spiel dabei zu sein, sichtbar zu sein, eine möglichst laute Kurve zu organisieren. Dazu kommt häufig fanpolitisches, teilweise auch soziales und karitatives Engagement.“

Man habe sich beim Wort „linksradikal“ zudem an der Muster-Stadionordnung des DFB orientiert.

Stellungnahme der Polizei: Am Freitag veröffentlichte die Polizei Pforzheim eine Stellungnahme, nachdem dort viele Fragen wegen dieses Berichtes eingegangen seien. Darin erklärt die Polizei unter anderem, die in diesem Text zitierten Aussagen seien verkürzt wiedergegeben worden. Vielmehr habe der Polizeisprecher gesagt haben, dass Transparente oder Plakate dann als linksradikal anzusehen sind, wenn die Polizei, die Polizeigesetze beziehungsweise die polizeiliche Überwachung so kritisiert werden, dass es zu Beleidigungen kommt oder Aufrufe zu Straftaten erkennen lässt. Dies insbesondere dann, wenn sie Hass und Hetze beinhalten. Weiterhin erklärte die Polizei, dass auch in dem Fall jeder Einzelfall geprüft werde.

 

Hück sieht Meinungsfreiheit in Gefahr

Also geht es doch um mehr als Polizeikritik? Michael Schwarz (FW) jedenfalls möchte den Fußball unpolitisch lassen: „Ich persönlich halte Kommerzkritik nicht für ein Thema im Stadion.“

Allerdings sei „im Einzelfall zu entscheiden“. Ähnlich argumentiert Stadtratskollege Jörg Augenstein (CDU): „Wenn ich heute zum Sport gehe, dann möchte ich nur Sport erleben.“ Wer den DFB kritisieren wolle, der könne andere Plattformen finden. Allerdings seien ihm aus Pforzheim in jüngster Zeit keine derartigen Parolen bekannt.

Überrascht von der Änderung zeigten sich Christof Weisenbacher (WiP) und Petra Bösl (Grüne Liste). Dazu habe es in der Vorlage keinen Hinweis gegeben. Klarer formuliert da Uwe Hück (SPD): „Wir müssen jetzt sehr vorsichtig sein, dass wir die Meinungsfreiheit nicht so weit abrüsten, dass wir uns in Moskau wiederfinden.“

CfR-Vorsitzender Geiser gibt sich genervt

Der Betroffene selbst, CfR-Vorsitzender Markus Geiser, gibt sich derweil genervt von der Debatte: „Ich will diese Diskussion, was linksradikal ist, als ehrenamtlicher Vorsitzender eines Vereins gar nicht führen.“

Wenn Fangruppierungen Banner aufhängen, auf denen sie den wachsenden Einfluss von Sponsoren und Mäzenen kritisieren, dann sei das laut Geiser „Meinungsfreiheit“ – zumindest, wenn man ohne Beleidigungen auskommt

„Die Aktion am Wochenende war dämlich, unterirdisch und asozial“, sagt Geiser, der sich vom DFB allein gelassen fühlt. Und deshalb im Zweifel selbst einen radikalen Vorschlag hat: „Man sollte nur noch Vereinslogos und -farben zulassen, nichts weiter. Aber das muss von oben kommen. Da müssen dann die Verbände damit leben, dass die Stimmung in den Keller geht.“